Montag, 5. Dezember 2016
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Drei aufregende Monate in Ecuador

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Vicky B. - Ecuador

Stipendium gestiftet durch:
YFU

 

Viktoria Ecuador

Ich kann es kaum glauben, 3 Monate bin ich jetzt schon hier in Ecuador! Ich kann mich noch ganz genau an meinen Abflugstag in Deutschland erinnern. Ich war überhaupt nicht aufgeregt. Dieser Gedanke, für 10 Monate in Ecuador zu leben und meine Familie und Freunde in Deutschland zu lassen, war für mich noch total unwirklich. Erst nach den 2 Tagen Vorbereitung in Quito, der Hauptstadt Ecuadors, wurde ich so langsam aufgeregt. Es ging los an die Küste nach Machala. Nach der langen Fahrt mit einem kleinen Bus habe ich sie sofort gesehen! Meine Gastschwester Mishel und meine Gastmutter. Die beiden und 2 meiner Cousins, haben mich mit Blumen und Luftballons empfangen. Sie haben mich auch direkt umarmt und sich genauso gefreut wie ich. Ich habe mich sofort wohl gefühlt und dachte mir, dass es bestimmt erst mal so gut weiter geht. Da habe ich mich aber leider geirrt. Am nächsten Tag sind wir einkaufen gegangen und auf einmal habe ich die schlimmsten Bauchschmerzen meines Lebens bekommen. Da ich aber außer „Hola, que tal?“ kein Wort auf Spanisch sprechen konnte, war ich total überfordert zu erklären, was ich hatte. Meine Familie war richtig panisch und ich konnte gar nichts mehr. Auf einmal standen ganz viele andere Ecuadorianer um mich herum und wollten helfen. Für mich war das aber eher noch unangenehmer, weil ich einfach nicht erklären konnte, was los war. Im Endeffekt sind wir dann in ein Krankenhaus gefahren und sie haben rausgefunden, was ich habe. Dort musste ich eine Nacht schlafen und ich kann euch sagen, dass war einer oder sogar der schlimmste Tag, den ich je hatte. Andererseits hat uns das aber auch schon zusammengeschweißt. Die haben sich so lieb um mich gekümmert und ich wusste, dass ich richtig Glück mit meiner Gastfamilie gehabt habe.

 

Militärschule Ecuador


Nach einer Woche hatte ich endlich meinen ersten Schultag. Ich bin auf einer Militärschule. Der einzige Unterschied zu anderen Schulen ist eigentlich nur, dass man morgens 15-45 Minuten formatiert und dass auf dem Schulgelände überall Sargens rumlaufen. Die Sorgen für Disziplin, aber davon kann man an meiner Schule nicht so viel finden. Sobald kein Sargent mehr in der Nähe ist, drehen alle durch und man muss nur noch lachen. Am Anfang wusste ich noch nicht so wirklich, was ich mir unter „Militärschule“ vorstellen sollte. Da mein erster Tag ein Montag war, ging die „Zeremonie“ am Morgen etwas länger als sonst. Ich hatte natürlich keine Ahnung, wo ich mich wie bei welchem Befehl hinbewegen musste. Auf einmal wurde die Nationalhymne angemacht und alle haben gesungen, später haben sie auch noch ein Militärlied gesungen. Aber das ist eben nur am Montag. Außerdem müssen wir montags eine andere Schuluniform tragen, dazu gehören auch Schuhe mit Absatz (natürlich nur für die Mädchen). Nach der Zeremonie ging es in die Klassen. Auf dem Weg dorthin, haben mich einfach alle angeguckt und es wurde über mich geredet. In meiner Klasse kamen auch sofort Mitschüler zu mir und haben versucht sich irgendwie mit mir zu verständigen. Plötzlich stand die ganze Klasse um mich herum und ein Junge meinte, dass er jetzt für mich singt. Er fing an zu singen und alle stimmten ein und ich saß einfach nur verblüfft in der Mitte und habe mich gefreut. So etwas würde in Deutschland einfach nie passieren. An meinem ersten Tag habe ich auch direkt ein neues Fach kennengelernt: „Valores“ .  Da schreibt man keine Examen oder Test, man redet einfach nur über Gefühle und sowas alles.  Aber mit meiner Klasse bin ich wirklich glücklich! Es war einfach Freunde zu finden, alle sind nett und sie erklären mir alles, wenn ich etwas nicht verstehe.


Nach 3 Wochen habe ich endlich meinen Gastbruder kennengelernt. Er ist eine Woche im Monat bei uns zu Hause. Die anderen Wochen arbeitet er in einer anderen Stadt. Er ist genau so ein großer Bruder, wie ich mir große Brüder in Ecuador vorgestellt habe. Immer am aufpassen, dass meine Gastschwester und ich nichts Gefährliches machen, aber auch richtig lustig. So ein Bruder hat Vorteile aber auch Nachteile.  Ein Nachteil an meinem Bruder ist z.B., dass er es nicht mag, wenn wir feiern gehen. Das müssen wir dann immer irgendwie heimlich machen, wenn er da ist, weil meine Gastmutter sonst Ärger mit ihm bekommt und das möchte sie nicht. Auch so eine Sache, an die ich mich erst mal gewöhnen musste. Ich habe noch einen anderen Gastbruder, aber der lebt, wie auch der Vater meiner Gastschwester, in den USA.

 

Strand Ecuador


Mit meinem Bruder und Cousin, sind wir dann endlich an einen Strand gefahren.  Da Machala eine Hafenstadt ist, haben wir nicht direkt einen Strand. Wir müssen mit einem kleinen Boot auf eine Insel fahren. Als wir dort angekommen sind, war ich geschockt. Alles total verdreckt mit Müll. Aber das war zum Glück nur der Strand, alle anderen die ich später kennengelernt habe, waren wirklich schön! Ausflüge an Strände oder andere Orte machen wir jeden Sonntag. Das ist sozusagen der Familientag, weil meiner Gastmutter alle anderen Tage von Morgens bis Abends arbeiten muss. Manchmal fahren wir auch übers Wochenende nach Cuenca, Familie besuchen. Cuenca ist 3 Stunden von Machala entfernt und liegt im Gebirge.


Nach einem Monat wurde alles langsam zum Alltag und ich habe angefangen meine Familie und Freunde in Deutschland zu vermissen. Das lag daran, dass ich nach der Schule ganz oft nichts vor hatte und mir langweilig war. Als ich mich endlich getraut habe, mit meinen mangelnden Spanischkenntnissen mit meiner kleinen Familie zu reden, wurde alles besser. Ich habe die Erlaubnis bekommen, alleine etwas mit Freunden zu machen, ich tanze jetzt von Montag bis Donnerstag jeden Abend und ich habe 3 mal in der Woche einen Gitarrenkurs. Natürlich vermisse ich immer noch zwischendurch mein zu Hause in Deutschland, aber ich bin trotzdem glücklich hier und lerne ständig neue Dinge kennen.


Eine Sache, die mir von Anfang an aufgefallen ist, ist dass die Menschen hier alle total herzlich und freundlich sind. Und offen! Ich glaube für Austauschschüler in Ecuador ist es um einiges leichter Anschluss zu finden als in Deutschland.


Nach 2 Monaten hatte meine Schule Examenwoche. 3 Mal im Jahr schreibt man eine Woche lang in jedem Fach ein Examen. Diese Woche ist aber von Schule zu Schule unterschiedlich. Da ich außer in Englisch und Mathe noch nichtalles verstehe, musste ich die Examen nicht mitschreiben. Normalerweise hat man nach der Examenwochen 1-2 Wochen frei. Da wir aber eine Militärschule sind, haben wir eine Woche „Instruccion Militar“. Da trainiert man die Befehle oder fährt in einer andere Stadt und macht dort etwas Militärisches. Dafür brauch man auch nochmal eine andere Uniform. Man macht in jedem Jahrgang unterschiedliche Sachen, aber mir hat diese Woche Spaß gemacht und inzwischen weiß ich auch, was ich bei welchem Befehl machen muss.

 

Schuluniform Ecuador


Ansonsten gehen meine Schwester Mishel und ich an den Wochenende feiern oder treffen uns mit Freunden. Das mit den Freunden treffen ist hier aber so eine Sache. Man trifft sich fast nie bei jemand zu Hause. Man geht ins Kino oder etwas essen oder man trifft sich vor einer „Fiesta“ um sich zusammen fertig zumachen. Meistens ist man aber in einer Gruppe von Freunden und nicht nur zu zweit. Das ist alles kein Problem. Und jetzt die Fiestas. Es wird von Anfang an getanzt und wie sie tanzen. Die Latinos können es einfach. Man tanzt auch fast nie alleine. Wenn man mit Freundinnen tanzt, wird man meistens sofort von einem Jungen geschnappt und es wird Reggaeton oder Salsa getanzt. Für mich ist Tanzen fast das Beste hier!


Die Menschen sind hier zwar alle lieb und nett, aber die Männer nerven teilweise richtig! Man geht durch die Straßen und egal wer einem entgegen kommt, checkt einen von oben bis unten ab und/ oder es kommen Kommentare wie: „Hübsche, Prinzessin, …“ Das ist manchmal echt richtig eklig, weil das auch irgendwelche alten Männer machen, die am Straßenrand rumgammeln. Auch die Autofahrer werden teilweise langsamer und grinsen einen eklig an und hupen. Aber das muss man einfach ignorieren. Und man sollte Komplimente von Jungs auch nicht zu ernst nehmen, weil die diese einfach zu jedem Mädchen sagen.


Was hier auch ganz normal ist, dass die meisten Familien eine Art Hausmädchen haben. Man muss nicht reich dafür sein, es ist einfach normal hier. Oft arbeiten die Eltern den ganzen Tag und haben keine Zeit, das Haus aufzuräumen. Das macht dann das Hausmädchen.

 

Schüleraustausch Ecuador


Das Ende meiner ersten 3 Monate hier, war nochmal ein Highlight! Alle Austauschüler sind mit einer Reise, die von YFU angeboten wurde, in den Regenwald gefahren.  Wir kamen dort nach langer Busfahrt an und sind erstmals fast vor Hitze gestorben. Unser Hotel war richtig schön, mit großem Pool, indem wir uns auch hauptsächlich aufgehalten haben, als wir nicht grade Programm hatten. Wir haben den Dschungel etwas kennengelernt und die Menschen, die dort leben. Und ich habe tatsächlich Ameisen und Baum gegessen. Und das war lecker. Hätte ich nicht gedacht. Abends waren wir tanzen und hatten unseren Spaß! Einmal haben wir uns auf einem selbstgebauten Floß über den Napo treiben lassen. Wirklich der Regenwald ist wunderschön! Und am meisten freut mich, dass ich gemerkt habe, wie sich mein Spanisch hier immer mehr verbessert hat.  Vor 3 Monaten habe ich mich mit den anderen Austauschschülern aus den anderen Ländern noch auf Englisch unterhalten. Im Regenwald auf Spanisch.

 

Ecuador SChüleraustausch Ausflug Ecuador

 

Schüleraustausch Ecuador