Montag, 5. Dezember 2016
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Meine erste Woche als Austauschschülerin

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Sarah T. - Kanada

Stipendium gestiftet durch:
GLS

 

Schüleraustausch USA

 

Seit einem Monat wohne ich jetzt schon in North Vancouver an der Westküste Kanadas und besuche dort die Handsworth Secondary School. Ich wohne bei Serah, meiner Gastmutter. Sie ist Klavierlehrerin und unterrichtet bei sich zu Hause.  Meine Gastbrüder, Matt und Justin, sind 22 und 18 Jahre alt und wohnen nicht mehr zu Hause, kommen jedoch oft zu Besuch. Serah hat eine Katze, sie heißt „Snuggles“ und ist wirklich sehr süß. Meine erste Woche in Kanada war besonders aufregend und spannend. Alle meine Erlebnisse habe ich in meinem Tagebuch festgehalten und möchte sie euch jetzt erzählen:

 

 

Samstag, 1. September

 

Morgens um 5 Uhr stehen wir auf und kommen nach drei Stunden Fahrt um 10 Uhr am Frank­furter Flughafen an. Seit gestern streikt die Lufthansa und es erwartet uns eine lange Schlange am Check-In Schalter. Zum Abschied nehmen bleibt danach nicht mehr viel Zeit, da ich mich wieder in eine weitere lange Schlange vor der Pass- und Sicherheitskontrolle einreihen muss. Beim Warten erkenne ich meine Familie noch eine Zeit lang, doch dann bin ich plötzlich alleine zwischen den vielen wartenden Leuten. Ich fange an zu zweifeln, ob ich mein Handgepäck vorschriftsmäßig gepackt habe und ob ich meinen Geigenkoffer zusätzlich zum Rucksack überhaupt mitnehmen darf. Streng genommen ist er nämlich als Handgepäck zu groß und zwei Handgepäckstücke sind außerdem gar nicht erlaubt. Doch meine Bedenken verfliegen, während ich an der Reihe bin und mir ein sehr netter Beamter hilft, mein Handgepäck auf das Förderband zur Gepäckkontrolle zu legen.  Am Gate treffe ich einige andere Teenager, die auch mit GLS nach Kanada reisen und so vergeht die Zeit des Wartens recht schnell. Mit einem Shuttle-Bus fahren wir zum Flugzeug und starten, wegen einer gesperrten Startbahn mit fünfzig Minuten Verspätung.


Nach 9 Stunden und 40 Minuten, zwei Stunden Schlaf und drei Filmen landen wir schließlich in Vancouver. Der Flughafen ist sehr schön gestaltet, mit Brunnen, künstlichen Flüssen, Brücken, Pflanzen und Holzfiguren. Wir durchqueren die Passkontrolle, holen unseren Koffer vom Gepäckband ab und besorgen uns das Visum. Zum Glück ist das alles überhaupt kein Problem. In der Eingangshalle werden wir sehr herzlich von einem Taxi-Unternehmen empfangen und unser Betreuer der kanadischen Austauschorganisation ist auch schon da. Wir unterhalten uns mit ihm, während wir noch auf ein paar andere Schüler warten. Schließlich ist es soweit und ich werde zusammen mit drei anderen Austauschschülern zu unseren Gastfamilien gebracht. Ich bin richtig gespannt auf die erste Begegnung mit meiner Gastmutter, bei der ich die nächsten 10 Monate wohnen darf. Serah begrüßt mich ganz herzlich und zeigt mir gleich mein Zimmer und das Bad. Mein Zimmer ist sehr schön und durch die vielen Fenster sehr hell. Die Aussicht ist wunderbar! Auf der einen Seite sehe ich die Berge auf der anderen die Skyline von Vancouver. Noch während ich die Aussicht genieße, klingelt es an der Tür und der Taxifahrer kommt noch einmal vorbei um mir freundlicherweise meine Geige zu bringen, die ich im Taxi liegen gelassen habe. Nachdem ich meine Sachen ausgepackt habe, gibt es Dinner zusammen mit Serahs Schwester Katia, die gerade zu Besuch ist. Danach packt Serah noch die Gastgeschenke aus, die ich mitgebracht habe. Sie freut sich sehr über den Bildband von meiner Heimatstadt und über das selbst gestaltete Foto-Memory. Bevor ich ins Bett gehe, schreibe ich noch eine  E-Mail als Lebenszeichen an meine Eltern.

 

 

Sonntag, 2. September

 

Heute hat Katia Geburtstag. Ich wache erst um halb zehn auf und gehe dann gleich nach unten um zu frühstücken. Es gibt Porridge, einen sehr leckeren Haferbrei mit Nüssen, Rosinen, und Früchten. Katia verabschiedet sich und geht ein wenig zum Shoppen in die beiden nahe gelegenen Einkaufszentren gehen. Ich checke meine E-Mails und gehe gegen Mittag mit Serah einkaufen. Sie zeigt mir eine Bank, wo ich Geld abheben kann und einen Laden, wo ich mir meine Busfahrkarte für September kaufe. Anschließend gehen wir noch in einen Gemüse- und Obstladen, in eine Konditorei und in einen Bioladen, um einige Geschenke für Katia und Serahs Mutter zu kaufen. Zum Lunch essen wir einen Sandwich und eine asiatische Nudelsuppe, die uns allerdings beiden zu scharf ist.


Am Nachmittag spiele ich ein wenig Geige und Klavier. Serah hat drei Klaviere in ihrer Wohnung stehen. Um herauszufinden, welches mir davon wohl am besten gefällt, probiere ich sie nacheinander alle aus. Ich entscheide mich für das älteste mit dem wärmsten Ton und einem sehr weichen Anschlag. Es gefällt mir sehr gut, trotzdem muss ich mich erst einmal daran gewöhnen.

 

Danach gehe ich noch spazieren und erkunde die nähere Umgebung. Ich schlendere die Lonsdale Avenue, die Einkaufsstraße, entlang und finde viele schöne Bildmotive, die ich auf vielen Fotos festhalte. Es gibt dort viele Geschäfte und kurz vor Ladenschluss kaufe ich mir noch schnell eine Karte von Vancouver und Umgebung; sie ist wirklich sehr nützlich und in den ersten Wochen habe ich sie überall mit dabei. Schließlich erreiche ich den Fjord direkt an der Anlegestelle des Seabus. Die Fähre verbindet North Vancouver mit Vancouver Downtown. Von einem langen Steg aus bewundere ich die schöne Skyline von Vancouver.

 

Schüleraustausch Kanada

 

Austauschjahr Kanada

 

High School Kanada

 

Als ich wieder zu Hause ankomme, treffe ich Matt und Justin, die zu Besuch gekommen sind. Sie sind sehr begeistert von den Füllfederhaltern und Tintenpatronen, die ich ihnen mitgebracht habe. Am besten finden sie, dass diese Stifte „recycelbar“ sind und sie die Tinte nachfüllen können. Zusammen essen wir Dinner und feiern Katias Geburtstag mit Sahnetorte, Wassermelone und Heidelbeeren als Nachtisch. Abends zeigt mir Matt noch den Schulweg und die richtigen Bushaltestellen. Er kennt sich sehr gut aus, da er dieselbe Schule besucht hat. Mit der Zeitverschiebung habe ich keine Probleme, konnte ich doch im Flugzeug immerhin etwas und in meiner ersten Nacht in Kanada wirklich lange schlafen.

 

 

Montag, 3. September

 

Heute bin ich früh aufgestanden und habe meine E-Mails gecheckt, bevor ich nach unten gehe und Porridge frühstücke. Vormittags übe ich Klavier. Nach dem Lunch zusammen mit Serah und Katia mache ich mich auf den Weg um meine neue Busfahrkarte auszuprobieren. Mit der Nummer 229 fahre ich zum Lonsdale Quay, einem Einkaufszentrum direkt am Fjord mit vielen kleinen Läden. Ich mache viele Fotos bevor ich hineingehe und mich in den kleinen Läden umschaue.

 

Schüleraustausch Kanada

 

Kanada Shopping

 

Es werden Spezialitäten aus verschiedenen Ländern angeboten: Sushi, Chinese Food, Belgian Chocolate. Es gibt eine kleine Bäckerei, in der man Sandwiches probieren darf, einen Süßigkeitenladen, ein italienisches Restaurant und eine Konditorei. Ich kaufe mir einen "Snowball", das ist ein kleiner Schokoladenkuchen in Form einer Kugel mit Kokosraspeln bestreut. Den Snowball esse ich am Fjord und höre mir dazu die südamerikanische Musik eines Straßenmusikers an. Anschließend fahre ich mit dem Bus nach Hause. Abends helfe ich Katia beim Fenster putzen, dann gibt es Chicken, Reis und Gemüse zum Dinner.

 

 

Dienstag, 4. September

 

Heute bin ich nachmittags zum ersten Mal in der Schule. Die Lehrerin, die die internationalen Schüler betreut, erklärt uns in Kürze alles Wichtige, sagt uns die Nummern unserer Homerooms und zeigt uns dann die Räume. Gleich danach fahre ich mit einigen anderen Internationals zum School District Meeting. Dort bekommen wir noch einige wichtige Unterlagen und wieder viele neue Informationen.

 

 

Mittwoch, 5. September

 

Heute ist mein erster Schultag in Kanada! Bei mir stehen PE (Sport), Textiles (Nähen), Mathematik und Englisch auf dem Stundenplan. In jedem Fach schauen wir uns die Themen an, stellen uns vor, besprechen, was wir alles besorgen müssen und bekommen die Klassenraumregeln, um sie von unseren Eltern unterschreiben zu lassen... Doch jedes Mal andere Schüler, Lehrer und Räume; echt anstrengend. In Mathematik schreiben wir noch ein Wiederholungsquiz. Das war echt einfach, deshalb werde ich wahrscheinlich in einen höheren Kurs wechseln. In Englisch müssen wir ein Essay mit 300 Wörtern schreiben, damit uns die Lehrerin einschätzen kann. Nachtmittags bringe ich noch meinen Reisepass zum School District Büro, da ich ihn am Dienstag vergessen habe und gehe danach zur Lonsdale Avenue, um mir schon mal die wichtigsten Schulsachen zu besorgen. Ich brauche nämlich neues Papier und einen Ordner, da das Papier ein anderes Format hat und mit drei Löchern gelocht wird.

 

 

Donnerstag, 6. September

 

Heute kommen noch vier weitere neue Fächer dazu: Science, Business, Social Studies und Arts. Business gefällt mir überhaupt nicht, aber Social Studies und Science sind echt toll. Am Nachmittag haben wir Arts, wir sollen ein Buch zeichnen, dass vor uns auf dem Tisch liegt. Ich stelle schnell fest, dass das gar nicht so einfach ist.  Als Hausaufgabe sollen wir einen Stuhl und etwas Kreatives in unser neues Sketchbook zeichnen. Nach der Schule gehe ich zu Mrs. Jecks, um über meinen Stundenplan zu sprechen, da ich außer Englisch und Socials kein Fach habe, welches ich gewählt habe. Sie sagt, dass sie meine E-Mail nicht mehr finden kann, ich meinen Stundenplan jedoch noch ein wenig ändern kann, sodass ich einige meiner Wunschfächer bekomme. Wir können auf jeden Fall schon einmal Textiles durch Strings Senior ersetzen,  weshalb ich jedoch in einen anderen Sportkurs wechseln muss. Direkt nach der Schule fahre ich zum Park Royal, besorge mir ein paar neue Sportschuhe und einige weitere Sachen für die Schule.

 

 

Freitag, 7. September

 

In der ersten Schulstunde haben wir wieder Mathe. Es ist total einfach und langweilig. Wir machen Exponentialrechnungen und bekommen noch ein Arbeitsblatt als Hausaufgabe. In PE treffe ich ein Mädchen aus Korea, sie wohnt schon ein Jahr lang mit ihrer Gastfamilie in Kanada, hat aber die Schule gewechselt und ist auch neu an Handsworth. Wir müssen uns einige Runden warm laufen und dann spielen wir Frisbee. Am Ende der Stunde spielen wir Ultimate, das ist Frisbee als Mannschaftssport und das macht richtig Spaß. Danach habe ich zum ersten Mal Strings. Mr. Kabok und die Schüler im Orchester sind total nett und begrüßen mich sehr herzlich. Wir spielen ein Stück von Vivaldi. Zufällig erfahre ich von einem Mädchen im Orchester von dem Outdoor Club Meeting, dass heute in der Pause stattfinden soll. Das Mädchen will mir nach der Probe den Weg zeigen, doch leider verlieren wir uns aus den Augen. Zum Glück kann mir die Sekretärin weiterhelfen und mir sagen, zu welchem Raum ich muss. So finde ich schließlich mit Hilfe eines Lageplans der Schule doch noch zum Outdoor Club Meeting und komme nur wenig zu spät. Geplant wird für das nächste Wochenende eine 3-tägige Hiking Tour im Garibaldi Provincial Park. Übernachten wollen wir in Zelten am Garibaldi Lake, einem Gletschersee. Hoffentlich kann ich mitmachen, das wird bestimmt aufregend. Nachmittags habe ich dann noch Englisch. Wir lesen das Buch: "To kill a Mockingbird"  und bekommen ein Menge Hausaufgaben dazu auf.

 

 

Samstag, 8. September

 

Heute morgen skype ich das erste Mal seit meiner Abreise mit meinen Eltern und Geschwistern in Deutschland und mache danach noch ein paar Hausaufgaben, bevor ich mich nach dem Lunch um drei Uhr mit Laura an einer Bushaltestelle treffe. Wir entscheiden uns spontan, Downtown zu erkunden. Zuerst fahren wir mit dem Bus zum Lonsdale Quay, dann mit dem Seabus nach Vancouver und dort mit der Skyline in die Robson Street, eine große Einkaufstraße im Zentrum der Stadt. Wir bummeln ein wenig umher, schauen uns die Library, ein beeindruckendes Gebäude an, schießen jede Menge Fotos und beobachten die Fans, wie sie gerade von einem Spiel aus dem Stadion kommen. Zum Abschluss gehen wir dann noch nach Gastown. Dort ist alles wunderschön mit Pflanzen geschmückt und die bekannte Steam Clock raucht, als wir sie fotografieren.

 

Kanada Stadtrundgang

 

Erkundung Vancouver

 

Stadtrundgang Vancouver

 

Meine erste Woche in Kanada war noch viel schöner und aufregender als ich sie mir vorgestellt habe. Wenn die nächsten 42 Wochen auch so schön werden, wird mein Austauschjahr ein voller Erfolg.