Dienstag, 26. Juli 2016
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Schüleraustausch zwischen Darmstadt und
Rio de Janeiro

Erster Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Derya D.

Stipendium gestiftet durch:

weltweiser


Schüleraustausch Brasilien

 

Besuch unseres Austauschschülers Jose, 14 Jahre, aus Brasilien im Jahr 2014

 

Meine Schule hat schon lange intensive Beziehungen zu Brasilien, sodass letztes Jahr von 26.9. bis 6.10. eine Gruppe von etwa fünfzehn brasilianischen Schüler im Alter von 13 bis 15 Jahren mit zwei Begleitlehrern bei uns in Darmstadt/Hessen zu Gast war. Meine Familie nahm Jose auf, einen 14-jährigen Jungen aus Barra da Tijuca in Rio.  Ich, Derya, selbst bin etwa genauso alt wie Jose.


Die Gruppe war insgesamt 18 Stunden unterwegs gewesen: mit dem Bus zum Flughafen, dann mit dem Flugzeug von Rio nach Berlin, dort umsteigen in den Zug nach Frankfurt, und in Frankfurt wiederum mit dem Bus nach Darmstadt. Am ersten Tag ihres Aufenthaltes wurden die Schüler auf ihre Gastfamilien verteilt, mit denen sie vorher schon Kontakt per Mail hatten. Jedoch haben die meisten am Ankunftstag nur ihre Sachen ausgepackt und waren sehr erschöpft von der Reise. Am 2. Tag trafen sich alle zur normalen Anfangszeit in der Schule, um verteilt an Mathe-, Englisch und EDV-Unterrichten teilzunehmen. In den Pausen kümmerten wir uns um unseren jeweiligen Gastschüler, damit wir Kontakt miteinander halten konnten. Nachmittags führte uns die Gruppe traditionelle Dinge vor, zum Beispiel zeigten sie uns, wie man Samba tanzt. Wir haben einen Teil davon so lange geübt, bis wir tatsächlich eine gemischte Gruppe zum Tanzen bilden konnten. Außerdem sprachen wir über Capoeira, ein sehr weit verbreiteter Kampftanz aus Rio. Sie zeigten mir neue Tricks und ich konnte ihnen ebenfalls einiges zeigen, da ich diese Sportart seit nun fast 10 Jahren betreibe. Sie fanden es sehr interessant, dass ich diese Sportart auch kenne und so lange mache, da es eine sehr seltene Sportart ist. So tauschten wir gegenseitig viele Tricks aus und hatten dabei sehr viel Spaß.

 

Schüleraustausch Brasilien


Am 3. Tag war Jose komplett bei uns und wir erzählten über unsere Familien und das jeweilige Schulsystem. Wir versuchten, uns auf Englisch zu verständigen, denn wir sprachen kein Portugiesisch und Jose nur wenig Englisch und kein Deutsch. Aber die Unterhaltungen klappten auch mit Zeichnungen, Händen und Füßen sowie anscheinend internationalen Gesten. Jose erzählte uns, seine Familie bestehe aus seinem Vater, seiner Mutter, seiner 3-Jährigen Schwester und seinem 10 Monate altem Bruder. Sein Vater arbeite bei einer Bank, seine Mutter bliebe zuhause und sorge für die Familie. Er erzählte, seine Familie habe 2 Kanarienvögel und einen Hund. Er besuche seit 3 Jahren die jetzige Schule, die unserem Gymnasium entspricht und sei jetzt in der 9.Klasse. In seiner Klasse seien 11 Mädchen und 13 Jungs. Dort gehe die Schule in der Regel von 7.15 Uhr morgens bis 14.15 Uhr.


Am Abend fuhren wir nach Weinheim, in ein Erlebnisbad namens Miramar. Jose konnte nicht besonders gut schwimmen, weswegen wir sehr aufpassen mussten. Er sagte, in Brasilien lerne man nicht in der Schule schwimmen, und wer zu weit von irgendeinem Gewässer weg wohne, könne halt nicht schwimmen. Am 4. Tag besuchten wir die Mathildenhöhe in Darmstadt. Das ist ein besonderes Viertel in Darmstadt, in dem früher viele Künstler wohnten, mit besonderen architektonischen Gebäuden zur Besichtigung und mit Ausstellungen. Anschließend fuhren wir in den Darmstädter Kletterwald. Besonders aufregend für alle war der Moment, als Jose auf einem Baum im Kletterwald stand und sich nicht traute, weiter zu klettern. Er musste deswegen abgeseilt werden, um wieder runterzukommen. Da wir uns ja nur mit Gesten verständigen konnten, hat es eine Weile gedauert, bis wir alle wussten, wie wir was machen wollten bzw. sollten.


Am 5. Tag fuhren wir mit dem Zug nach Frankfurt und gingen ins Dialogmuseum. Es wird auch Blindenmuseum genannt, weil es vermitteln soll, wie man sich als Nicht-Sehender bzw. als Behinderter fühlt. Anschließend gingen wir schön in eine Pizzeria  essen und danach Lasertag spielen. Das waren sehr unterschiedliche und viele Erfahrungen an diesem Tag, sodass einige schon auf der Heimfahrt im Zug eingeschlafen sind.

 

Der Austauschpartner meiner besten Freundin, war auch der beste Freund meines Austauschpartners, was sehr gut passte, da wir deswegen so gut wie alles zusammen unternahmen. So konnte auch der eine dem anderen was erklären, wenn dieser es schneller oder besser verstanden hatte, was ganz praktisch war.


Obwohl die Brasilianer von ihrer Art her eher sehr lebhaft waren, hatte Jose am 4 Tag ziemliches Heimweh, weil es seine erste Reise ohne Familie war und dann noch auf die andere Seite des Kontinents. Wir haben dann mit ihm und seinem besten Freund einen lustigen Film geguckt, uns alle mit Popcorn und Cola auf die Couch gesetzt und dann ging es ihm wieder besser. Jose fand es sehr interessant, dass er sich in Deutschland frei (ohne Eltern bzw. Security) bewegen konnte, ohne Angst haben zu müssen, dass ihm einer etwas tut. Ich fand es sehr interessant, dass er mir erzählte, wie die Menschen in den Favelas/Armenvierteln in seiner Heimat leben.

 

Austausch Darmstadt-Brasilien


Am letzten Abend fand eine schöne Abschiedsparty in der Schule statt mit Musikvorführungen von unseren brasilianischen Gästen sowie von uns. Wir haben uns alle sehr gut verstanden, es gab keine Unfälle und keine schweren Krankheiten unter unseren Gästen, keine Streits zwischen uns und keine Katastrophen in der Heimat unserer Freunde. Uns fiel der Abschied sehr schwer, wir waren alle sehr traurig und freuten uns dennoch sehr auf das Wiedersehen im März 2015.


Derya