Freitag, 29. Juli 2016
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Zweiter Erfahrungsbericht /
Mis aventuras ticas- segunda parte

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Hanna F. - Costa Rica

Stipendium gestiftet durch:
Costa Rica Austausch Service (CAS)

 

Schüleraustausch Costa Rica

Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht… Ich bin inzwischen seit sieben Monaten in Costa Rica, doch es fühlt sich an, als ob ich gestern erst angekommen wäre. Trotzdem habe ich schon so viel erlebt, so viele neue Leute kennengelernt, bis jetzt sechs kleine Erdbeben miterlebt und unter anderem noch einmal die Gastfamilie gewechselt. Die Zeit in der zweiten Gastfamilie war die schwerste und härteste hier, obwohl sie sich zuerst so gut anhörte. Meine Gastfamilie fuhr mit allen vier Kindern auf Ausflüge - ohne mich! Und so saß ich oft alleine und traurig in unserem großen Haus. Im November kam dann auch noch mein Geburtstag… das wurde einfach ignoriert! Am Nachmittag habe ich mich dann mit anderen Austauschschülern in San José getroffen, was mich ein bisschen abgelenkt hat. So vergingen Tage, Wochen, aber ich hatte nicht das Gefühl mein Auslandsjahr zugenießen, sondern eher jeden Tag auszuhalten zu müssen!


In der Schule schrieben wir die letzten Examen vor den Ferien, die übrigens zur Hälfte nur aus Aufgaben zum Ankreuzen bestehen. Meine Noten waren sehr unterschiedlich. Es gibt Fächer, die mich interessieren und in denen die Lehrer mich fördern, aber in anderen Fächern verstehe ich gar nichts und der Lehrer guckt mich nicht einmal an. So habe ich in Spanisch 98% aber in Biologie 16% geschrieben (ab 70% hat man bestanden).

 

Die langersehnten Sommerferien fingen Mitte Dezember an. Für zwei Wochen war ich im Schildkrötenprojekt in Buena Vista. Dort erwartete und noch eine Überraschung! Um zum Camp zu gelangen, mussten wir mit unseren Koffern durch einen Fluss schwimmen mit der Warnung: Vorsicht, Krokodile! Klitschnass und müde sind wir schließlich im Camp angekommen. Dort wohnen Freiwillige aus aller Welt in einer Art Baumhaus an einem einsamen und abgeschiedenen Strand, ohne warmes Wasser und Elektrizität. Am Tag und in der Nacht hatte man jeweils zwei Stunden Schicht, in denen man die Schildkrötennester beobachtete und die geschlüpften Babys gewogen, gemessen und zum Wasser gebracht hat. Der Rest des Tages war Freizeit und wir konnten surfen und baden gehen, in der Hängematte liegen, Volleyball spielen oder einfach die Sonne genießen. Zweimal die Woche durften wir nach Sámara gehen. Obwohl ich im Camp fünf Tage mit Grippe im Bett lag, waren es einfach zwei wunderschöne Wochen und ich habe neue Freunde gewonnen, unter anderem aus Guatemala, Kanada, Frankreich und den USA. Am Ende wollte ich das Camp gar nicht wieder verlassen, aber ich hab mich auch drauf gefreut wieder heiß duschen zu können, Internet zu haben und wieder in die Zivilisation zu kommen!

 

Die Freiwilligen im Camp

Schüleraustausch Costa Rica

 

frisch geschlüpfte Schildkröten

Costa Rica Ausflug

 

Babyschildkröten auf ihrem Weg ins Meer

Austausch Costa Rica

 

Kaum war ich aus dem Schildkrötenprojekt zurück, konnte ich zum Glück die Gastfamilie wechseln. Ich kannte die neue Familie schon vorher und fühlte mich sofort zuhause! Das Haus ist in den buntesten Farben gestrichen und meine Gastmutter ist sehr herzlich und lustig. Ich habe 3 ältere Brüder, eine kleine Schwester und eine ältere, adoptierte Schwester. Meine Brüder sind sehr musikalisch, haben auch eine kleine Band und ich lerne E-Gitarre spielen! Ich teile mir ein Zimmer mit meiner großen Schwester, es ist zwar sehr eng, aber schließlich sind wir ja nur zum Schlafen da! Der Vater lebt getrennt, aber kommt zwei Mal die Woche um etwas mit uns zu unternehmen. Auch er hat mich von Anfang an wie seine echte Tochter behandelt.


Mein Weihnachten in Costa Rica war das schönste Weihnachtsfest was ich je erlebt habe. Viele Austauschschüler erzählen, dass Weihnachten ein Tag voller Heimweh ist, aber bei mir war es genau umgekehrt. Ich war glücklich, endlich so eine tolle Gastfamilie zu haben und Weihnachten bei 30 Grad, unter Palmen und mit so viel Lebensfreude zu erleben. Wir haben uns mit der ganzen Familie (ca. 60 Personen!) im Stadtzentrum getroffen und sind von dort aus singend, tanzend und mit Kostümen verkleidet durch die Straßen gezogen. Ich kannte zwar niemanden, aber alle haben mich umarmt, mich angelacht und mir frohe Weihnachten gewünscht! Später sind wir mit ein paar anderen Verwandten zu uns nach Hause gefahren, wo meine Gastmutter ein riesiges Weihnachtsessen gekocht hat. Die ganze Nacht wurde geredet, Musik gehört und Kartentricks wurden vorgeführt. Am nächsten Morgen war Bescherung und ich habe ein großes Kuscheltier, ein Fotoalbum aus Bananenpapier und ein T-Shirt geschenkt bekommen.


An Silvester waren wir ebenfalls mit der ganzen Familie zusammen. Kurz vor Mitternacht wurde laut Musik und das Radio angemacht und wir haben heruntergezählt. Feliz año nuevo! Es gab viele Umarmungen, viele Tränen, Gebete und reichlich Essen und Trinken. Natürlich haben wir auch Raketen gezündet.


Im neuen Jahr begannen die Stierkämpfe. Doch hier ist es nicht so, dass die Stiere gequält und danach getötet werden, sondern eher andersherum! Es wird ein Stier zusammen mit verrückten Freiwilligen in die Arena gelassen und die Menschen werden vom Stier gejagt. Ganz Costa Rica sitzt an diesen Tagen vorm Fernseher, es wird gelacht, wenn jemandem die Hosen zerrissen werden und mitleidig geschluchzt, wenn jemand verletzt wurde.

 

In den Ferien habe ich viel mit meiner Gastfamilie unternommen. Wir waren im Fußballstadion, um unsere Lieblingsmannschaft Saprissa anzufeuern und im Freizeitpark. Einen Tag sind wir an die Wasserfälle La Paz gefahren. Es ist einer der schönsten Orte, die ich je gesehen habe. Mitten im Urwald in den Bergen stürzen sich Mengen von Wasser die Schluchten herunter, bunte Kolibris und riesige Schmetterlinge fliegen umher und Nebel liegt in der Luft… Im Wasserfall konnte man zwar nicht baden gehen, aber wir waren trotzdem durch die vielen Wassertröpfen am Ende komplett durchnässt! Dort haben wir auch Waschbären, bunte Frösche, Affen und Tucane gesehen.

 

Mit meinem Gastbruder und meiner Gastschwester beim Wasserfall

Schüleraustausch Abenteuer

 

Mitte Januar ist meine Gastfamilie mit mir für eine Woche in den Urlaub gefahren. Zuerst waren wir in Liberia/ Guanacaste. Wir haben bei einer entfernten Tante gewohnt, in einer sehr einfachen Holzhütte. Wir haben zu dritt in einem Bett geschlafen, weil auch noch andere Verwandte zu Besuch kamen. Warmes Wasser und einen richtigen Herd gab es nicht und am nächsten Tag haben wir für alle ein Schwein geschlachtet. Ich hätte nie gedacht, dass ich bei so etwas mal zuschauen werde und es war zwar traurig, aber ich habe zum Schluss sogar mitgeholfen die Eingeweide herauszuschneiden. Das Fleisch wurde dann über einem Feuer gebraten und es hat unerwartet gut geschmeckt. Nach 2 Tagen bei der Familie sind wir nach Tamarindo gefahren. Unser Hotel lag direkt am Strand und mit meinem Gastbruder war ich den ganzen Tag surfen. Von Tamarindo aus haben wir Tagesausflüge zu verschiedenen Stränden in der Nähe gemacht. Ich fand Playa Conchal am schönsten, das Wasser ist türkis und klar und dort gibt es kein einziges Sandkorn, denn der Strand besteht nur aus kleinen Muscheln. Am Abend sind wir auf die Fiestas de Santa Cruz gegangen, ein Fest voller Fahrgeschäfte, Partys und Verkaufsständen. Nach zwei Stunden Schlaf sind wir am Morgen zum Strand Avellanas gefahren, wo zur gleichen Zeit Miley Cyrus mit ihrer Familie war und wir sie wohl einfach nicht erkannt haben… Insgesamt war es ein wunderschöner Urlaub, mit tollen Erfahrungen, traumhaften Stränden und vielen neuen Leuten, den ich nie vergessen werde!

 

Meine Gastmutter und ich

Costa Rica Strand

 

Die monatlichen Ausflüge mit CAS sind immer ein Highlight. Wir waren am Arenal Vulkan und haben Canopy gemacht, da „fliegt“ man mit einer Seilbahn durch den Regenwald, vorbei an Wasserfällen, Schluchten und exotischen Tieren. Im Oktober waren wir auf einer Karibikinsel in Panama. Der Grenzübergang besteht aus einer alten, durchlöcherten Eisenbahnbrücke, die wir zum Glück alle heil überquert haben. Auf der Insel waren wir schnorcheln, haben Delfine gesehen und sind zu wunderschönen Stränden gefahren. Außerdem waren wir im Nationalpark und am Strand Manuel Antonio, und am Vulkan Rincón de la Vieja. Der nächste Ausflug geht wieder an die Karibikküste, nach Puerto Viejo, worauf ich mich besonders freue, denn es soll einer der schönsten Strände Costa Ricas sein.

 

Costa Rica Ausflug

 

Nach fast 3 Monaten Ferien begann wieder die Schule. Meine neue Highschool heißt Saint Peter´s und meine Mitschüler kannte ich schon vorher von einer kleinen Party. So wurde ich am ersten Schultag gleich herzlich begrüßt und hatte schon einen kleinen Freundeskreis. Es gibt nur eine Klasse pro Jahrgang und schon nach ein paar Tagen hatte ich das Gefühl jeden Schüler persönlich zu kennen. In den Pausen spielen alle Schüler zusammen Basketball, Fußball und wir jonglieren. Zweimal die Woche proben wir für die Feria Juvenil, eine große Präsentation in der Schule, wo jede Klasse eine Tanzchoreographie, einen Solo-Sänger und die Klassenband vorstellen muss. Wir wollen natürlich gewinnen und sind hart am trainieren! Außerdem bin ich in der Volleyball- AG und ab und zu haben wir Turniere gegen andere Schulen. Mit meinen Mitschülern verstehe ich mich super, ich habe gute Freunde gefunden und wir gehen zusammen ins Kino, in die Mall oder auf Konzerte.

 

Costa Rica Abschlussball

 

Inzwischen kann ich mir gar nicht mehr vorstellen nach Deutschland zurückzukehren und darf gar nicht daran denken, dass ich hier nur noch 4 Monate vor mir habe, bevor ich mich aus diesem Wirklichkeit gewordenen Traum verabschieden muss. Ich versuche jeden Moment zu genießen während die Zeit nur so verfliegt... Vielleicht kann ich etwas von der costaricanischen Lebensfreude mit nach Deutschland nehmen. Ob mir das gelingen wird? Ich weiß es selber nicht. Ihr werdet es in meinem letzten Bericht erfahren, den ich nach meiner Ankunft in Deutschland im Juli schreiben werde.