Montag, 5. Dezember 2016
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Von Kanada zurück nach Deutschland

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin: 
Mara B. - Kanada

Stipendium gestiftet durch:
weltweiser - Der unabhängige Bildungsberatungsdienst


Schüleraustausch Kanada

 

Von Kanada zurück nach Deutschland

 

Meine Zeit in Kanada ging leider immer näher dem Ende zu. Ich werde diese Zeit jedoch niemals vergessen können, da ich so viele tolle Sachen erlebt habe und mich gerne an diese schönen Momente erinnere. Ich kann wirklich behaupten,  meine letzten zwei Monate in Kanada waren einer meiner besten Zeiten in meinem bisherigen Leben!


Natürlich spielte die kanadische Schule, die schon sehr viel anders als unsere deutsche Schule ist, eine sehr große Rolle bei meinem Auslandsaufenthalt. Diese hatte ich mit größter Freude ein halbes Jahr lang besucht. Der wesentliche Unterschied besteht im Unterricht. Da ich nur vier Fächer, in meinem Fall Calm (Karriere und Lebensmanagement), Englisch, Sport und Kunst  und diese jeden Tag hatte, konnte man natürlich ein Thema genauer, länger und mit mehr Freude besprechen. Wir haben zum Beispiel in Kunst  1m hohe Pappmache-Figuren gebaut und in Englisch „Romeo & Julia“ als Theaterstück eingeübt. Erstaunt hat mich auch, dass wir jeden Tag, bevor die Schule begonnen hat, die kanadische Hymne gesungen haben.  Das Verhältnis zu den Lehrern war in Kanada eher auf einer freundschaftlichen Basis. Dazu waren sie immer sehr hilfsbereit, wenn man etwas nicht ganz so gut verstanden hatte und haben sich auch nach der Schule Zeit genommen, um alles noch einmal ganz genau zu erklären. In der Schule bekommt außerdem noch jedes Kind sein eigenes Schließfach, was sehr praktisch sein kann, denn dann braucht man seine schweren Bücher nicht mit nach Hause mitzunehmen.

 

Schüleraustausch Unterricht


Im Alltag habe ich natürlich sehr viele neue und schöne Sachen erlebt. Ich habe festgestellt, dass Kanadier sehr gerne in ihrer Freizeit draußen sind und Sport treiben. So bin ich oft nach der Schule in der näheren Umgebung reiten gewesen und am Wochenende ging es schon mal weit raus in größere Gebiete, wie den umliegenden Nationalparks. Im Sommer waren wir, also ich und meine Gastfamilie, dann auch wandern und angeln.

 

Schüleraustausch Kanada


Aber eine Sache, die jedem sofort auffällt, wenn man nach Kanada reist, sind die großen Entfernungen. So fährt man zum Beispiel fast 2 Stunden nur für einen kurzen Besuch zur Oma oder zum Einkaufen in die nächstgrößere Stadt. Doch das war hier ganz normal und gehörte zum Alltag. Daran hatte man sich aber sehr schnell gewöhnt, genauso wie die Eigenart, dass der Fernseher den ganzen Tag über eingeschaltet ist. In punkto  Essen musste ich mich auch sehr umstellen. Meistens hatte man zum Frühstück nur  eine Kleinigkeit, zu Mittag Fastfood, da meine Schule keine Mensa hatte und zum Abendessen gab es fast immer Fleisch, und das in großen Mengen. Ob warm oder kalt, machten wir natürlich auch sehr oft ein Barbecue. Da könnt ihr euch ja vorstellen, dass das nach einem halben Jahr natürlich aufs Gewicht schlägt.


Während meiner Zeit in Kanada habe ich sehr viele und verschiede neue Menschen kennengelernt. Meiner Meinung nach sind Kanadier sehr offen und gastfreundlich, sie zeigen einem gerne etwas Neues und versuchen immer zu helfen, wo sie nur können. Im Gegensatz zu uns Deutschen leben sie mit wesentlich weniger Stress und versuchen meistens, alles auf die einfachste Weise zu erledigen.

 

SChüleraustausch Freundin Schüleraustausch Sport


Wie jeder Austauschschüler, bin ich nicht nach Kanada gekommen, um nur einen Fleck von diesem wunderschönen Land zu sehen. Ehrlich, das hatte ich nämlich befürchtet, als ich hier ankam. Na ja, es ist so, auf einer Farm mit über 30 Pferden, vielen anderen Tieren und einer Familie mit zwei kleinen Kindern gab es immer sehr viel zu tun und das bis spät in den Abend. Deshalb war ich umso mehr überrascht, als meine Gastmutter mir erzählte, dass sie einen mehrtägigen Camping-Reit-Ausflug nach British Columbia mit mir plante. Und das auch noch während der Schulzeit, das sich hier aber nicht als ein Problem herausstellte. So ging es auch schon eine Woche später mit dem Auto und zwei Pferden im Anhänger zu unserem Campingplatz in den Banff National Park. Ich war schon auf der Fahrt dorthin von der Natur beeindruckt, diese ewige Weite und im Hintergrund die schönen Berge, die immer näher kamen. Eine Landschaft, wie im Bilderbuch und eine sehr willkommene Abwechslung für mich. Man muss wissen, dort wo ich in Alberta mit meiner Gastfamilie lebte, war fast nur Flachland, eben „High Prairie“. Wir verbrachten dann fünf schöne Tage in einer grandiosen Umgebung im Camp, waren in erster Linie reiten und trafen dort auch immer wieder neue Menschen mit interessanten Geschichten. Kanadier erzählten viel und gerne über sich und ihr Land. Somit  saßen wir abends immer an einem gemütlichen Lagerfeuer, haben geplaudert und die Zeit dort genossen.

 

Schüleraustausch Freunde


Nach diesem Kurzurlaub wurde es auch bei uns in Alberta endlich wärmer und es wurde langsam grüner. Ich hatte mich so auf diese Zeit gefreut, da ich in diesem Jahr schon genug Schnee gesehen hatte, sogar noch Anfang Mai. Auf Grund der niedrigen Temperaturen und dem starken Wind musste man auch schon mal zu Hause bleiben oder war froh, wieder daheim zu sein, wenn es dann doch mal raus ging. Doch jetzt traf man sich öfter mit Freunden nach der Schule draußen  im Park oder in der Eisdiele und wir fuhren auch in die näheren Städte, um gemeinsam zu shoppen. Was mir persönlich sehr viel Spaß machte, waren die „Sleepovers“, das heißt, man hat sich mit einigen Freunden am Abend getroffen, geplaudert, im Garten gegrillt, Musik gehört, getanzt, einfach nur die Zeit zusammen genossen und dann gemeinsam übernachtet. Es machte mir immer Freude, etwas mit meinen Freunden zu unternehmen. Was mir sehr gefallen hat ist, dass ich durch die geringe Schülerzahl (ca. 300) an meiner High School auch sehr viele Kanadier kennengelernt habe, die mich, wie ich auch sie, richtig in ihr Herz geschlossen haben und mir wirklich einen Teil ihres Lebens gezeigt haben. Durch sie wurde mein Englisch von Tag zu Tag immer besser, ich verstehe jetzt vieles, was mir vorher wirklich Schwierigkeiten bereitet hat, wie ganze Texte und Filme, und freue mich, auch die Scheu vor der Sprache verloren zu haben.

 

Schüleraustausch Freundinnen Schülerautausch Kanada

 


So ging es auch schon langsam auf meine Abreise zu. Nur noch zwei Wochen waren übrig und mir wurde immer bewusster, dass ich bald mein Leben hier zurücklassen muss. Mein Ziel war aber, nicht Trübsal zu blasen, sondern diese letzten Wochen  so richtig zu genießen!


Am Ende eines Schuljahres ist es jedoch auch in Kanada üblich „Final Exams“, also Abschlussprüfungen, zu schreiben. Hierfür musste man sich natürlich dementsprechend vorbereiten. Doch nach dem ganzen Lernstress traf man sich nochmal mit allen Freunden und unternahm tolle Sachen mit der Familie. Wie schnell die Zeit vergehen kann konnte ich mir im Januar noch nicht vorstellen, doch irgendwann musste ja der Zeitpunkt kommen, um Abschied zu nehmen. So sagte ich meine Freunden “ Auf Wiedersehen“, natürlich mit dem Versprechen in Kontakt zu bleiben. Da blieb natürlich kein Auge trocken, doch ich habe ja ganz fest vor, nächstes Jahr alle wieder zu besuchen.

 

Schüleraustausch Schulfreundinnen Schüleraustausch Abschlussball


Ich und meine Gastfamilie fuhren am Tag vor meiner Abreise noch ein letztes Mal zu Oma und Opa, die ich richtig gern hatte, um ihnen Tschüss zu sagen und reisten danach weiter zur nächst größeren Stadt Grand Prairie, wo mein Flieger am nächsten Tag abgehoben ist. Dort verbrachten wir noch einen schönen Familientag, wir gingen in die Stadt, schauten einen Film im Kino an und aßen lecker in einem Restaurant, ich würde sagen - ein richtig toller Abschluss.


Am nächsten Morgen erwachte ich relativ früh. Zum einen war ich traurig, Kanada und alle Menschen, die ich so in mein Herz geschlossen hatte zurückzulassen, zum anderen war ich total aufgeregt, meine Familie und Freunde in Deutschland wieder zu sehen. Und dann ging es auch schon los zum Flughafen, der Gepäckabgabe und wieder zu einem „Auf Wiedersehen“, ich würde sagen, das war das schwierigste von allen, nämlich von meiner Gastfamilie. Nach einigen Minuten  wurde es aber Zeit durch die Sicherheitskontrolle zu gehen, damit ich meinen Flug nicht verpasste. Ein letzter Blick zurück, die letzten Glückwünsche wurden gerufen und kurz darauf war auch alles vorbei. Ich betrat meinen Flieger mit einem eher mulmigen Gefühl und noch in Gedanken an Kanada.

 

Schüleraustausch Gruppe



Nach einem sehr langen Flug, kam ich dann endlich in München, Deutschland an. Ich wusste, ich stehe kurz bevor, meine richtige Familie zu sehen, ich war so aufgeregt:  Wie werden sie wohl aussehen? Werden sie sich sehr verändert haben...? und noch viel mehr Fragen schwirrten in meinem Kopf herum.


Ich ging durch die Zollkontrolle, und das erste was ich sah, war meine Familie, die mir freudig zugewunken hat und meinen Namen rief. Ich rannte zu ihnen und nahm sie glücklich in meine Arme, ich war so froh sie alle wieder zu sehen. Und nein, sie hatten sich wirklich nicht viel verändert, bis auf die Körpergröße meiner Geschwister.


Jetzt hatten wir nur noch eine zwei stündige Autofahrt in meine Heimatstadt Erlangen vor uns. Diese ging viel schneller vorbei als ich dachte, weil man sich ja ein halbes Jahr nicht gesehen und so viel zu erzählen hatte. Eigentlich war ich wirklich sehr müde, als wir zu Hause ankamen, denn ich hatte nicht wirklich viel im Flugzeug geschlafen. Doch aus dem Schlafen wurde nicht viel, da meine Mutter alle meine Freunde eingeladen hat, die mit ihr zusammen eine Willkommensfeier vorbereitet hatten. Ich war überglücklich, sie alle wieder zu sehen. Es war ein Empfang, der nicht hätte besser sein können.


Und jetzt begann für mich die Eingewöhnungsphase an Deutschland. Natürlich musste ich die ersten paar Tage noch nicht in die Schule gehen, aber trotzdem war es schwer. Ich hatte sehr mit der Zeitverschiebung zu kämpfen, da es doch acht Stunden sind, aber auch mit dem Lärm in der Großstadt, den vielen Menschen und der Hitze. Nach einigen Tagen hatte sich alles normalisiert und ich bin wieder ganz normal zur Schule gegangen. Mittlerweile habe ich mich richtig gut eingelebt und führe eigentlich ein Leben wie vorher in Deutschland. Trotz allem werde ich niemals diese wunderschöne Zeit in Kanada vergessen und mich immer wieder gerne daran erinnern! Ich könnte nur jedem raten diese einzigartige Erfahrung zu machen!

 

Schüleraustausch Ausflug