Dienstag, 30. Mai 2017
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Schüleraustauscherlebnis Kanada -
Gastfamilie, Schule, Halloween

 

Erster Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Mariam S.


Stipendium gestiftet durch:
weltweiser



Schüleraustausch Kanada



 

Nun lebe ich seit drei Monaten in Kanada und habe so viel Neues erlebt, dass es mir ziemlich schwer fällt, mit diesem Bericht zu beginnen. Ich versuche, alle meine Erfahrungen von Anfang an und so genau wie möglich  zu schildern.

 

Im Mai hat bei mir Zuhause das Telefon geklingelt. Es war meine Austauschorganisation, die eine Gastfamilie für mich gefunden hatte! Alles war sehr aufregend und in diesem Moment ist mir erst richtig klar geworden, was für ein Abenteuer demnächst auf mich zukommen wird.


Debbie und Al, meine Gasteltern, haben zwei Söhne, die 30 und 32 Jahre alt sind und 3 Enkelkinder, die 3, 4 und 10 Jahre alt sind. Meine Gastschwester Elin ist eine Austauschschülerin aus Schweden. Gleich, nachdem die Nachricht bei mir angekommen ist, habe ich Kontakt mit meiner kanadischen Familie aufgenommen. Wir haben uns Mails geschrieben und später geskypt.

 

In den Wochen vor dem Abflug war ich einerseits traurig, meine Freunde, Familie und Berlin für zehn Monate nicht zu sehen. Doch auf der anderen Seite habe ich mich so gefreut, endlich in Kanada anzukommen. Am 18.8. war es dann so weit. Mit meinem riesigen Koffer, meiner Familie und Freunden, stand ich, verschlafen und aufgeregt, in Tegel am Flughafen und habe auf mein Flugzeug gewartet. Der Abschied war schwer, aber es ging so schnell, dass ich plötzlich im Flugzeug saß, auf dem Weg in ein großes Abenteuer.

 

Elin habe ich schon kennengelernt, bevor ich in Kanada angekommen bin. Unsere Austauschorganisation hat ein fünftägiges Soft-Landing Camp in New York organisiert. Wir haben viele andere Austauschschüler aus verschiedenen Ländern getroffen, hatten tagsüber ein Sightseeing Programm und wurden auf das Leben in Kanada vorbereitet.

 

Landing Camp New York

 

Der ganze Flug bis zu meinem neuen Zuhause in Prince George war ziemlich aufregend. Alle Austauschschüler waren sehr nervös, denn in Vancouver mussten wir die richtigen Papiere vorzeigen, um unser Visum zu bekommen. Es war aber ganz einfach und wir hatten keine Probleme. Als ich dann aus der kleinen Propellermaschine in Prince George ausgestiegen bin, war ich so aufgeregt, endlich meine Gastfamilie zu treffen. Wir mussten über die Landebahn laufen und im Flughafengebäude haben schon viele Menschen gewartet. Zuerst habe ich Al und Debbie nicht gesehen, aber dann standen sie da, wir haben uns umarmt und alles war gut.

 

Schüleraustausch Gastfamilie

 

Prince George ist eine Stadt im Norden von British Columbia mit etwa 70.000 Einwohnern. Ringsherum sind viele Wälder und Seen. Durch Prince George fließen zwei Flüsse, der Fraser und der Nechako River. Wenn das Wetter klar ist, kann man am Horizont die Rocky Mountains sehen. Ich wohne in einem Haus mit einer kleinen Terrasse und einem Garten. Als ich das erste Mal unsere Straße entlang gelaufen bin, musste ich sofort an diese typischen amerikanischen Serien denken. Überall weiße, große Häuser mit Garagen, einem Garten und vor jedem Haus stehen dann noch ein paar Trucks oder Boote. Insgesamt sieht man hier auf den Straßen fast nur Trucks. Elin und ich haben in dem Haus unsere eigenen Zimmer und teilen uns ein Badezimmer. Zu unserer kleinen Familie gehören zwei Hunde, Mira und Capone.

 

Gastfamilie Kanada

 

Wir sind zwei Wochen vor dem Schulstart angekommen und hatten deshalb genug Zeit, uns in diesem neuen Leben zurechtzufinden. Am Anfang war ich immer sehr müde wahrscheinlich wegen den 9 Stunden Zeitunterschied, den vielen neuen Eindrücken und der anderen Sprache. Fast jeden Tag sind wir mit den Hunden spazieren gegangen, haben die Umgebung besser kennengelernt und ich habe zum ersten Mal einen Elch gesehen!

 

High School Kanada

 

In einer Nacht wurden Elin und ich von Debbie geweckt, wir sollten uns dicke Socken und einen warmen Pullover überziehen. Dann sind wir vor das Haus gegangen und haben in den Himmel geguckt: es war keine einzige Wolke zu sehen, nur unzählige Sterne und diese wunderschönen grünen Lichter, die wie dünne, langgezogene Wolken vom Himmel hingen. Das waren die ersten Polarlichter, die ich in meinem Leben gesehen habe!


Elin und ich haben uns einen Semesterpass für den Bus gekauft. Die erste Busfahrt war ein richtiges Erlebnis für mich, weil die Leute so freundlich miteinander umgehen. Jeder, der aus dem Bus aussteigt, bedankt sich beim Busfahrer und alle im Bus verabschieden einen. Meine Gasteltern waren schockiert, als sie mitbekommen haben, dass ich noch nie ein Eishockeyspiel gesehen habe. Das hat sich ziemlich schnell geändert. Mittlerweile liebe ich Eishockey, es ist so ein schnelles Spiel, wird deshalb nie langweilig und die Stimmung in der Arena ist immer gut.


Hier in Kanada ist überall „Tim Hurtons“ zu finden. Das ist ähnlich wie Starbucks, nur billiger. Al trifft sich mindestens drei mal am Tag mit Freunden bei „Tim Hurtons“, um einen Kaffee zu trinken. Natürlich hatte ich auch mein erstes kanadisches Pancake Frühstück mit viel Ahornsirup. Meine Gastmutter, Elin und ich kochen gerne und haben das gleich von Anfang an zusammen ausprobiert.

 

Gastfamilie Kanada

 

In diesen ersten Wochen haben wir alles Wichtige vor dem Schulstart organisiert. Wir haben kanadische Telefonnummern bekommen und uns im Schulsystem registriert. Dazu gehört natürlich auch die Fächerwahl. Als Austauschschüler kann man jedes beliebige Fach belegen und man hat keine Pflichtfächer. Wir mussten 8 Fächer auswählen, 4 davon hat man im ersten Halbjahr jeden Tag in derselben Reihenfolge und die anderen dann im zweiten Schulhalbjahr. Ich habe mich für folgende Fächer entschieden:

 

Kanada Studenplan

 

Im ersten Halbjahr habe ich Spanisch, Physical Education (Sport), Photography und Drama bekommen und danach werde ich Englisch, Earth Science, noch einmal ein anderes Physical Education und Personal Fitness belegen. Schließlich war es so weit, der erste Schultag. Elin und ich können in 20 Minuten zur Schule laufen oder bei schlechtem Wetter mit dem Bus fahren.

 

Schulweg Kanada Schule Kanada

 

Am Anfang war es schwer, in der Schule alles zu finden. Weil jeder seinen eigenen Stundenplan hat, kann man nicht zusammen zur nächsten Stunde gehen. Ich habe mich durchgefragt und es fast immer pünktlich zu dem richtigen Raum geschafft. Es ist nicht so, dass alle einen ansprechen, weil man ein Austauschschüler ist. Man muss sich einfach trauen, sich zu irgendeiner Gruppe von Leuten zu stellen und die sind dann auch total nett und freundlich. Fast alle Leute in meinem Alter können schon Autofahren und es hat sich für mich zuerst sehr komisch angefühlt, wenn ich bei Freunden im Auto mitgefahren bin. Aber hier in Prince George ist alles so weit voneinander entfernt und man braucht für fast alles ein Auto, denn das Bussystem ist nicht so gut. Alle Schüler, die nicht Auto fahren können, sind also ziemlich abhängig von den Eltern.

 

Für mich war es neu, dass vor und nach jedem Fach eine Glocke läutet und dass die Lehrer Ansagen über Lautsprecher an alle Schüler machen können. Die Zeiten, wenn die Stunden anfangen und enden, sind ziemlich verwirrend, aber nach einiger Zeit gewöhnt man sich daran!

 

Timetable Kanada

 

Mit meiner Fächerwahl bin ich total zufrieden. Spanisch ist für mich sehr einfach, weil es für die meisten das erste oder zweite Jahr Spanisch ist und ich hatte in Berlin schon seit vier Jahren Spanischunterricht. In PE lerne ich viele Sportarten kennen, die ich nie zuvor gespielt habe, wie Golfen, Softball oder Curling. Im Moment haben wir einen Erste-Hilfe-Kurs. Nach PE habe ich Photography. Jeder hat eine eigene professionelle Kamera bekommen und wir lernen viel über die verschiedenen Einstellungen der Kameras, worauf man achten muss, wenn man fotografiert und wie man mit dem Bildbearbeitungsprogramm Photoshop umgeht. Zum Schluss habe ich Drama und wir spielen „Schneewittchen und die sieben Zwerge“. Ich bin ein Zwerg und habe viel Spaß!


Jeden Mittwoch gehe ich nach der Schule zum „Spinning“ in dem kleinen Fitnessstudio unserer Schule. Das ist wie Fahrrad fahren mit lauter Musik und natürlich ohne Fortbewegung. Zwei mal die Woche habe ich abends Basketballtraining. Die Saison beginnt zwar erst im Dezember, aber das ist schon einmal ein „Vortraining“. Dienstags in der Pause gehe ich immer zu den „Me 2 We“ Treffen. Eine Gruppe von Schüler kommt zusammen und organisiert verschiedene Dinge, um anderen Menschen zu helfen. Diese Woche haben wir zum Beispiel Kuchen und Kekse gebacken und verkauft. Das Geld haben wir für ein Mädchen in Prince George gespendet, das Krebs hat. In der Schule ist es leicht, verschiedene Clubs oder Sportarten zu finden. Überall hängen Informationszettel, alles wird über die Lautsprecher angesagt und man kann immer andere Schüler und Lehrer fragen.

 

In Prince George wohnen etwa 40 Austauschschüler, die alle auf die 8 verschiedenen Schulen verteilt sind. Jeden Monat organisiert unsere Austauschorganisation Treffen und wir unternehmen etwas zusammen. Deswegen habe ich jetzt Freunde aus ganz verschiedenen Ländern. An einem Wochenende im Oktober waren wir wandern. Wir sind 7 km auf einen Berg gewandert und hatten eine wunderschöne Aussicht über riesige Seen und gelbgrüne Wälder. Auf der Bergspitze war es so kalt und windig, dass Wasser auf meiner Mütze gefroren ist. Um uns vor Bären zu schützen, hatten wir Pfefferspray dabei und die ganze Zeit Musik an.

 

Wandern Kanada Grizzly Kanada

 

Eine Woche später war ich dann 2 Meter von einem Braunbären entfernt, der gemütlich in dem Garten unserer Nachbarn saß und im Müll gewühlt hat!

 

Für Thanksgiving bin ich mit meiner Gastfamilie nach Vernon gefahren, das im Süden von British Columbia etwa 7 Stunden von Prince George entfernt ist (Kanada ist so groß, dass die Entfernungen immer in Stunden gemessen werden). Wir hatten ein sehr köstliches, typisches Turkey Dinner und haben viel in Vernon erlebt und gesehen.

 

Thanksgiving Kanada Kürbisse Kanada Ausflug Kanada

 

Der zweite Trip, den ich unternommen habe, ging nach Vancouver und Victoria. Unsere Austauschorganisation hat ein Programm für 6 Tage organisiert und es hat mir so gut gefallen, dass ich beschlossen habe, unbedingt noch einmal in diese Städte zu kommen. Es ist einfach traumhaft, in einer großen Stadt zu sein, die direkt zwischen dem Pazifischen Ozean und riesigen Bergen liegt.

 

Freunde Kanada Bootsausflug Kanada Wale Kanada

 

Kultur kanada Ausflug Kanada Kletterwald Kanada

 

freunde Kanada

 

Dieses Jahr hatte ich mein erstes richtiges Halloween! Wochen vorher hat jeder in der Schule darüber geredet, als was man sich verkleidet. Hier kommen alle Leute in Kostümen zur Schule, die aber nicht unbedingt gruselig sind, sondern auch lustig sein können. Ich war als ein Engel verkleidet und Freunde von mir waren die heiligen drei Könige, Maria, Josef, Baby Jesus, die Sternschnuppe, ein Schaf und ein Schäfer. Im Keller unserer Schule haben viele Schüler ein "Hunted House" organisiert, das ist wie ein Spukhaus.

 

Theather Kanada

 

Alles war dunkel und viele Leute waren sehr, sehr gruselig verkleidet und haben alle Schüler, die in kleinen Gruppen durch den Keller gelaufen sind, erschreckt. Zuhause haben Elin und ich lustige Gesichter in unsere Kürbisse geschnitzt. Am Abend sind wir mit Freunden durch die Straßen gelaufen und haben nach Süßigkeiten gefragt. In Englisch sagt man "Trick or Treat" für "Süßes sonst gibts Saures". Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Süßigkeiten wie an diesem Halloween Abend bekommen. Es wäre so toll, wenn jeder sich auch in Deutschland in der Schule verkleiden würde!

 

Halloween Kanada Halloween Kanada

 

Süßigkeiten Kanada Kürbis Kanada

 

In diesen ersten 3 Monaten habe ich sehr viel erlebt und mich an das Leben in Kanada gewöhnt. Ich bin so glücklich, dass es für mich möglich ist, 10 Monate im Ausland zu verbringen und kann es nur weiterempfehlen, sich auf ein solches Abenteuer einzulassen!