Mittwoch, 31. August 2016
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Erster Erfahrungsbericht
Austauschprogramm Costa Rica,
August 2012 bis Juni 2013

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiat
Marek B. - Costa Rica

Stipendium gestiftet durch:
Costa Rica Austausch Service (CAS)

 

Schüleraustausch USA


Idee
Vor ungefähr einem Jahr habe ich mich dazu entschlossen, für ein Jahr an einem Schüleraustauschprojekt teilzunehmen. Ich entschied mich für Costa Rica, weil mir dieses Land in all seinen Eigenschaften wie das Paradies schien: Perfekte Strände, wunderschöne Landschaften mit grün-bewachsenen Bergen, Schluchten und Tälern, eine exotische Tier- und Pflanzenwelt und ein angenehmes Klima, sodass ich das ganze Jahr nicht frieren müsste.

 

Schüleraustausch Costa Rica

 

Die Einheimischen, die Ticos, sollten sehr freundliche zuvorkommende Menschen sein, die das Leben lockerer und weniger streng sehen. Außerdem gilt Costa Rica als ein sicheres Land, was für meine Eltern sehr wichtig war. Im Großen und Ganzen schien es ein perfektes Land zu sein und meine einzige Sorge war, dass ich kein Wort spanisch sprechen konnte. Doch ich ließ mich davon ermutigen, dass verschiedene Schüler, die bereits an einem Austausch in Lateinamerika teilgenommen hatten, mir erzählten, dass sie sich auch ohne Vorkenntnisse nach drei Monaten gut verständigen konnten. Also nahm ich in der verbleibenden Zeit  an zwei Spanischkursen in der Volkshochschule teil, um zumindest die Grundlagen der Sprache zu lernen und bewarb mich bei CAS.

 

Schüleraustausch Strand

 

Anreise
Am 1. August 2012 ging die Reise los. Meine Freunde haben mich am Hamburger Flughafen verabschiedet. In Frankfurt hat uns eine Dame aus dem Reisebüro, bei welchem wir die Flüge gebucht haben, in Empfang genommen und uns zum Costa-Rica Abflug-Gate begleitet. Der kurze Zwischenstopp in der Dominikanischen Republik war problemlos. Bei der Ankunft in San Jose waren zwar alle sehr erschöpft, aber guter Dinge. Dann stellte sich jedoch heraus, dass mein gesamtes Gepäck nicht angekommen war, sondern wahrscheinlich noch in Frankfurt war. Auch wenn meine Gasteltern noch am selben Tag mit mir ins Einkaufszentrum gefahren sind, um die wichtigsten Sachen zu kaufen, muss ich gestehen, dass meine Stimmung, die im Flugzeug eigentlich noch gut war, ziemlich runtergezogen wurde.

Schüleraustausch Regenwald


Meine Eltern in Deutschland konnte ich nur schlecht erreichen, weil mein Handy nicht richtig funktionierte und meine Eltern in Deutschland gerade verreist waren und dort schlechten Empfang hatten. Die Zeitverschiebung von acht Stunden machte die Sache nicht einfacher. Meinen Laptop hatte ich zwar dabei, aber schon am zweiten Tag war der Akku leer und die Ladegeräte für Laptop und Handy waren in dem Koffer, der ja wahrscheinlich noch in Frankfurt war,  vielleicht aber auch in einem anderen Teil der Welt. Die Aussage, dass sich die Koffer in den nächsten Tagen schon wieder anfinden würden, tröstete mich nicht wirklich.  Dazu kam dann noch, dass ich in den ersten Tagen Fieber bekam und ich viel schlechter spanisch verstehen konnte, als ich dachte. Wegen dieser Dinge muss ich gestehen, dass ich die ersten Tage als sehr hart empfunden habe und ich ein wenig Heimweh hatte. Als dann das Gepäck fast eine Woche später ankam und ich das Fieber rausgeschwitzt hatte, ging es jedoch bergauf.

 

Mein neues Zuhause, meine Gastfamilie
Seit fast drei Monaten bin ich jetzt hier auf einer privaten Finca in dem Ort Atenas, der ca. 50 km nordöstlich von der Hauptstadt San Jose liegt. Atenas hat ca. 5.000 Einwohner (17.000 mit den Einwohnern der umliegenden Vororte) und ist so ein Mittelding zwischen Dorf und Kleinstadt, in dem man alles bekommt was man so braucht. Ich lebe in einem Haus bei zwei jungen, ausgesprochen netten Gasteltern, die sich immer die beste Mühe mit mir geben. Gastgeschwister habe ich keine, doch meine Gastmutter ist inzwischen im fünften Monat schwanger und wird im Februar ein kleines Mädchen bekommen, worauf ich schon ziemlich gespannt bin. Das Haus ist erst 1-2 Jahre alt und ist ein wenig erhöht gelegen, sodass wir eine schöne Aussicht auf die Berge rundherum haben. Ich habe ein eigenes Zimmer und sogar ein eigenes Bad.


Schüleraustausch Landschaft


In Bezug auf die Vorstellung von der Schönheit dieses Landes, kann ich sagen, dass meine Erwartungen alle erfüllt wurden, doch was mir von allem am besten gefällt, ist meine Gastfamilie: Obwohl ich sie erst 3 Monate kenne, kann ich schon mit Sicherheit sagen, dass meine Gasteltern zu den besten Personen gehören, die ich je getroffen habe. Sie sind immer in allen Dingen sehr bemüht um mich und sind immer sehr freundlich zu mir. Sie sagen „unser Haus, ist dein Haus“ und haben es geschafft, dass ich mich hier schon nahezu so wohl fühle, wie in meinem Zuhause. Wenn es ein Problem gibt, besprechen sie es in Ruhe und mit Respekt mit mir und manchmal frage ich mich, wo sie die Geduld hernehmen, wenn sie mir zum tausendsten Mal die Bedeutung von einem Wort erklären.  Abgesehen von ihnen sorgen sich auch meine „Gastgroßeltern“ und mein „Gastonkel“ sehr um mich und alle sind sehr nett und zuvorkommend.


Insgesamt scheint die Großfamilie hier eine weitaus größere Rolle zu spielen, als in Deutschland. Ich bin mindestens einmal am Tag bei meiner „Gastgroßmutter“, um dort zu essen, meine Gastmutter sogar häufiger. Ihr Haus scheint so etwas wie der Familientreffpunkt zu sein, denn hier kommt mindestens jeden Sonntag die ganze Familie zusammen, um gemeinsam zu essen und sich auszutauschen. Wir machen jedoch auch oft Shopping-Touren mit den Großeltern zusammen, gehen etwas essen oder machen einen Ausflug über ein Wochenende. Das Essen ist hier sehr lecker und meine Essgewohnheiten haben sich extrem verändert. Die Ticos scheinen mehr als wir in Deutschland zu essen, denn sie haben mehrere Mahlzeiten und morgens fangen sie den Tag oft schon mit dem typischen Reisbohnen-Gemisch (Gallo Pinto) und viel gebratener Wurst und Käse an. In Deutschland habe ich nicht alles gegessen und ungern neue Dinge probiert. Bohnen z.B. konnte ich gar nicht leiden. Hier esse und probiere ich alles und speziell Bohnen esse ich jeden Tag sehr gerne. Das costa-ricanische Essen gefällt mir mit dem Reis, vielen Bohnen und Hühnchen überhaupt sehr gut.


Schüleraustausch Radfahren


Mein Gastvater ist leidenschaftlicher Mountainbiker und ich habe mir in der ersten Woche ein Mountainbike gekauft, das ich wahrscheinlich am Ende des Jahres hier wieder verkaufen werde. Jetzt mache ich regelmäßig mit ihm oder mit den anderen Verwandten, die auch Fahrrad fahren, Radtouren in den Bergen, von denen wir wunderschöne Aussichten über das ganze Tal haben. Außerdem nehmen wir an Rennen in verschiedenen Teilen des Landes Teil, wodurch ich ein bisschen rumkomme.


Neben dem Fahrradfahren spiele ich hier auch sehr gerne Fußball. Ich bin in den örtlichen Fußballverein eingetreten, wo ich zweimal in der Woche trainiere. Sport kommt mir hier im Allgemeinen härter als in Deutschland vor, denn, obwohl ich denke, in ganz guter Verfassung zu sein, ist die Luft hier manchmal anders und das Atmen fällt unter Belastung schwer. Außerdem ist Sport durch die Hitze oft ziemlich anstrengend, trotzdem gefällt es mir gut.

 

Schule
Zunächst war die Idee, eine öffentliche Schule zu besuchen. Hier wird ausschließlich Spanisch gesprochen, was zunächst natürlich schwieriger ist, aber zu schnelleren Fortschritten führen sollte. Ich empfand es aber gerade am Anfang ein bisschen frustrierend, wenn man gar nichts sagen und verstehen kann. Außerdem sind  in dieser Schule sehr viele Stunden ausgefallen, und das Unterrichtsniveau ist auf einem deutlich anderen Level, als in Deutschland. Deswegen war es für mich oft sehr langweilig, sodass ich mir mit meinen Gasteltern überlegt habe, auf eine bilinguale Privatschule zu wechseln. CAS hat sofort mit der Schule Kontakt aufgenommen und ich konnte nach ein paar Test-Tagen schon umgemeldet werden.  Abgesehen davon, dass auch nicht wesentlich mehr in Englisch unterrichtet wird, können aber fast alle Lehrer und alle Mitschüler englisch sprechen und ich kann mich so besser mitteilen, wenn ich an meinem Spanisch scheitere. Von Anfang an fühlte ich mich auf dieser Schule sehr wohl und der Unterricht macht mir mehr Spaß. Auch mit meinen Klassenkameraden komme ich besser klar und wir machen viele Dinge zusammen. Als ich ankam, war mein Spanisch gerade gut genug, um mich vorzustellen und ein paar auswendig gelernte Sätze zu erzählen. Jetzt kann ich einiges verstehen, und wenn man nicht allzu schnell mit mir spricht, kann ich mich verständigen. Ich mache in Spanisch vielleicht nicht so schnelle Fortschritte, aber bin jetzt nach fast drei Monaten in der Lage, mich zu verständigen. Im Unterricht, aber auch auf dem Fußballplatz.

 

CAS
Die Organisation, für die ich mich für diesen Austausch entschieden habe, heißt CAS (Costa Rica Austauschservice). Alle Leute dort sind sehr nett und sehr bemüht. CAS war in der Vorbereitungsphase der Reise sehr hilfreich und setzt sich auch hier sehr dafür ein, dass es allen Schülern so gut wie möglich geht. Am besten gefällt mir, dass wir in jedem Monat eine kleine Reise innerhalb von Costa Rica, Panama und Nicaragua machen. Wir bekommen dadurch einen Eindruck von Mittelamerika, speziell von Costa Rica. Zwei Reisen haben wir schon unternommen, die mir beide sehr gut gefallen haben. Die erste ging nach Samara an der Pazifikküste. Dort habe ich den bisher schönsten Strand in meinem Leben gesehen. Er war nahezu genauso, wie man sich den perfekten Strand vorstellt. Wir waren in zweier bis vierer Gruppen in kleinen Hütten untergekommen, die direkt am Strand gelegen waren. Fast alle haben einen Surf-Kurs gemacht, der jedem sehr gut gefallen hat.


Der zweite Ausflug ging zum Vulkan Arenal, wo wir nicht nur den noch aktiven Vulkan gesehen haben, sondern auch in natürlichen Thermal-Quellen gebadet haben. Im Dschungel haben wir an einer Canopy Tour teilgenommen, wo wir angegurtet an mehreren hundert  Meter langen Seilen über die riesigen Bäume und vorbei an Wasserfällen „geflogen“ sind. Am nächsten Samstag fahren wir für 4 Tage auf eine karibische Insel in Panama, worauf ich mich schon sehr freue. Abgesehen davon, dass es wunderschöne Eindrücke sind, ist es auch ganz wichtig, die anderen CAS Teilnehmer zu treffen, um sich über die Erfahrungen auszutauschen und zu hören, was sie so machen.

 

Fazit
Jedem, der sich wirklich sicher ist, ein Austausch-Programm zu machen, würde ich sofort empfehlen, nach Costa Rica zu gehen. Es ist ein wunderbares Land mit sehr netten Leuten. Meine Erwartungen wurden voll erfüllt und häufig noch übertroffen, doch meiner Meinung nach, sollte das Heimweh nicht unterschätzt werden. Ein Jahr ist in eine lange Zeit, weshalb man sich sich genau überlegen sollte, ob man ein Jahr auf seine Gewohnheiten verzichten kann. Ich habe in 3 Monaten hier keine 2 Stunden Videospiele gespielt, doch was ich am meisten vermisse, ist meine Familie und meine engsten Freunde. Der Anfang ist jedoch das Schwierigste und ich muss gestehen, dass es an den ersten Tagen manchmal sehr hart für mich war. Doch ich glaube, dass ich diesen Teil jetzt langsam hinter mich bringe. Es wird von Tag zu Tag besser und ich bin mir sicher, dass ich bis zum Juli nächsten Jahres hier bleiben werde und kann mir vorstellen, dass ich mich bald hier so eingelebt habe, dass ich keine sehnsüchtigen Gedanken an mein zu Hause mehr haben werde. Auch von den meisten anderen habe ich den Eindruck, dass es bei ihnen ähnlich aussieht. Aber ich denke, dass bei so gut wie jedem der Punkt kommen wird, an dem man stolz und froh ist, dass man sich dazu entschlossen hat, für ein Jahr oder auch nur ein halbes nach Costa Rica gekommen zu sein.


Schüleraustausch Ausflug