Samstag, 30. Juli 2016
Herzlich Willkommen bei Weltbürger-Stipendien!

Du befindest dich hier: weltbuerger-stipendien.de » WELTBÜRGER-Stipendiaten » Nina S. (Costa Rica)

Erfahrung ist nicht das, was einem zustößt.
Erfahrung ist das, was man aus dem macht,
was einem zustößt.

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Nina S. - Costa Rica

Stipendium gestiftet durch:
Costa Rica Austausch Service (CAS)

 

Schüleraustausch Costa Rica

So, jetzt ist schon über die Hälfte meiner Zeit hier in Costa Rica um und ich kann sagen, ich habe bisher die beste Zeit meines Lebens. Ich habe in den letzten Monat sehr viel erlebt und viele unvergessliche Erfahrungen gemacht. Ich will euch an meinen Erfahrungen teilhaben lassen und berichte ein bisschen über meinen Alltag und mein Leben am anderen Ende der Welt.


An Halloween war ich mit meiner Gastschwester Camila und einer anderen Freundin auf einer Feier. Hier verkleidet man sich allerdings an Halloween, wie wir uns an Karneval verkleiden. Das heißt, es muss nicht gruselig sein. Ich bin zum Beispiel als Katze gegangen und Camila als Pocahontas.

 

Costa Rica


Außerdem war ich einige Male im Stadion Fußball gucken. Die große Frage stand vor der Tür: Heredia, Saprissa oder La Liga? Das sind die drei Vereine, für die hier eigentlich alle sind. Ich, die keine Ahnung von Fußball habe, sollte mich dann entscheiden. Eine Freundin ist für Heredia und die andere für Saprissa und beide hatten ein Trikot für mich mitgebracht. Da ich ja keine Ahnung hatte und nach dem Motto „Wer gewinnt ist mir egal, Hauptsache er sieht gut aus” Fußball gucke, habe ich mich für das schönere Trikot entschieden.

 

In der Schule verstehe ich jetzt immer mehr und wer hätte gedacht, dass ich am meisten in Chemie verstehe und es deshalb jetzt eins meiner Lieblingsfächer ist. Einmal im Monat ist “Jeans Day” in der Schule. An diesem Tag können wir ohne Schuluniform zur Schule kommen. Stattdessen kommen alle in normaler Straßenkleidung. Da habe ich mich das erste Mal drauf gefreut, aber jetzt merke ich, dass mir die Uniform lieber ist, auch wenn ich sie eigentlich richtig hässlich finde. Es ist aber toll, dass man nicht jeden Tag erneut vor der Entscheidung steht, was man anziehen soll. Ich weiß nicht, wie ich das zu Hause wieder hinkriegen soll.


Die letzten beiden CAS-Ausflüge vor den zweimonatigen Ferien gingen nach Panamá und Uvita und waren beide mal wieder richtig gut. Wir haben viel gesehen und erlebt und natürlich die Sonne genossen. Beide Ziele zeigten uns neue Strandregionen, wir waren Schnorcheln und an einem Wasserfall.

 

Schüleraustausch Costa Rica


Vor den Weihnachtsferien habe ich mit dem Großteil meiner Stufe Tänze für das Weihnachtskonzert einstudiert. Wir haben immer zusammen geprobt und uns zusammen eine Choreografie ausgedacht. Es ist auch ganz gut geworden und das Wichtigste: Es hat viel Spaß gemacht. Vor allem, wenn die Jungs zu dem Lied “Single Ladies” tanzen. Ich wusste zwar, dass wir den Tanz aufführen würden, aber ich wusste nicht, dass es für ein Weihnachtskonzert bestimmt war, das am 14.11. stattfand. Wir hatten alle die gleichen T-Shirts an, die wir vorher zusammen auseinander geschnitten hatten. Die Jungs hatten eine Mütze auf, was nicht ganz zu den Temperaturen passte.

 

Schule Costa Rica


Dann war auch schon der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien. In der Schule haben wir Musik gehört und gegrillt und viel gelacht. Zur Schule gehören natürlich auch die Lehrer, zu denen man hier ein richtig gutes Verhältnis hat. Man isst mit ihnen und verbringt die Pausen zusammen.


Im November schickte mir meine Patentante ein Päckchen. Zuhause backe ich mit ihr jedes Jahr ein Knusperhaus und nun hatte sie mir sämtliche Zutaten geschickt, so dass ich mit meinen Geschwistern auch hier eins basteln konnte.


Gastfamilie Neuseeland

 

Anfang Dezember fand das CAS-Mitteltreffen statt, bei dem wir unsere “Höhen und Tiefen” besprochen haben. Bis dahin hatte ich nur „Höhen“.

 

Austauschjahr Costa Rica


Am 6.12.13 klingelte der Wecker für mich um 4 Uhr in der Früh. Für mich hieß es nämlich: Auf zum Freiwilligenprojekt nach Montezuma und Schildkröten retten. Dort hatte ich bisher die besten zwei Wochen meines Aufenthalts. Wir haben uns dort untereinander auf Spanisch, Deutsch und Englisch unterhalten, da einige aus Spanien, andere aus Deutschland, Frankreich und Finnland kamen. Jeder hatte täglich eine Schicht, die um jede Uhrzeit sein konnte: morgens, mittags, abends oder auch mitten in der Nacht. Man musste sich bei den Nachtschichten echt anstrengen, dass man nicht währenddessen einschläft. Unsere Aufgabe war es schließlich auf die Nester aufzupassen, damit die Eier der Schildkröten nicht geklaut werden.


Wir sind an einen Tag unter anderem zu einem Wasserfall gelaufen, der ganz in der Nähe war. Nachdem zwei Freunde von CAS, die mit mir den Freiwilligendienst gemacht haben, die ca. 16 Meter in die Tiefe gesprungen waren, habe ich mich schließlich auch überwunden. Nicht gucken, direkt laufen und den Wasserfall runterspringen. Adrenalin pur!

 

Ausflug Costa Rica

 

Dann stand Weihnachten auch schon vor der Tür. Das war bisher der erste und einzige Tag, an dem ich Heimweh hatte, also nur ein kleines „Tief“. Der kleine Weihnachtsbaum ohne Beleuchtung und sehr kahl konnte mich auch nicht aufmuntern. Die Weihnachtsgeschenke haben wir, wie Ticos halt so sind, am selben Tag gekauft. Wir sind abends zu einer Tante gefahren und haben dort zusammen gegessen und abends die Bescherung gemacht. Mir ging es nicht besonders gut, doch am Ende habe ich den Tag doch ganz nett verbracht und sogar das eine oder andere Geschenk bekommen, über das ich mich sehr gefreut habe. Am 1. Weihnachtsfeiertag ging es zu einer anderen Tante, bei der die ganze Großfamilie zu Mittag gegessen hat und wir haben uns viel unterhalten. Es war echt schön. Ich habe das typische Weihnachtsessen aus Costa Rica probiert und ich mag es sehr gerne. Es heißt “Tamal” und ist ein Maisteig mit Gemüse und manchmal Fleisch, in Bananenblättern gewickelt und gekocht.

 

Tamal


Wir haben eine Art „Wichteln“ gemacht. Jeder hat einen Zettel gezogen, auf dem ein Name stand. Dieser Person muss man am 1. Februar etwas schenken. Das machen sie wohl jedes Jahr und das Spiel heißt hier Amigo invisible („unsichtbarer Freund“).


Ihr merkt schon, dass ich immer wieder von verschiedenen Tanten spreche. Ich habe letztens mit Camila alle Namen der Familie gelernt. Das ist schon ein Meisterwerk, da es, bei geschätzten 20 Tanten, nicht gerade eine kleine Familie ist. Hier sagen aber sowieso alle nur Tío und Tía und nur manchmal noch die Namen des Onkels oder der Tante.


An einem Tag waren wir am Strand und haben uns über Deutschland unterhalten. Natürlich kamen die Fragen “Stimmt es, dass man sich in Deutschland nicht oft duscht?” und “Ihr trinkt doch nur Bier in Deutschland, oder?” Ich konnte dann aber versichern, dass es natürlich nicht so ist. Wir haben ein typisches Essen aus Costa Rica gegessen. Es war sehr lecker. Es sind gebratene Kochbananen und heißen Patacones. Dazu gibt es Bohnenmus, Tomatensalat und Fleisch.

 

Weihnachten Costa Rica

 

Die Weihnachtszeit ist nun schon vorbei und ich habe sie ganz anders verbracht, als sonst. Zumindest hatte ich dieses Jahr keine echte Weihnachtsstimmung. Das könnte auch an den Temperaturen liegen, würde ich mal schätzen.


Ansonsten war ich in den Ferien am Strand, habe eine Krokodiltour gemacht, Tandems beim Starten, Landen und über Meer fliegen beobachtet, war an der Finca, habe mich mit meinen Freundinnen und meinem besten Freund getroffen und war in den Thermen des Vulkans Arenal. Silvester war ich im Nationalpark und am Strand von Manuel Antonio und abends haben wir mit der ganzen Familie in der Finca getanzt und den Countdown ins neue Jahr herunter gezählt.


In den ersten Wochen im Januar waren wir noch einen Tag an dem Vulkan Poás. Der Weg dahin wäre mit dem Motorrad für meinen Vater sicher ein Traum gewesen, mit dem Auto für mich allerdings die Hölle. Als wir nach 2 Stunden und mindestens 100 Kurven oben ankamen, erwartete uns leider auch noch eine schlechte Sicht. Normalerweise kann man in den Krater des Vulkans gucken, doch an diesem Tag sahen wir nur Nebel. Wir haben die Zeit auf der Aussichtsfläche dann für Fotos machen genutzt.

 

Wanderung Costa Rica


An einem Tag habe ich mit meinen Geschwistern und meinen Cousins Kaffee gepflückt, denn ein Onkel hat eine Kaffeeplantage und wollte mir etwas Typisches aus Costa Rica zeigen. Es hat echt Spaß gemacht, auch wenn ich nach 3 Stunden keine Lust mehr hatte.

 

Außerdem mache ich bei einem Projekt mit, das sich „Panpa“ nennt. Man hilft Obdachlosen, verteilt Essen an sie und redet mit ihnen. Es macht Spaß und man lernt viel über das Leben auf der Straße.


Ende Januar habe ich meinen 15.Geburtstag hier gefeiert. Der wird in Costa Rica normalerweise richtig groß gefeiert. Das Kleid gleicht normalerweise einem Prinzessinnenkleid, aber ich wollte so eine Feier nicht. Mir war es wichtiger einen schönen Tag mit der Familie zu verbringen. Wir sind einen Tag vor meinem Geburtstag zur Finca gefahren und meine ganze Familie war da. Alle zusammen haben wir dann gekocht und Musik gehört, Salsa getanzt und gefeiert. Meine Schwestern haben mir eine große Torte geschenkt und haben ganz traditionell meinen Kopf in die Torte getunkt. Sie war echt lecker, also war es halb so schlimm.


Geburtstag Coats Rica

 

Familie Costa Rica


Dann haben wir uns spontan entschlossen, an meinem Geburtstag noch nach Montezuma zu fahren. Wir haben den Tag nach der Ankunft am Strand verbracht. Dort habe ich viele wiedergetroffen, die ich vom Schildkrötenprojekt schon kannte, das hat mich echt gefreut. Am nächsten Tag sind wir an einen anderen Strand gefahren. Auf dem Weg zur Fähre nach Hause hatten wir dann noch einen Platten, na super. Aber wir sind letztendlich gut zu Hause angekommen. Ich hatte einen unvergesslichen, super schönen Geburtstag.


Bald sind die Ferien auch schon wieder rum und es geht wieder in die Schule. Ich freue mich, alle wieder zu sehen. Am Anfang habe ich gedacht: „2 ½ Monate Ferien? Was mache ich denn so lange? Das ist doch total langweilig!“ aber das war es gar nicht, da ich so viel unternommen habe.  


Mit der Sprache ist alles super. Ich verstehe so gut wie alles. Ich freue mich auf die Zeit, die mir jetzt noch bleibt und werde sie hoffentlich genauso genießen wie die zurückliegende.