Freitag, 26. August 2016
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High School Australien

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Thea Marie B. - Australien

Stipendium gestiftet durch:
GLS

 

Schüleraustausch USA

 

24 Stunden Flug ist eine lange Zeit und danach sieht niemand mehr ganz frisch und munter aus. Trotzdem versucht man sein Bestes, denn schließlich will man ja einen guten Eindruck auf die Gastfamilie machen. Gleichzeitig gehen einem Tausende Fragen durch den Kopf: Wie sehen die wohl in Wirklichkeit aus? Sind sie nett? Werden sich mich mögen? Und dann ist da auch noch die Sorge über die Sprache. Werde ich das Richtige sagen? Werden sie lachen, wenn ich was falsch mache? Was ist, wenn ich nicht weiß, wie ich etwas sagen und mich verhalten soll?

 

Ankommen
Ja, auch ich habe all das hinter mir. Aber es war nicht so schlimm wie es klingt. Natürlich war ich nervös als ich vor fünf fremden Personen stand, die ich nur vom Foto und vom Skypen kannte. Ich hatte alles vergessen was ich sagen wollte.
Aber ich musste gar nichts sagen. Mein Gastvater, meine Gastschwester (13 Jahre) und die ebenfalls in „meiner Familie“ wohnende Gastschülerin aus Japan (17 Jahre) umarmten mich herzlich. Sie erkundigten sich danach, ob ich einen guten Flug hatte. Zuerst war ich noch ein bisschen schüchtern, um was zu sagen, aber mit einem freundlichen „Yes, thank you!“ ist man fürs erste immer auf der richtigen Seite.
Dann hatte ich einen „typisch australischen Heimweg“ vor mir. Das bedeutet, zwei Stunden Autofahrt, bevor wir das Ziel, mein Zuhause für ein halbes Jahr, erreicht hatten. Hier in Australien ist ebend alles ziemlich weit auseinander. Aber auch diese zwei Stunden haben meine Gastfamilie und ich gut gemeistert. Die ersten Gespräche waren noch etwas steif und keiner wusste wirklich, was man einander sagen und fragen konnte. Aber schon nach wenigen Minuten zeigte sich, dass wir gut miteinander auskommen würden.

 

Schüleraustausch Australien

 

Mein „Zuhause“
In meinen neuen ’zu Hause’ angekommen, wurde ich erst einmal von den Kindern meiner Gastfamilie in Haus und Garten herumgeführt. Neben dem „Flughafen-Empfangskomitee“ gehören noch meine Gastmutter – supernett -, mein Gastbruder (11 Jahre) und meine kleine Gastschwester (drei Jahre) sowie ein Hund und drei Hühner zu meiner Gastfamilie. Schnell fühlte ich mich willkommen und auch irgendwie schon geborgen. Mein Zimmer ist gemütlich und hat alles, was ich brauche: Ein Bett, einen Schrank, ein Regal, einen Schreibtisch, eine schöne Couch, ein großes Fenster und die Wände sind in einer freundlichen Farbe gestrichen. Alles konnte ich nach belieben umstellen und meine Gastschwester hat mir gleich Poster geschenkt, die ich in meinem Zimmer aufhängen konnte, um mich heimisch zu fühlen. Das war großartig!
Nach einem gemeinsamen Willkommens-Abendbrot habe ich mich „hundemüde“ in mein Zimmer zurückgezogen und erst einmal bis zum nächsten Nachmittag durchgeschlafen.

 

Erste Eindrücke
In den folgenden Tagen hat mir meine Gastfamilie die Stadt gezeigt. Ich konnte mich an einiges erinnern, da ich schon einmal hier war, aber ich habe auch viel Neues entdeckt. Auch wurde ich unheimlich vielen Leuten vorgestellt: Nachbarn Freunden, Freunden von Freunden …. und zum Teil habe ich immer noch Probleme, mir die Namen zu merken. Aber das ist nicht so schlimm, denn hier nennt man sich gegenseitig sowieso eher ’dude’ oder ’mate’. Nach einem schönen Wochenende, stand mir auch gleich schon der erste Schultag bevor. Und um ehrlich zu sein, ich war schon lange nicht mehr so nervös.

 

Meine neue Schule
In meiner Schule, genauer gesagt in meiner ’Homegroup’ wurde ich zunächst von allen Seiten angeguckt und das große Tuscheln fing an. Eine Homegroup ist übrigens so etwas Ähnliches wie eine Klassengemeinschaft, in der alle organisatorischen Dinge geregelt werden und der man sich zugehörig fühlt. Für die einzelnen Fächer belegt man Kurse, die man mit unterschiedlichen Leuten hat. In der Homegroup sollte ich mich dann vorstellen, was eigentlich ganz unkompliziert war, denn alle waren unglaublich freundlich und offen. Jeder wollte mir etwas in der Schule zeigen oder sich mit mir unterhalten - und Schwupps war ich das neue Gesprächsthema an der Schule (derzeit bin ich die einzige Deutsche an der Schule). Da sind vorrübergehend sogar all die anderen Gesprächsthemen über „Jungs und Mädchen“ an der Schule vergessen. Alle reden über dich und jeder kennt deinen Namen. Ich wurde von allen Seiten gegrüßt, hatte aber gleichzeitig keine Ahnung, wer die freundlich lachenden Personen eigentlich sind. Wenn ich jemanden etwas erzählt habe, dann wussten es gleich alle, weil ich eben die Neue war. Schnell habe ich mich in die Homegroup eingewöhnt und mit ziemlich vielen Leuten gleich sehr gut verstanden. Auch wurde ich gleich herzlich in mehrere Freundesgruppen aufgenommen.
Aber schon nach ein paar Tagen war das Alltag und inzwischen bin ich eine ganz normale Schülerin des Charles Campbell College in Adelaide, South Australia. (Worüber ich unglaublich froh bin!!!)

 

High School Australien

 

Meine Schule auf den zweiten Blick
Die Schule, und auch der Unterreicht, sind hier ganz anders, als ich es erwartet hatte. Mein Schulalltag in Deutschland, an einem Gymnasium, sieht in der Regel so aus, dass ich nach dem Unterricht noch viele Stunden am Schreibtisch mit Hausaufgaben und Lernen für Klausuren verbringen muss; manchmal bis in die Abendstunden. Das ist hier ganz anders. Am Anfang wusste ich gar nicht, was ich mit der ganzen freien Zeit am Nachmittag anfangen sollte. Unterricht ist in der Regel von 8:45 – 15:20 Uhr; mit Extrakursen – Sport zum Beispiel - bis 17:00 Uhr.


Auch der Unterricht selbst ist anders. Die ersten Tage in der Schule dachte ich: Okay, es sind die ersten Tage des neuen Halbjahres, vielleicht geben sie uns ein bisschen Zeit, sodass wir uns wieder einleben können und dann legen sie ganz normal mit dem Unterricht los, dachte ich eben. Aber dieser Umbruch passierte nicht. Die Schule hier, soweit man, wie ich, auf eine staatliche Schule geht, ist viel entspannter und stressfreier (sicher auch nicht ganz so anspruchsvoll) als in Deutschland. Aber im Gegensatz zu deutschen Schulen haben die Schüler hier die Möglichkeit, ihre Fächer individueller zu gestalten. Darüber hinaus können sie in jedem Term (das Schuljahr, von Januar bis Dezember, ist in vier Terms eingeteilt) andere Bereiche belegen (wählen). Mathe, Englisch und Naturwissenschaften sind Pflichtfächer, die sie in jedem Term belegen müssen. Aber die anderen vier Fächer (es werden immer nur sechs bis sieben Fächer pro Term belegt) können sie frei auswählen. Die Auswahl an interessanten Fächern ist ungemein groß. So gibt es an meiner Schule neben Fächern wie Fotografie, Business, Recht und Werken, ein ganzes Programm (Selective Entries), das nur besteht, um die künstlerischen Begabungen der Schülerinnen und Schüler zu unterstützen. In diesem Programm gibt es Tanz, Theater und Musik als extrem intensive Fächer. Wenn man sich also dafür entscheidet, so wie ich es getan habe (das war mein Grund an diese Schule zu gehen), hat man jede Woche bis zu vier Stunden in den gewählten ’spezial’ Fächern. An unserer Schule werden diese von (ehemaligen) Tänzern, Schauspielern und Musikern unterrichtet, was super ist, weil man so von einem „Profi“ lernt.


Zudem werden an unserer Schule in jedem Term eine Musikproduktion und eine Tanzperformance einstudiert. In diesem Term habe ich auch jeweils daran teilgenommen, was teilweise sehr anstrengend aber insgesamt eine super Erfahrung war.

 

Freunde Australien

 

Das Australische Schulsystem
Insgesamt ist das Schulsystem in Australien total anders. Die Schülerinnen und Schüler gehen sieben Jahre zur Primary School (Grundschule) und dann fünf Jahre zur High School. In Deutschland gehen wir nur vier Jahre zur Grundschule, anschließend fünf Jahre zur Hauptschule, sechs Jahre zur Realschule oder acht Jahre zum Gymnasium. Hier gehen alle Kinder zusammen zur Schule (eher wie bei uns Gesamtschule); der Unterschied dann allerdings darin, ob man auf eine staatliche oder eine Privatschule geht.


Was mir besonders aufgefallen ist, da die Primary School hier bis zur siebten Klasse geht, sind alle noch ein bisschen länger Kind. In Deutschland hatte ich manchmal den Eindruck, dass schon zwölfjährige Kinder aus Klasse sieben mit dicken Make-up-Schichten herumlaufen und nachts länger ausgehen. Hier werden sie länger auf das vorbereitet, was sie in der High School und im restlichen Leben erwartet.


Wenn dann der große Wechsel von der eher familiären Umgebung der Primary School zur großen High School bevor steht, ist jeder aufgeregt. Bei diesem Wechsel macht erleben die Kinder hier einen großen Schritt in Richtung Selbstständigkeit. Da meine Gastschwester all das gerade erlebt, weiß ich, was für eine Freude bei den Primary Schülern aufkommt, wenn es heißt: Noch zwei Monate und dann gehst du zur High School. Dann bist du ein bisschen mehr erwachsen und kannst mehr entscheiden. Auch bist du alt genug, um viele neue Dinge kennenzulernen - aber auch Fehler zu machen, und aus ihnen zu lernen.

 

Land, Leute Multikulti
Als ich meine Reise nach Australien plante, viele Bücher las und im Internet recherchierte, bin ich oftmals auf den Aspekt getroffen, dass Australien ein sehr multikulturelles Land ist. Und das ist wahr! Hier in „Down under“ leben unheimlich viele verschiedene Nationen: Italiener, Japaner, Chinesen, Griechen, Afrikaner, Deutsche und sehr viele Inder. So trifft man immer neue Leute, aus anderen Ländern, mit anderen Traditionen. Das ist sehr interessant. So kann ein einfacher Besuch bei Freunden der Gastfamilie zum reinsten Abenteuer werden. Anderes Essen, andere Sitten, andere Traditionen und vor allem andere No-Goes! Ich hatte anfangs ziemliche Angst wenn es hieß: „Heute sind wir bei Indern zum Abendessen eingeladen.“ Ich dachte: Was ist wenn ich mich falsch benehme? Was ist wenn ich das Essen nicht mag? Wie sage ich, wenn ich etwas gar nicht will? Aber das ist gar nicht so kompliziert. Die Menschen andere Kulturen, die ich bisher getroffen habe, waren immer sehr erfreut, dass ich mich für ihre Kultur interessiere. Auch wenn ich bei den Gerichten manchmal etwas verhalten war (vertrage nicht gut ganz scharfes Essen), war es völlig okay, wenn ich nur vorsichtig davon probiert habe. Allein schon darüber haben sie sich gefreut und meine gute Absicht erkannt.
Allerdings ist mir auch aufgefallen, dass manche Kulturen mehr angenommen und akzeptiert werden als andere. Das liegt, nach meiner Einschätzung u. a. zum Teil daran, dass inzwischen viele Menschen hier aus asiatischen Ländern stammen. Diese bilden länderspezifisch untereinander Gruppen (ich habe sehr viel Japaner wahrgenommen), wohnen in einer Straße, eröffnen eigene Läden und man hat manchmal den Eindruck, sie wollen unter sich bleiben.

 

Australien High School


Aber ich glaube, das stimmt nicht immer; oftmals ist es scheinbar anders herum, dass die „Aussies“ ein bisschen auf Abstand bleiben, weil ihnen die anderen Kulturen sehr fremd vorkommen. Aber ich denke Australiens Ziel, das Land noch multikultureller zu machen, ohne zu versuchen, alle neuen Einwanderer zu Australiern zu „formatieren“, ist ein guter Anfang, um in ein paar Jahren ein noch bunteres Australien zu haben.

 

Für heute abschließend kann ich nur jeden empfehlen, der sich nach (meistens) warmen und sommerlichen Wetter, netten Leuten und einer tollen Umgebung sehnt, demnächst sein Vorstellungsgespräch bei GLS zu machen um ans andere Ende der Welt zu reisen und unglaubliche tolle und spannende Erfahrungen zu machen.

Liebe Grüße aus dem Land der Kängurus, Koalas, tollen Strände und supernetten Aussies.

Thea