Samstag, 28. Mai 2016
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Zurück in Deutschland

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Vicky B. - Ecuador

Stipendium gestiftet durch:
YFU

 

Viktoria Ecuador

Ich habe das Gefühl zwischen zwei Welten zu stehen. Die eine, in der ich mein ganzes Leben verbracht habe, und die andere, in der ich mein Austauschjahr in Ecuador verbracht habe. 4 Monate bin ich nun wieder hier und langsam verstehe ich, dass Ecuador vorbei ist. Nicht für immer, aber für die nächste Zeit. Das schönste und spannendste Jahr meines Lebens! Jetzt habe ich nicht nur eine Familie, sondern zwei. Ich habe nicht nur ein zu Hause sondern zwei und in beiden bin ich herzlich willkommen. Darüber bin ich sehr froh. Ich wollte nicht zurück nach Deutschland, noch nicht. Ich habe mir ein Leben in Ecuador aufgebaut. Ich konnte vor einem Jahr weder spanisch sprechen, noch kannte ich irgendwen dort. Jetzt habe ich dort Familie, Freunde und ich spreche die Sprache. Ein harter Weg, aber der beste Weg, den ich je gegangen bin. Vielleicht könnt ihr verstehen, wie schwer es ist, all das hinter sich zulassen.


Ich konnte überhaupt nicht glauben, dass mein Austauschjahr vorbei war. Es ging plötzlich ganz schnell! Und auf einmal war mein letzter Tag in Machala. Ich musste mich von allen, von denen ich mich noch nicht verabschiedet hatte, verabschieden. Es war total unwirklich. Es kam mir vor, als wenn ich sie am nächsten Tag sowieso wieder sehen werde. Als ich Abends das letzte mal bei meinem Tanzkurs, bei dem ich fast jeden Tag war, war und ich mit meinen Freunden nochmal zusammen Spaß hatte , wurde mir klar, dass ich in weniger als 24 Stunden nicht mehr da sein würde. Ich verbrachte noch einen meiner schönsten Abende mit ihnen und als ich nach Hause kam unterhielt ich mich noch einige Stunden mit meiner Gastmutter. Den Rest der Nacht habe ich kein Auge zubekommen und am Morgen, als ich los musste, kam der schlimmste und traurigste Moment überhaupt  für mich. Der Abschied meiner Gastschwester, die inzwischen eine der wichtigsten Personen in meinem Leben ist.


Ich flog dann also mit ein paar anderen deutschen Austauschschülern zurück nach Deutschland und als wir dann gelandet sind, wollten wir einfach in den nächsten Flieger zurück nach Ecuador. Doch als ich dann meine Familie sah, war erst einmal alles wieder gut. Die nächsten Tage auch, denn alle wollten mich wieder sehen und ich so gar keine Zeit hatte mich großartig mit Ecuador zu beschäftigen. Die Wochen danach waren schrecklich. Ich wollte nichts machen, niemanden sehen und hatte zu nichts Lust. Ich wollte nur zurück zu meinem vertrauten Ecuador. Ich fand auch alles blöd in Deutschland. Egal was, ich habe es mit Dingen aus Ecuador verglichen. Da ich auch erst noch 2 Monate Ferien hatte, kam ich auch nicht durch Schule zur Ablenkung. Da hätte ich mit Menschen Kontakt haben müssen, doch da es Ferien waren, habe ich einfach fast immer abgesagt, da ich dachte, dass es eh nicht so viel Spaß bringen wird wie in Ecuador. Stattdessen habe ich lieber mit Freunden oder Familie von dort geschrieben oder geskypt, mir Bilder angeschaut und einfach allem hinterher getrauert. 3 Tage bevor die Schule anfing, habe ich dann auch gemerkt, dass ich gar nicht mehr auf die gleiche Schule gehen möchte wie vorher. Und konnte dann zum Glück auch noch spontan wechseln. Entweder habe ich mich ziemlich verändert oder meine alten Freunde, denn ich möchte mit den meisten nichts mehr zu tun haben. Zur selben Zeit habe ich auch mit Handballspielen aufgehört. Und das war die 11 Jahre vor Ecuador mein Leben. Dann habe ich andere Dinge ausprobiert, wie z.B.: Tanzen. Aber es dann doch nicht gemacht, denn es war einfach nicht wie mit meinen Latinofreunden. Ich hatte die erste Zeit richtigen Tanz-Entzug, weil ich dort jeden Tag tanzen war. Ich habe alles gegeben, etwas zu finden wie dort, doch nichts hat mir so Spaß gemacht. Viele konnten meine Entscheidungen nicht verstehen, konnte ich ja selbst nicht richtig. Ich habe einfach nur etwas gesucht, was mich so glücklich macht, dass ich mich hier wieder wohl fühle. Daraus wurde dann aber erst etwas, als ich in meine neue Klasse kam. Endlich hatte ich wieder richtig Spaß und seit dem kann ich auch mit allem wieder besser umgehen. Jetzt geht es mir eigentlich wieder echt gut in Deutschland. Ich lebe aber komplett anders als vor dem Jahr.

 

Mein Freundeskreis hat sich total verändert, ich mache anderen Sport und ich genieße viel mehr. Ich sehe mein Leben in Ecuador nicht mehr als verloren, denn ich habe meine Freunde und Familie dort immer noch. Ich kann sie zwar nicht immer sehen, aber der Kontakt wieder weiterhin gehalten. Ich bin einfach nur überglücklich über dieses tolle Jahr. Langsam merke ich selbst wie mich meine Erfahrungen, die ich dort gesammelt habe, weiterbringen. Ich schätze viele Dinge auch viel mehr. Einfach eine Familie zu haben, in einem Haus zu leben, zur Schule zu gehen, Kleinigkeiten des Alltages. Meine Mutter sagt zwar, dass ich im Kopf immer noch nicht ganz zu Hause angekommen bin, aber das ist nicht schlimm. Ecuador ist nun einfach ein Teil von mir und das wird sich auch nicht ändern.
Erinnerungen bleiben für immer, genauso wie wahre Freundschaft und Familie.