Sonntag, 24. Juli 2016
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Dritter Erfahrungsbericht

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiat
Marek B. - Costa Rica

Stipendium gestiftet durch:
Costa Rica Austausch Service (CAS)

 

Schüleraustausch USA

Erfahrungsbericht September 2013 – nach der Rückkehr

 

Vor ziemlich genau 2 Monaten habe ich mein Schüleraustausch-Projekt beendet und bin nach einem Jahr wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Ich kann schon mal vorweg sagen, dass es insgesamt gesehen ein Spitzenjahr war und das letzte halbe Jahr meine Erlebnisse der ersten Hälfte nochmal überboten haben. Schon in meinem letzten Bericht, den ich im Februar geschrieben hatte, war ich vom Austausch begeistert, doch mit dem Wiedereintritt in die Schule, habe ich mich noch wohler gefühlt. Mein Spanisch hatte ein wirklich passables Niveau erreicht und es fiel mir immer leichter, mir neue Sachen zu merken; aus der freundlichen Beziehung zu meiner Gastfamilie ist eine wahre Freundschaft geworden und auch zu meinen Freunden aus der Schule hatte ich einen immer besseren Kontakt.


Aber zunächst werde ich kurz berichten, was mir das letzte halbe Jahr meines Aufenthalts noch passiert ist, schreib danach über meinen Abschied und als letztes darüber, wie ich mich hier in Deutschland wieder eingelebt habe.

 

Das erste wichtige Ereignis hat dazu beigetragen, dass meine Zeit, die ich in der Gastfamilie verbringen durfte, noch besonderer wurde: am 13. Februar wurde meine Gastschwester, Mariapia, geboren. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich den ganzen Tag aufgeregt in der Schule gesessen habe, während meine Gastmutter im Krankenhaus Mariapia in den Wehen lag. Als ich dann von der Schule kam, bin ich mit meinem Gastonkel zu ihr gefahren, um einen ersten Blick auf sie zu werfen. Wie man sich dabei fühlt, weiß vermutlich jeder, der zum ersten Mal in seinem Leben ein so frisch-geborenes Baby sieht. Meine Gasteltern waren überglücklich und eine Sache, die mir sehr viel bedeutete, werde ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen: Mariapia hatte nämlich einen Strampler an, auf dem die Aufschrift „Little Sister“ gedruckt war, und das, obwohl sie in Wirklichkeit gar keine Geschwister hat. Das war der Moment, in dem ich gesehen habe, wie integriert ich in die Familie wirklich bin.


Für meine Gasteltern haben die nächsten Monate eine sehr schwierige Zeit bedeutet, da sie Mariapia die ganze Nacht hüten mussten und außerdem hatte sie viele Probleme mit Allergien, wodurch sie viel weinen musste. Meine Gastmutter war sehr besorgt, doch mit der Zeit wurde es besser und Mariapia hat sich zu einem Kind entwickelt, das nur noch gelegentlich weinte und viel lachte.

 

Schüleraustausch Costa Rica


Mein Gastvater hatte nun jedoch sehr viel zu tun und er ist fast nie mehr mit mir Fahrrad gefahren. Jedoch habe ich nicht davon abgelassen und bin zum Schluss noch einige Rennen mit meinem Cousin gefahren, wovon wir eins sogar fast gewonnen hätten. Außerdem hatte ich wieder angefangen, regelmäßig mit meinen Klassenkameraden Fußball zu spielen und Freitagabends wurde eine regemäßige Partie mit der Familie eingeführt.

 

Auch die Schule gefiel mir besser als zuvor, denn ich konnte durch meine besseren Spanischkenntnisse schon viel mehr verstehen. So hatte ich in einigen Fächern richtig Spaß und konnte mich aktiv am Unterricht beteiligen. Diejenigen Fächer, auf die ich eher nicht so viel Lust hatte, habe ich eher schleifen lassen, was die Lehrer jedoch auch verstanden haben.

 

Und somit komme ich langsam zum Abschied, der mir am Ende sehr schwer gefallen ist. Ich fange mal mit der Schule an:
Die Schule, auf die ich gegangen bin, war sehr klein und übersichtlich, und so kam es, dass ich fast jeden kannte. Auch mit den Lehrern hat man ein ganz anderes Verhältnis als in Deutschland. Man geht freundschaftlicher miteinander um  und erzählt sich auch viel Privates. An meinem letzten Tag wurde ein Fußballturnier organisiert, um mich zu verabschieden. Die Direktorin hielt eine kleine Abschiedsrede und als ich mich bei allen für das tolle Jahr bedankte, wurde mir sogar noch ein kleines Abschiedsgeschenk gegeben. Ich habe noch nie eine so herzliche Schule gesehen und schon hier hatte ich es schwer mich zu verabschieden. Denselben Abend hatte ich mich noch mit meinen Klassenkameraden getroffen und wir saßen beisammen und haben uns alte Geschichten erzählt und über das letzte Jahr gesprochen.

 

Costa Rica Schüleraustausch


Am nächsten Tag sind dann meine Eltern aus Deutschland eingetroffen. Wir hatten uns dazu  entschlossen, noch einen gemeinsamen Urlaub in Costa Rica zu machen. Meine Gasteltern hatten die ganze Familie eingeladen und nachdem ich meinen Eltern die fast 30 Personen vorgestellt hatte, haben wir abends ein kleines Willkommensgrillen gemacht.


Ich führte sie den nächsten Tag noch in Atenas rum und danach starteten wir unseren Urlaub. Wir fuhren durchs halbe Land und ich zeigte ihnen all die Orte, die mir am besten gefallen haben.
Am letzten Tag fuhren wir zurück nach Atenas und ich verabschiedete mich von meinen Gasteltern und von meinem Cousin, der zu meinem besten Freund in Costa Rica geworden ist.

 

Costa Rica High School

 

Ob ich in dem Moment lieber da bleiben wollte oder wieder nach Hause fahren wollte, kann ich wirklich nicht sagen, da ich sehr hin- und hergerissen war. Auf der einen Seite wollte ich noch bleiben, da ich viele Aspekte des Landes zu schätzen gelernt habe und außerdem nicht wissen konnte, wann ich all meine Freunde wiedersehe. Als ich ein Jahr zuvor nach Costa Rica aufgebrochen bin, war klar, dass ich in spätestens einem Jahr wiederkommen würde; wann ich wieder nach Costa Rica fahre, ist noch ungewiss, aber ich bin sicher, dass dies nicht das letzte Mal war. Auf der anderen Seite habe ich mich auch schon wieder auf Hamburg gefreut. Ich hatte meine Freunde seit sehr langer Zeit nicht mehr gesehen, hatte mal wieder Lust meinen anderen Hobbys nachzugehen und hatte mich auch schon wieder auf mein heimisches Bett gefreut. Und obwohl es eine ausgesprochen gute Zeit in Costa Rica war, ist ein Jahr ein langer Zeitraum und schlussendlich auch Zeit genug; auch wenn ich nachher schweren Herzens gegangen bin.

 

Inzwischen habe ich mich hier in Deutschland auch wieder gut eingelebt und denke noch sehr oft an Costa Rica. Die ersten Wochen hatte ich das Gefühl, dass mein Deutsch noch ein wenig eingerostet war, denn ich habe mich oft versprochen, aber als ich mich nachher mehr  darauf konzentriert habe, wurde es schnell besser. In der Beziehung zu meinen Freunden hat sich gar nichts verändert. Auch wenn ich nicht besonders oft mit ihnen gesprochen habe, wurde ich schon am Flughafen herzlich begrüßt und gleich wieder in die Gemeinschaft aufgenommen. Auch bei mir zu Hause hat sich eigentlich nichts verändert und auch wenn ich mit der Schule ein bisschen Stress habe, ist im Großen und Ganzen alles beim Alten geblieben, was ich auch sehr begrüße. Dadurch, dass ich sozusagen die elfte Klasse übersprungen habe, muss ich jetzt ein bisschen was nacharbeiten, aber es ist nicht unschaffbar und ich würde mich deswegen nicht von einem solchen Projekt abbringen lassen.


Ich würde es sogar jedem, der Lust auf einen Auslands-Aufenthalt hat, sofort empfehlen, nach Costa Rica zu gehen. Das Land ist genauso schön, wie man sagt und nach dem, was ich mitbekommen habe, werden euch die allermeisten Costa-Ricaner herzlich begrüßen. Man findet viele neue Freunde und sieht Dinge, die nur wenige in ihrem Leben sehen werden. Außerdem lernt man eine neue Sprache und entwickelt sich auch persönlich enorm weiter. Ich selber kann merken, dass ich deutlich selbstbewusster und selbstständiger geworden bin, doch wirklich deutlich wurde mir das, als mich sogar andere Leute angesprochen haben und gesagt haben, wie sehr ich mich weiterentwickelt hätte. Es ist eine einmalige Chance und ich rate jedem sie wahrzunehmen, denn ich habe bisher von keinem gehört, der nach der Rückkehr nicht total begeistert war.

 

Auslandsjahr Costa Rica