Montag, 25. Juli 2016
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Schüleraustausch 2013/14 in Costa Rica -
dem wunderschönen Land in der Karibik

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Ronja R. - Costa Rica

Stipendium gestiftet durch:
Costa Rica Austausch Service (CAS)

 

Schüleraustausch Costa Rica

 

Letztes Jahr im Frühling habe ich mich dafür entschieden, ein Austauschjahr in Costa Rica, einem kleinen Land zwischen Nicaragua und Panama in der Karibik, zu machen. Ich habe mir dieses Land ausgesucht, weil es so eine wundervolle Natur hat und ich Spanisch sprechen lernen wollte. „Warum willst du nach Costa Rica um Spanisch zu lernen. Das kannst du doch viel einfacher in Spanien und außerdem ist Spanien viel näher!“


Das war die erste Reaktion von meinem Vater. Doch ich sagte nur: „Nach Spanien kann ich auch in den Urlaub fahren! Und außerdem fasziniert mich die Landschaft von Costa Rica“.  Denn in Costa Rica gibt es sowohl türkisfarbenes Meer und weiße Strände, als auch Regenwald, Vulkane, Berge und eine große Tier-und Pflanzenvielfalt. Die Einwohner, also die Ticos, sollen außerdem sehr freundlich, familiär und offen sein. Kurzum: Das perfekte Land für mich!!!

 

Vulkan Costa Rica

 

Idee verwirklichen
Mein Name ist Ronja Rieke. Ich komme aus Bensberg, einem Ortsteil von Bergisch Gladbach, einer „kleineren“ Großstadt in der Nähe von Köln. Für mich war klar, dass ich ein Austauschjahr machen will, doch ich wusste noch nicht genau wohin. In die USA wollte ich nicht, da die meisten dorthin fahren und außerdem musste es ein Spanisch sprechendes Land sein. Als ich dann in einem der Kataloge etwas über Costa Rica gelesen habe, wusste ich: Da möchte ich hin!

 

Costa Rica Strand


Ich habe mich dann auf der Jugendbildungsmesse noch weiter informiert und schließlich die Organisation „CAS“ gefunden. Ich habe mich dort auch sofort beworben und bin angenommen worden. „CAS“ steht für  Costa Rica Austausch Service  und ist eine kleinere Organisation, die  nur für Costa Rica diesen Sevice anbietet. Das war für mich sehr wichtig, da ich so erwartet habe, dass die eben Betreuung vor Ort sehr persönlich und auf die in Costa Rica typischen Eigenarten abgestimmt ist. Und ich kann heute bestätigen, dass sich meine Erwartungen zumindest in dieser Hinsicht erfüllt haben.


Zuerst konnte ich allerdings noch kein Wort Spanisch, weshalb ich noch drei Kurse in der Volkshochschule gemacht habe, um ein paar Grundkenntnisse zu erlangen. Doch „CAS“ hat mir auch versichert, dass es nicht schlimm ist wenn man die Sprache gar nicht kann und dass, das nach ein paar Monaten dies auch kein Problem mehr ist.

 

Ankunft in dem schönsten Land auf Erden
Als wir früh morgens in Costa Rica ausgestiegen sind, war ich eigentlich total gut gelaunt und das obwohl es mir im Flugzeug nicht so gut ging. Leider musste ich dann erfahren, das mein Rucksack sowie meine Gitarre nicht mit im Flieger waren. Das hat meine Stimmung ein bisschen gekippt, denn in meinem Rucksack waren viele der Willkommensgeschenke für meine Gastfamilie. Doch als ich dann draußen so süß empfangen wurde, war das schon fast vergessen. Meine Gastfamilie hat für mich extra ein Plakat mit meinem Namen gemacht und mir einen großen Strauß Blumen, sowie eine kleine Stoffkatze mit gaaaanz großen Augen geschenkt. Das fand ich so süß von ihnen, weil sie mich vorher extra gefragt haben, welches mein Lieblingstier ist.

 

Familie Costa Rica


Meine Gastfamilie besteht aus meinem Gastvater Guido Rodrigues, meiner Gastmutter Isabel Campos, meiner Gastoma Maruja (ich hoffe ich habe den Namen richtig geschrieben), meinem Gastbruder Mauricio (16 J) und meiner Gastschwester Maria Laura (15 J). Fast hätte ich unseren kleinen Hund Terry vergessen!!! Der ist natürlich Teil der Familie und muss deshalb auch erwähnt werden. Also werde ich die nächsten 11 Monate  in San Rafael in San José wohnen. Meine Gastfamilie hat ein kleineres Haus auf dem selben Grundstück, auf dem auch das Haus meiner Gastoma steht.

 

Leider war ich die ersten beiden Tage richtig krank. Ich konnte nichts zu mir nehmen und musste eine Spritze mit Medizin bekommen, da ich auch keine Tablette bei mir behalten habe. Und das alles nur wegen der Zeitverschiebung! Aber ihr müsst euch jetzt keine Sorgen machen, ich habe gehört, dass alle anderen ohne Probleme in Costa Rica angekommen sind.


Als wir in meinen zukünftigen Hause für die kommenden 11 Monate ankamen, wurden wir erst einmal freudig von unserem Hund Terry begrüßt. Meine Gastmutter hat mir mein Zimmer im ersten Stock gezeigt. Es ist mit zwei großen Schränken, einer Kommode und meinem Bett ausgestattet. Doch der eine großen Schrank war voll mit Schuhen und Kleidern meiner Gastfamilie. Auf der Kommode standen drei Bilder, eins von meinem Bruder, eins wo ich mit meinem Bruder auf einem Pferd sitze und eins von meinen Eltern. Das war so lieb von meinen Gasteltern, da sie meine Mutter vorher extra um Fotos gebeten hatten. Meine Gastmutter bestand außerdem darauf, mir beim Einräumen zu helfen, was ich richtig süß von ihr fand. Danach hat mir meine Gastschwester das Haus gezeigt. Mein erste Eindruck war das, dass Haus ein bisschen omahaft ist. Eben weil  überall kleine Figuren von Jesus oder Maria standen und die Wände mit Bildern von Landschaften behängt waren. In Deutschland hatte ich davon schon gelesen und auch CAS hatte uns gesagt, dass die Ticos sehr katholisch sind. Aber das hatte nicht verhindert, dass ich mich direkt wohl gefühlt habe.


Am Sonntag war dann natürlich direkt mein erster Kirchgang. Die Kirche ist nur ein paar Meter vom Haus entfernt, sodass wir zu Fuß gegangen sind. Der Gottesdienst bestand für mich daraus zu sehen was die anderen machen und es ihnen gleichzutun, da ich nichts verstand außer „Amen!“.

 

In der ersten Woche habe ich die Spanisch Schule CRLA, in San Jose besucht. Von CAS waren drei Andere ebenfalls in der ersten Woche da um ihr Spanisch zu verbessern. Ich musste jeden Morgen mit dem Bus fahren, da meine Gastmutter meine Gastgeschwister zur Schule fahren musste und mein Gastvater keinen Führerschein hat. Beim ersten Mal ist meine Gastoma, Maruja mit mir gekommen um mir alles zu zeigen. Ich musste feststellen, dass Busfahren in Deutschland für einen Fremden ziemlich einfach ist. Denn hier in Costa Rica halten die Busse nicht an, wenn jemand an der Haltestelle steht. Erst wenn man den Arm ausstreckst und winkt. Dann haben die Busse keine Nummern, vorne steht nur der Zielort dran. Am Eingang haben sie zwei Pfeiler zwischen denen man nicht stehen bleiben darf, da sie die Fahrgäste zählen und der Fahrer die "nicht bezahlten" Fahrgäste am Ende zahlen muss. Wenn man es geschafft hat, in den richtigen Bus zu steigen, bleibt immer noch die Frage, ob er wirklich die selbe Route fährt wie auch draufsteht. Das bedeutet, dass du die Landschaft gut beobachten solltest. Dabei musst du Aufpassen, dass du nicht beklaut wirst.


Das nächste Problem ist, dass die Haltestellen keine Namen und manchmal noch nicht mal ein Schild oder Häuschen haben. Du musst also genau wissen, wo man aussteigen kann und wann man den Knopf drücken muss, damit der Bus einen überhaupt raus lässt. Manchmal gibt es aber keine Knöpfe oder sie funktionieren nicht. Dann muss man wissen, dass die komische Leine, die über die Haltestangen verläuft (wie die Stromkabel auf den Straßen) ebenfalls zum Stoppen ist und hier fast nie einer den Knopf betätigt.

 

Das Parken und Einkaufen läuft hier auch anders als in Deutschland. Am Eingang des Parkplatzes bekommt man ein Kärtchen und wenn man wieder rausfährt, dann gibt man es einfach wieder ab. In manche Läden musst du dieses Kärtchen auch vorzeigen. In den Läden selber gibt es überall Wachleute, die herumlaufen und in manchen Läden steht an jeder Ecke jemand und gibt dir etwas zum Probieren.


Einmal haben wir drei Rinderzungen gekauft. Der Anblick  war schon ziemlich gewöhnungsbedürftig. Am Abend hatten wir Besuch und dann gab es natürlich auch schon das beste Stück vom Rind zu essen.  Es hat eigentlich ganz lecker geschmeckt, doch leider hatte das Stück Fleisch auf meinem Teller immer noch Ähnlichkeit mit der Zunge aus dem Kühlregal, weshalb ich nicht viel gegessen habe.


Die ersten zwei Schulwochen bin ich zu Hause geblieben, da die Examen geschrieben wurden. Am zweiten Tag bin ich mit meiner Gastmutter Isabel in die Grundschule bei uns um die Ecke gegangen. Sie arbeitet dort als Lehrerin. Ich habe dort die meiste Zeit Tests korrigiert und wenn sie keine hatte, habe ich in die Klassenliste eingetragen, wer die Hausaufgaben hat.


Samara
Mein erster Ausflug mit CAS ging nach Samara und um es kurz zu beschreiben: Es war der Hammer!! Die Fahrt über haben wir nur geredet, während wir bei jedem Schlagloch (eigentlich war die ganze Straße ein riesiges Schlagloch) wo der Bus mit voll Karacho drüber gefahren ist, durch die Gegend gehüpft sind. Was ich, nebenbei bemerkt ziemlich lustig fand (deshalb wurde mir nicht schlecht, weil sich die Fahrt wie eine Achterbahnfahrt angefühlt hat). Auch die Landschaften, an denen wir vorbei gefahren sind waren richtig schön.

 

Costa Rica Badestrand


Als wir dann da waren, war es wie im Paradies. Denn als ich unsere "Zimmer" sah, dachte ich nur "Wow!". Wir hatten nämlich kleine Hütten, die wir entweder zu zweit oder zu viert bezogen. Und das ist ja nicht besonders, aber ratet mal wo diese Hütten waren. Direkt am Meer! Ein echt wunderschöner  Ausblick. Die vier Jungs haben (wie Jungs halt so ticken) sich direkt umgezogen und sind ins Wasser gerannt, bevor wir überhaupt unsere Hütte aufgeschlossen hatten.


Als wir unsere Sachen abgelegt hatten und die Hütte fertig betrachtet hatten ging es natürlich direkt ins Wasser. Das Wasser war richtig warm. Am nächsten Tag haben wir um 8 Uhr morgens einen Surfkurs gemacht. Das war richtig anstrengend, weil die Wellen (Sámara gilt als sehr ruhiger Strand) richtig hoch waren und wir die Surfbretter immer irgendwie koordinieren mussten. Das war schon schwierig, manchen ist das Surfbrett sogar wegen der Welle entgegen gekommen, doch dann mussten wir ja auch noch surfen. Alles in allem ein RIESEN Spaß!


Am Nachmittag haben dann fast alle einen Ausritt gemacht. Das hat auch richtig Spaß gemacht, vor allem wenn das Pferd im Wasser gelaufen ist. Natürlich sind wir zwischen den Kursen immer Schwimmen gegangen. Am nächsten Morgen haben dann noch ein paar einen Jogakurs mit Anett gemacht (wer glaubt Joga ist einfach: macht mal die Stellung aus dem Krieger....). Ihr könnt euch also vorstellen wie lustig es gewesen ist.

 

An einem Wochenende war ich bei Elizeth (der besten Freundin der Familie). Die haben wirklich ein richtig tolles Haus. Mit einem Ausblick auf ganz San José, die Berge und ein Stück von Cartago. Wenn man auf dem Balkon steht und hinunter schaut, hat man das Gefühl, ganz Costa Rica sehen zu können.


Das Haus ist außerdem ziemlich groß für Costa Rica. Es gibt sogar ein extra Zimmer zum Kunst jeder Art ausüben, oder einfach nur zum Fernsehen. Am Samstag waren wir dann alle zusammen im Kino. Und am Sonntag waren wir einen Freund in Cartago besuchen, weil seine Frau ein Kind bekommen hat . Das Mädchen war richtig süß. Der Freund von Elizeth hat für alle Käse-Tortillas selber gemacht: KÖSTLICH!


Generell schmeckt das Essen hier richtig gut. Aber wenn man keinen Reis und keine Bohnen mag, sollte man besser in ein anderes Land gehen, denn hier ist das die Hauptspeise. Es gibt zu jedem Gericht Reis, nicht immer mit Bohnen, aber oft auch mit Bohnen-Mus. Erst war das natürlich ziemlich gewöhnungsbedürftig, aber jetzt muss ich sagen das ich das Essen wirklich richtig lecker finde.


Am 15.9. war hier der Independence-Day von Costa Rica. Schon zwei Wochen vorher wurde in der Schule und zu Hause alles mit Flaggen und dem Wappen geschmückt. Am Independence-Day selbst sind wir nach San Jose gegangen, um uns die große Parade anzuschauen.  Auch meine Schule ist mitgegangen. Die Grundschüler haben den klassischen Tanz aufgeführt. Natürlich auch in den traditionellen Trachten. Meine Altersklasse hat Musik gemacht. Was sich wirklich richtig gut angehört hat. Am Ende kamen dann noch ein paar Mädchen in Kleidern ganz aus Papier. Als meine Schule dann vorbei war, sind wir auch schon wieder nach Hause gegangen. Der Rest des Tages verlief wieder vollkommen normal.

 

Feiertag Costa Rica


Am 21.9. war dann auch mein Geburtstag. Trotzdem bin ich morgens ganz normal aufgewacht, ohne das Gefühl älter zu sein. Am Mittag bin ich mit meinen Gastgeschwistern ins Kino gegangen und wir haben den Film :"El conjuro" gesehen. Ein Horrorfilm. Im Übersetzter heißt das "Die Beschwörung". Ich schreib aber nicht, worum es ging da einige (z.B. meine Mom :D) das gar nicht wissen wollen. (Aber ich bin mir sicher das ihr den Trailor in Youtube findet! Lohnt sich!)


Nach dem Film dachte ich, dass wir ganz normal wieder nach Hause fahren, doch dann kamen Elizeth und ihre beiden Töchter um die Ecke mit einem riesigen Geschenk. Ihr müsst wissen das in Costa Rica die Kinos nicht alleine stehen, also keine Gebäude für sich sind, sondern sich in den Malls, wie in Amerika, befinden. Also sind wir in ein "Restaurant" (oder auch feineres fastfood, was auch immer) namens "Chillis" gegangen. Nachdem wir saßen, kamen auch meine Gasteltern dazu. Wir haben zusammen gegessen und als wir schon längst fertig waren und nur noch geredet haben (draußen vor dem Restaurant war schon eine riesige Schlange von Menschen die alle im „Chillis“ essen wollten), kam das ganze Personal und hat "Happy Birthday" gesungen und mir ein Vanille-Eis mit der besten Schokoladen-Sauce der Welt gegeben. Natürlich genau das Richtige. Wir waren noch kurz im Starbucks auf ein Getränk und dann durfte ich mir in "Forever 21" noch ein Oberteil aussuchen! Als wir schon im Parkhaus waren und ich auch schon im Auto saß, hat Elizeth mir noch einen richtig schönen und leckeren Kuchen geschenkt, der im Auto gelegen hatte, weil sie ihn nicht mit in die Mall nehmen wollte. Es sind ziemlich lustige Bilder entstanden!

 

Freunde Costa Rica

 

Vulkan Arenal
Am Sonntag nach meinem Geburtstag bin ich mit CAS auf den zweiten Ausflug gefahren. Zum Vulkan Arenal. Am selben Tag haben wir einen kleinen Spaziergang und ganz viele Fotos gemacht. Am Abend waren wir bei den Termalbädern, die vom Vulkan erwärmt werden. Das war wirklich traumhaft. Da es schon stockdunkel war, war es total leer und ruhig. Nicht zu vergleichen mit einem Schwimmbad oder ähnlichem. Das kann ich nur empfehlen zu machen, man tut nichts und merkt nicht wie die Zeit vergeht. Am nächsten Tag sind wir dann zur Cannopy Tour gefahren. Das war wunderschön! Und hat so viel Spaß gemacht! Man hatte einen richtig schönen und teilweise weiten Ausblick. Für alle die nicht wissen was Cannopy ist: da fliegt man an Drahtseilen durch die Luft. Die längste Strecke war ein Kilometer lang. Und einmal sind wir direkt auf den großen Wasserfall zugeflogen. Ich konnte leider keine Fotos machen, weil uns davon abgeraten wurde, da die Kamera im Wald landen könnte. Als die Tour zu Ende und wir alle total müde waren, sind wir als Überraschung und Abschluss des Tages in das Indianer Dorf gegangen. Der Stamm hieß Maleku. Ein Mann von ihnen hat uns dann erklärt, was die verschiedenen Tiermasken bedeuten: dass sie alle Charaktere widerspiegeln und auch was soviel heißt wie: alles gut. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe heißt es: Capi Capi.

 

Wenn ich alles zusammenfasse, würde ich sagen das es sich auf jedenfall lohnt, einen Austausch in Costa Rica zu machen. Auch wenn man manchmal seine Familie und Freunde vermisst, vor allem in der Schule, wenn man noch nichts versteht. Man sollte einfach immer offen für Neues sein, dann wird man schon schnell gute Freunde und in der Gastfamilie ein zweites zu Hause finden. Ich kann nur sagen das ich mir jetzt noch nicht vorstellen kann, wieder nach Hause zu fahren. Aber das dauert ja auch noch ein paar Monate.

 

Schule Costa Rica