Montag, 29. August 2016
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Sara´s England:
Die letzten drei Monate.


Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiat: 
Sara S. - England

Stipendium gestiftet durch:
weltweiser - Der unabhängige Bildungsberatungsdienst



                                                                
Die letzten 3 Monate

Die anfänglichen Probleme mit der Sprache sind jetzt schon Schnee von vorgestern und ich habe sie erfolgreich überwunden, Freunde habe ich gefunden und mein Leben in England ist Alltag geworden. Pudelwohl fühl' ich mich hier! Dass ich in 3 Monaten schon wieder zurück muss, kann ich mir nicht vorstellen. Auch wenn ich anfänglich ein paar Schwierigkeiten hatte, mich an England im Allgemeinen zu gewöhnen, zurzeit gefällt es mir hier fast schon zu gut!

Das englische Fernsehprogramm ist bei weitem interessanter, als das deutsche Fernsehprogramm und im Original gesprochen sowieso besser und viel lustiger.  Zwar spiele ich hier in England kein Handball, einer der größten Wermutstropfen neben dem Fehlen meiner besten Freundinnen und Familie, aber ich gehe hier regelmäßig mit meiner Gastschwester ins Fitnessstudio, was für mich zum englischen Leben so dazu gehört, wie Custard zu Apple-Pie. Viel Spaß habe ich auch an den Wochenenden, an denen ich mit meiner Gastschwester und Freunden eigentlich immer nach Birmingham fahre. Zum Shoppen, Essen oder ins Kino; in Birmingham ist immer was los.



Die Schule hier in England macht, trotz langer Schultage und vielen Hausaufgaben, sehr viel Spaß. Die Lehrer sind super nett und immer für einen da und meine Mitschüler sind auch alle immer hilfsbereit und die ein oder andere Freundschaft habe ich hier gefestigt. Ich habe die Fächer Business Studies, History, Physical Education (PE) und French belegt. Business Studies ist zwar das Fach, das ich am wenigsten mochte, aber dafür ist Business Studies der Kurs, in dem ich am meisten Spaß habe, weil ich die Leute und meine Lehrer so sehr mag.
Lehrer im Plural deswegen, weil in England jedes Fach von zwei Lehrern unterrichtet wird. Die teilen sich dann entweder den Unterrichtsstoff oder, wie zum Beispiel in History, besteht das 'eine' Fach fast schon aus zwei verschiedene Fächern. History wird bei mir in European History, in dem wir über die Regierung von König Louis XIV lernen, und in British History, in dem wir über King Henry XIII lernen, aufgeteilt.
History ist für mich eines der besten Fächer, obwohl es auch das ist, wofür ich am meisten tun muss. Das, was mir an History besonders gefällt ist, dass ich was lerne, was ich in Deutschland nicht gelernt hätte. Besonders British History gefällt mir unter dem Aspekt gut. Und außerdem gehört die Abtrennung Englands von der katholischen Kirche zu Englands Geschichte und somit habe ich noch etwas mehr über England in Erfahrung gebracht. Meiner Meinung nach muss man, um die Menschen eines Landes zu verstehen, die Geschichte des Landes, in dem die Menschen leben, kennen.
Das Fach PE ist eigentlich auch ganz in Ordnung. Es eignet sich für jemanden, der sich für die Knochen und die verschiedenen Energiesysteme des Körpers interessiert. Man darf nicht erwarten, dass mit PE, wie in Deutschland, in der Sporthalle Zeit absitzen gemeint ist. Wir hatten bloß eine praktische Stunden und 4 theoretische Stunden die Woche.
French hingegen war neben British History mein anderes Lieblingsfach. Ich hatte sogar bei einer echten Französin Unterricht!
Was die englische Schule betrifft muss ich aber doch einige enttäuschen: Ich musste keine Uniform tragen! In England muss man nämlich, außer an manchen wenigen Schulen, in der Oberstufe keine Uniform tragen.


Noch 2 Monate

Jetzt sind es nur noch zwei Monate, und wird mir so langsam bewusst, dass der größte Teil meines Aufenthaltes um ist. Aber noch genieße ich mein Leben hier in England in vollen Zügen. Die Engländer sind, was ich bereits an Weihnachten bemerkt habe, verrückt danach, ihr Haus möglichst kitschig auszustatten, wenn irgendeine Feierlichkeit ansteht. „Bald steht Ostern vor der Tür“ stand schon überall in den Supermärkten auf großen Bannern geschrieben als es noch Februar war! Meine Gastfamilie ließ sich auch nicht davon abhalten, das Haus schon mal österlich einzurichten. Im Vorgarten grasen idyllisch Plastikhasen, Ostereier und Osternester liegen verteilt in Haus und Garten zur Deko und auf dem Mittagstisch gab es des öfteren Hase nach Hausart. Das war für mich ein wenig makaber, aber Gewissensbisse haben Engländer im Allgemeinen irgendwie nicht, wenn es darum geht Tiere zu essen, mit denen man normalerweise kuschelt.
Einen interessanten Brauch, den es in Deutschland nicht gibt, habe ich hier kennen gelernt. In England sammeln die Menschen zur Osterzeit Weidenkätzchen-Zweige und tätscheln sich damit gegenseitig, was Glück bringen soll. Woher dieser Brauch stammt, habe ich leider nicht raus finden können. Irgendwie weiß keiner richtig, warum das gemacht wird. Ich finde es aber einen sehr schönen englischen Osterbrauch und werde diesen nächstes Jahr in Deutschland auf jeden Fall meiner Familie einmal vorstellen.





Der letzte Monat

Viel zu früh ist die letzte Zeit in England angebrochen. Obwohl ich mich noch genau daran erinnern kann, wie ich mich vor meinem Aufenthalt gefühlt habe, die Aufgeregtheit und Vorfreude, scheint es für mich, als ob diese Zeit schon ewig her ist. Es ist schon ein wenig komisch, dass eine Zeit einem so fremd erscheint, obwohl sie noch nicht lang her ist. Ich habe in England einfach so viel erlebt, habe mich verändert, bin innerlich gewachsen, dass ich mein 'altes-Ich' zwar noch kenne, es mir aber irgendwie wie eine veraltete Version von mir erscheint. Das alles hört sich jetzt ziemlich nach einer 180°-Wende meiner Persönlichkeit an. In Wirklichkeit bin ich schlicht und einfach nur erwachsener geworden.
Es ist traurig, wenn ich mich in England bewege und bei so vielen Sachen, die ich mache, mich die ganze Zeit frage, wie oft ich das noch machen kann, oder ob es diesmal das letzte Mal war. Werde ich diesen Ort nach meinem High School Year überhaupt noch einmal sehen? Oder muss ich mir alles jetzt ganz genau einprägen und alles besonders genießen? Hinzu kommt, dass ich nicht recht weiß, ob ich mich freuen soll, bald wieder nach Hause zu kommen, oder, ob ich traurig sein soll, dass ich bald wieder nach Hause 'muss'.

Die letzten Wochen

2 Wochen, bevor es dann wirklich nach Hause ging, bin ich mit zwei meiner Gastschwestern und meiner Gastmutter für ein Wochenende nach Brighton gefahren. Es war mit eines der schönsten Wochenenden, die ich in England hatte. Aber leider war es schnell vorbei und als ich wieder zurück in Tamworth war, wurde mir deutlich bewusst, dass es jetzt bald nach Hause geht.



Und eh ich mich versah war der letzte Abend gekommen, an dem ich eine kleine Grillparty mit Freunden und meiner Gastfamilie im Garten veranstaltet habe. Alle Freunde sind gekommen um sich von mir zu verabschieden. Das war der traurigste Augenblick in den ganzen acht Monaten, und obwohl ich mich schon so sehr auf Deutschland gefreut habe -  in dem Moment wollte ich wirklich nicht weg....
Am nächsten Morgen stand ich dann auch schon am Flughafen. Ich sagte meiner Gastfamilie 'Good bye' und stieg in das Flugzeug nach Deutschland.

In Deutschland

Jetzt wo ich wieder zurück bin, fällt mir das Typische an England umso mehr auf. Es sind Dinge, die für mich in England anfänglich noch fremd waren, mit der Zeit aber alltäglich geworden sind:
Die freundlichen Menschen, die Geschmacksrichtung 'Salt and Vinegar', das berühmte 'Queing' (in der Schlange stehen), Fish and Chips und nicht zu Letzt, irgendwie, auch Starbucks, welches es in meiner Stadt in Deutschland leider nicht gibt. In Deutschland fällt einem der Unterschied zu England schon beim täglichen Gang in den Supermarkt auf; Der Mann, der vor einem durch die Tür des Supermarktes geht, lässt einem die Tür vor der Nase zufallen, die Verkäufer sind längst nicht so freundlich wie in England und vor der Kasse drängelt man sich schnell schon mal vor.
Auch an der Bushaltestelle fällt der Unterschied der Kulturen auf. Wo man sich in England immer schön in eine Reihe an der Bushaltestelle aufgestellt hat, (auch wenn es regnete, standen die Leute in einer Schlange und nahmen es auf sich, nass zu werden, damit die 'Reihenfolge' beibehalten wird!), gilt in Deutschland wieder 'Wer zu erst da ist, malt zu erst'.
Genau wie auf der Straße: Wenn man in England angerempelt wird, sagen die Engländer direkt fünf Mal Entschuldigung, selbst wenn es nicht ihre Schuld war. In Deutschland hat man hingegen ja schon fast Glück, wenn sich überhaupt  mal jemand entschuldigt.
Im Kopf bin ich immer noch ein wenig in England, was ich daran merke, dass ich die Leute in meiner Umgebung gerne mal auf Englisch anspreche. Die 'Salt and Vinegar chips' vermisse ich und, rempelt mich jemand auf der Straße an, sage ich automatisch 'Sorry'.
Etwas Positives muss ich Deutschland aber einrechnen: die Straßen hier sind viel sauberer als in England und auch das Wetter ist, generell betrachtet, besser.