Montag, 5. Dezember 2016
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Meine ersten Erfahrungen und Erlebnisse

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Sophie E. - Südafrika

Stipendium gestiftet durch:
YFU






Meine ersten Erfahrungen und Erlebnisse

Die letzten Wochen in Deutschland vergingen wie im Flug. Ich wollte mich noch ein letztes mal mit jedem treffen, nochmal alles geniessen, weil es einfach gerade so perfekt war. Die letzten Tage  vor meinem Abflug verbrachte ich in meinem Zimmer, weil ich packen musste. Alles musste ausgeräumt sein für die Ankunft des Austausschülers meiner Familie, der in meinem Zimmer leben wird. Mir fiel es schwer, aus meinem Zimmer auszuziehen und zu entscheiden was wichtig ist und was nicht. Genauso schwer fiel es mir, die Sachen für Südafrika vorzubereiten. Was werde ich brauchen? Welche Klamotten, welche Andenken? Welche Gastgeschenke sind gut um meine Kultur zu zeigen und fremden Menschen damit eine Freude zu machen? Fragen über Fragen mit denen ich aber nicht allein war. Zur Vorbereitung unseres Austauschjahres hatten wir eine Vorbereitungswoche, in der wir die anderen Austausschüler kennen gelernt haben und viel über den Weg des Jahres und die kommende Zeit gesprochen haben. In dieser Woche ist mir erst bewusst geworden, was ein Austauschjahr mit sich bringt.

Der letzte Tag vor meinem Abflug war einer der traurigsten, aber auch schönsten Tage. Meine engsten Freunde kamen nochmal zu Besuch und am Abend bin ich mit meinen Eltern und meinem Bruder essen gegangen. Auch die Anreise zum Flughafen am kommenden Morgen war gemütlich, familiär und emotional, was den Abschied um so schwerer gemacht hat.
Als wir am Flughafen ankamen, traf ich schon die ersten Austauschüler die den Abschied schon hinter sich hatten und mit Zuflügen nach Frankfurt gekommen waren. Die Stimmung war ein Mix aus Vorfreude und Trauer wegen des Abschieds von Freunden und Familie. Ich versuchte, so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie zu verbringen und gleichzeitig im Kontakt mit den anderen zu bleiben. Alles wurde ziemlich durcheinander und so verabschiedete ich mich bei jedem Stopp von meiner Familie, die dann doch noch weiter mitkommen durfte. Als dann der letzendliche Abschied kam, war er nicht ganz so emotional wie ich es erwartet hatte.
Nachdem wir durch das Gate gegangen waren, kamen plötzlich alle anderen Austauschüler an und wir warteten gemeinsam im Warteraum auf unsere Flugbegleiterin. Wir hatten uns alle lange nicht mehr gesehen und es gab viel zu erzählen. Auch wussten wir nicht genau, was passieren wird, wenn wir in Johannesburg landen und die Tatsache, dass wir im Flugzeug nicht alle zusammen sitzen würden verbreitete eine aufgeregte und enttäuschte Stimmung.
Um 22:45 Uhr durften wir dann endlich ins Flugzeug. Dort wurde ich ruhiger und verbrachte den Flug damit, Filme zu gucken, Abschiedsbriefe zu lesen und zu schlafen.
Es war eine lange, ungemütliche Nacht und wir landeten am nächsten Morgen gegen 9 Uhr in Johannesburg wo wir von unserer Organisation in Empfang genommen wurden und auf die restlichen Austausschüler aus den anderen Ländern warteten. Wir nutzten die Zeit, um das erste Geld umzutauschen. 10 Euro sind ca. 109 Rand, was mich am Anfang noch ziemlich irritiert hat, wenn die Kassiererin plötzlich 100 Rand von mir haben wollte.
Als wir alle angekommen waren, sind wir in einen Bus gestiegen, der uns in die Nähe von Pretoria gebracht hat. Die Hoffnung, dass wir alle die ersten Tage zusammen verbringen dürften, hielt nicht mehr lange an. Nach einem kurzen Frühstück sind wir 13 Austausschüler, die in Port Elizabeth leben würden, in einen Minibus gestiegen und wurden nach einer Stunde Fahrt in einen Reisebus nach Port Elizabeth gesetzt. Nun lag eine 18-stündige Fahrt vor uns, die wir ohne Begleitung verbrachten. Später habe ich gehört, dass wir eigentlich einen Inlandsflug haben sollten, den wir wegen der Verspätung der anderen Flüge verpasst haben.
Als wir in Port Elizabeth angekamen, wurden wir von unserer Organisation in Port Elizabeth in Empfang genommen und zu unserem Aufenthaltsort am Meer gefahren. Wir wohnten in “The Willows” einer grossen Ferienhausanlage direkt am Indischen Ozean.





Der erste Tag bestand aus viel Freizeit, die wir gemeinsam am Meer verbrachten und einem Vortrag über die Sicherheit und Kriminalität in Südafrika und speziell in Port Elizabeth. Die weiteren Tage sprachen wir viel über das Leben in Südafrika und die Integration in den Alltag, die erste Zeit als Austausschüler und das Treffen mit unseren Gastfamilien. In den Pausen spielten wir Rugby und abends Werwolf.
Auch wenn man sich am Anfang fremd war, bekamen wir schnell eine Gruppe und hatten viel Spass.
Als dann der Tag des Treffens der Familien kam, waren wir alle sehr nervös. Während die Familien in einem Crashkurs auf uns vorbereitet wurden, genossen wir die letzte gemeinsame Zeit am Strand. Jeder von uns wüde nun seinen eigenen Weg gehen und auf sich allein gestellt sein. Jeder musste die Verantwortung für sein Auslandsjahr übernehmen und es war klar, dass wir es nicht immer leicht haben würden.
Als Dankeschön für das Vertrauen der Gastfamilien uns bei sich aufzunehmen, und für unsere Austauschorganisation, die uns ein tolles Jahr ermöglichen würde, hatten wir eine kleine Show einstudiert, die wir vorführten bevor wir leztendlich mit unseren Gastfamilien nach Hause gingen.
Es war ein Abschied voller Erwartungen, Aufregung und Angst.
Ich lebe mit einer schwarzen Familie zusammen und habe drei Gastschwestern, 17, 12 und 4 Jahre alt, mit denen ich mich sofort gut verstanden habe.





Am ersten Abend habe ich mich sofort wohl gefühlt. Nachdem meine kleinste Schwester am Anfang total schüchtern war, fing sie in der Wohnung an, mit mir zu sprechen und zu spielen. Was ich in Südafrika total schätze ist, dass die Menschen von klein auf mehrere Sprachen sprechen lernen. Nach ihrer Muttersprache, die in meiner Familie “Tswana” ist, sprechen fast alle Kinder Englisch. Meine kleinste Schwester ist 4 Jahre alt und kann sich auf Englisch gut verständigen, spricht aber auch noch Tswana, als Muttersprache und Xhosa wegen der Nanny. Sie geht in eine Krippe, in der sie auch noch Afrikaans lernt. Das beeindruckt mich wirklich sehr!
Mein erster Schultag war gleich am ersten Morgen, nachdem ich in meine Gastfamilie gekommen bin. Meine Organisation hatte empfohlen und auch den Gastfamilien nahe gelegt, erst mal den Rest der Woche zu Hause zu bleiben und am Montag dann in die Schule zu gehen. Da bei mir aber niemand zu Hause bleiben konnte und ich mich auch mit der Nanny nicht verständigen konnte, blieb mir keine andere Möglichkeit als in die Schule zu gehen, was mir im ersten Moment dann aber auch nicht so dramatisch erschien. Im Nachhinein hat der Unterschied der Umgebung, des Lebens und der Schule   aber eine grosse unbewusste Überforderung in mir ausgelöst, die sich als Kulturschock identifiziert hat. Es hat ca. 3 Wochen gedauert bis es mir besser ging und ich mich einigermassen daran gewöhnt hatte, andere Straßen zu sehen wenn ich die Tür öffnete und morgens nicht in meinem eigenen Zimmer aufzuwachen und meine Familie und Freunde zu sehen.
Mein erster Schultag jedoch verlief den Umständen entsprechend gut. Ich gehe mit meiner grossen Schwester in eine Klasse und wurde von ihren Freunden herzlich empfangen.  





Mit der Sekretärin, die mich erst am Montag erwartete, machte ich mir einen Überblick über die möglichen Fächer und meinen kommenden Schulalltag.
Für die ersten Tage wählte ich History, Geography und Tourism, weil mir das als beste Hilfe für das Kennenlernen des Landes Südafrika erschien, und würde dann am Ende der Woche meine endgültige Entscheidung über meine Fächerawahl treffen.
In der Pause gingen meine Schwester und ich zum Schulshop, in dem ich nach einer passenden Schuluniform suchte.





Das Tragen einer Schuluniform hat eigentlich einen positiven Effekt auf den Schulalltag und das Verhalten der Schüler. Man muss morgens nicht überlegen was man anziehen soll und in der Schule wird man nicht anhand seiner Klamotten bewertet, wenn man sich versteht ist es gut, wenn nicht dann nicht.
Die ersten Tage in der Schule waren anstrengend. Alles war neu, jeder wollte wissen, woher ich komme, wie die Deutschen sind, wie mir Südafrika und Port Elizabeth gefällt und wollte mit mir sprechen. Ich hatte mich mit meinem deutschen Schulenglisch noch nicht eingelebt und musste mich erst an das südafrikanische, alltägliche Englisch gewöhnen. Weil das Schuljahr in Südafrika im Januar beginnt, kam ich mitten ins Schuljahr und den Anschluss an den Unterrichtsstoff zu finden fiel mir anfänglich schwer, dann, mit der kommenden Sicherheit in Englisch, aber immer leichter.

Nach drei Wochen Schule hatte ich mein erstes Outing mit meiner Tourism Klasse.
Wir besuchten das Naturschutzgebiet “Shamwari” in der Nähe von Port Elizabeth. Dort hörten wir uns erst einen kleinen Vortrag über die Organisation “FreeBorn” an, die in dem Gebiet Tiere stationiert, die sie aus nicht tierfreundlichen Situationen rettet und nicht wieder auswildern kann. Sie versucht, die Tiere weitesgehend an das Leben in 'freier' Natur zu gewöhnen und bietet ihnen ein restliches schönes Leben in ihrem natürlichen Lebensraum. Das Gebiet ist jedoch begrenzt und die Tiere bekommen Futter von den Wärtern, weil sie nie gelernt haben, sich ihr Futter zu erjagen.





Nachdem wir eine Führung durch die eingegrenzten Gebiete bekommen hatten, stiegen wir in ein Safari Auto, um auf die Suche der freien und wilden Tiere zu gehen. Als wir einen Hügel hoch fuhren, fanden wir eine große Gruppe Elefanten. Das Auto stoppte, um uns die Gelegenheit zu geben, die Elefanten aus der Nähe zu betrachten, sprang aber im nächsten Moment wieder an, weil einer der Elefanten mit lautem Tröten auf uns zugerannt kam und wir ausweichen mussten. Wir konnten sehen, wie die anderen Elefanten einen Kreis bildeten und dann wegliefen.





 

Unser Fahrer machte noch einige Versuche, näher an die Gruppe heranzukommen, gab dann aber letzendlich auf, weil es zu gefährlich war. Auf der weiteren Fahrt konnten wir dann aber noch viele andere Tiere sehen, unter anderem Springböcke, die wegen des südafrikanischen Rugbyteams hier sehr beliebt sind.





Auf dem Rückweg fuhren wir an einer großen Statue vorbei, die sich “Mother Nature” nennt. Sie hat drei Brüste, die für die Fürsorge einer Mutter steht. Sie schaut in Richtung Osten, weil dort die Sonne aufgeht. Das kleine Tier, welches aus ihrem Knie kommt, steht für die Wiedergeburt und der Totenkopf für Vergängnis und der Delphin steht für Freundschaft.





Unser Fahrer erzählte uns, dass die Elefanten seit Jahren versuchen, die Statue umzuwerfen, es aber noch nie geschafft haben.
Das Outing war mein erstes Erlebnis in Afrika und genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte.