Montag, 27. Juni 2016
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Sauna: Ein Kulturbericht

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiat: 
Ihno S. - Finnland

Stipendium gestiftet durch:
weltweiser - Der unabhängige Bildungsberatungsdienst

 




Das vielleicht finnischste an den Finnen ist wohl die Sauna. Auch, wenn es  in vielen anderen Ländern Saunen gibt, hat sie doch nirgendwo sonst  einen so hohen Stellenwert und eine so lange Tradition wie in Finnland.
„Sauna“ ist übrigens auch das einzige finnische Wort, das den Weg in unseren deutschen Sprachgebrauch gefunden hat.
Die finnische Sauna-Gesellschaft  definierte die finnische Sauna in der Ausgabe des „Helsingin Sanomat“ vom 18. Oktober 2003: „Die Sauna ist ein hauptsächlich mit Holz ausgekleideter, belüfteter, mit Wasserzufuhr und -abfluss versehener und ausreichend beleuchteter Raum, in dem sich Sitzbretter und ein beheizbarer Saunaofen befinden und dessen Luftfeuchtigkeit gering ist. Die Luftfeuchtigkeit wird mittels Wasser erhöht, das auf die heißen Steine des Saunaofens geworfen wird. Die typische Temperatur der Sauna ist mindestens 70 Grad.Ein Saunabad besteht aus gesundem und entspannendem Schwitzen, Abkühlen und Reinigen in der Sauna und in Nachbarschaft davon und sein Zweck ist es, ein Gefühl geistigen und körperlichen Wohlbefindens zu schaffen.“
Die ersten Saunen waren sogenannte „Savusaun[en]“, zu Deutsch „Rauchsaunen“. Allerdings wird dort nicht, wie der Name vermuten lassen könnte, im Rauch gesessen. Der Name rührt daher, dass in solchen Saunen der Ofen keinen Schornstein hat, heißt, dass der Rauch beim Heizen mit Holz, erst durch die Steine des Ofens aufsteigt und dann entlang der Wände und Decke allmählich durch eine Luke aus der Sauna geht. Daher sind die Wände einer Rauchsauna stark rußig. Die Bänke werden beim Anheizen bedeckt, damit diese nicht ebenfalls schwarz werden. Man sollte es also besser vermeiden, die Wände zu streifen, sonst ist man schneller dreckiger, sprich rußiger, als zu Anfang des Saunaganges. Die meisten Finnen empfinden die Rauchsauna als angenehmer im Vergleich zu den modernen Saunen. Die Temperatur in einer Rauchsauna ist selten höher als 80° Celsius. Aber es dauert auch deutlich länger diese anzuheizen. Ich selbst hatte Mal die Chance, in einer zu saunieren. Es hat ungefähr 4 Stunden gedauert bis wir schließlich in die Sauna konnten. Dafür bleiben Rauchsaunen auch deutlich länger warm. Es ist aber auch komplizierter diese zu heizen. Im schlimmsten Fall kann die Sauna sogar abbrennen und auch ansonsten ist es in einer nicht vernünftig vorbereiteten Rauchsauna nicht besonders angenehm.
Die Zahl der Rauchsaunen verringert sich leider immer weiter. Heutzutage werden immer mehr Saunen mit elektrischen Öfen verwendet. Diese sind vorteilhaft, da es nicht so lange dauert bis man in die Sauna kann und außerdem sind diese nicht so dreckig.
Früher war die Sauna elementar für Familien. Dort wusch man sich nicht nur, sondern es fanden sogar Geburten  in der Sauna statt oder Handel wurden abgeschlossen.
Hier ein Bild einer alten Sauna





Zwar finden heute keine Geburten  mehr in der Sauna statt, aber die gesellschaftliche Bedeutung der Sauna besteht immer noch. Es ist in Finnland nicht unüblich, dass Geschäftsleute sich in der Sauna treffen.
Beinahe in jedem finnischen Haus findet man eine Sauna, mal größere, mal kleinere, Hauptsache man hat eine. Viele Finnen zeigen diese auch mit gewissem Stolz ihren Gästen. Wird man sogar eingeladen dort zu saunieren, ist das ein echter „Freundschaftsbeweis“.
Übliche Saunatage sind in Finnland Mittwoch und Samstag (so habe ich es erlebt). Während mittwochs zwar nicht unbedingt alle in die Sauna gehen, ist Samstag aber wirklich DER „Saunatag“.
In Mehrfamilienhäusern, wo nicht jede Familie eine eigene Sauna hat, gibt es genaue Zeitpläne wann welche Familie in die Sauna des Hauses darf. Dies habe ich allerdings nie selbst erlebt, sondern nur gehört. Auch zu Festen wie Weihnachten und „Juhannus“  (Mittsommer) geht man normalerweise in die Sauna.
In der finnischen Sauna ist man immer nackt. Das heißt auch, dass Männer und Frauen streng getrennt in die Sauna gehen. Nur Familien gehen gemeinsam in die Sauna. In öffentlichen Saunen allerdings gehen Frauen und Männer ebenfalls gemeinsam in die Sauna,  dann aber  mit Badebekleidung.
Finnen, die von Kindesbeinen an an die Sauna gewöhnt werden, wundern sich über die zahlreichen Regelungen, die man oft in deutschen Saunenanlagen findet.   Arja Saijonmaa verglich einmal Finnland und die Sauna mit dem Auge eines Orkans: Wer im Zentrum sitzt, weiß nicht, was Sturm ist. Es fehlt der Bezugspunkt. In Finnland gilt gemeinhin: „Es ist erlaubt, was gut tut“. Bevor man die Sauna betritt,  duscht man sich normalerweise ab. In der Sauna wird dann mit einer Kelle Wasser aus einem Eimer  auf den Ofen geworfen. Dabei ist es einzig vom Geschmack der Saunierenden abhängig, wann, wie oft und wie viel (mitunter auch was) auf den Ofen geworfen wird. Normalerweise ist man ungefähr  10 bis 15 Minuten in der Sauna bevor man sich wieder abkühlt, aber auch das ist nirgendwo vorgeschrieben, genauso wenig, wie oft das wiederholt wird. Wenn man dann aus der Sauna zurück zur Familie oder Freunden kommt sagt man oft: „Terveisiä saunasta“, man überbringt „Grüße aus der Sauna“.  Danach am besten „olutta“ und „makkaraa“, also ein Bier und finnische Grillwürstchen (schmecken meiner Meinung nach viel besser als deutsche).
Nicht für jeden ein Spaß ist das sogenannte „Avantouinti“, zu Deutsch Eislochschwimmen als Abkühlung. Dabei geht man, möglichst im kalten Winter, in einem durch Pumpen freigehaltenes Loch in der Eisdecke schwimmen. Oder man wälzt sich im Schnee. Die Hartgesottenen gehen sogar bevor sie die Sauna betreten schon mal kurz „schwimmen“ und betreten dann erst die Sauna. Beim ersten Mal ist es wirklich sehr sehr kalt, aber wie an fast alles gewöhnt man sich auch daran. Ich bin in meinem Auslandsjahr bis zu drei Mal die Woche mit meiner Gastfamilie beim Eisschwimmen gewesen und mittlerweile vermisse ich es echt. Es ist einfach großartig aus der heißen Sauna ins, im wahrsten Sinne des Wortes, eiskalte Wasser zu gehen. Außerdem stärkt das ungemein die Abwehrkräfte.

Hier ein Bild von mir im März beim Eisschwimmen:




Eine andere alte Tradition ist das Schlagen mit einem Birkenquast. Hierbei schlägt man sich mit einem aus Birkenästen gebildeten Quast. Dies dient der Durchblutung. Allerdings stirbt diese Tradition leider immer weiter aus, oder verkommt, da nur noch wenige wissen, wie der Quast genau hergestellt wird. Mein Gastvater hat mir einmal versucht zu erklären, wie man die Ruten herstellt. Verwendet werden die flexiblen Enden von Birkenästen mit Blättern. Dies bindet man nun zusammen. Dafür gab es auch eine spezielle Vorgehensweise, wo man wieder Birkenäste verwendet, aber daran erinnere ich mich nicht genau. Heutzutage werden so oder so einfach überwiegend Seile verwendet. Den Quast legt man nun während eines Saunagangs auf den Ofen, um die Äste von Parasiten, Käfern usw. zu befreien. Beim nächsten Mal kann man den Quast nun gebrauchen. Zuerst tunkt man ihn in Wasser, danach kann man sich abschlagen, um die Blutzirkulation anzuregen.
Eine andere Sache, die einem noch in einer Sauna, besonders bei Feiern, passieren kann, ist, dass jemand Bier auf den Ofen wirft. Kann ich aber nur von abraten, es stinkt doch ziemlich und der Saunabesitzer freut sich sicherlich nicht über die Überreste auf dem Ofen, sobald er wieder nüchtern ist.
Die Sauna ist eine wirklich finnische Tradition mit einer langen Geschichte und hat für die Bewohner des Landes einen sehr hohen Stellenwert und man findet wirklich finnische Saunen auch nur in Finnland!
Zum Abschluss noch ein kleines „Saunavokabular“ für Finnlandreisende:
Ämpäri – Eimer
kiuas – Saunaofen
löyly – Aufguss
lauta – Brett (im Sinne von Bank in der Sauna)
Wenn man jemanden auffordern möchte einen Aufguss zu machen oder man aufgefordert wird.
Heitäs löylyä! – Mach einen Aufguss
(Heitä) vettä kiukaalle – Wirf Wasser auf den Ofen 
Und, wenn man in die Sauna eingeladen wurde, kann man sich hiermit wunderbar bedanken:
Kiitos saunasta – Danke für die Sauna
Und falls man wieder aus der Sauna zurückkommt:
Terveisiä saunasta – Grüße aus der Sauna (klingt im Deustchen seltsam, ist aber in Finnland absolut üblich)