Sonntag, 29. Mai 2016
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Schüleraustausch 2013/14 in Costa Rica -
zweiter Bericht

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Ronja R. - Costa Rica

Stipendium gestiftet durch:
Costa Rica Austausch Service (CAS)

 

Schüleraustausch Costa Rica

 

Costa Rica, Februar 2014

 

Costa Rica Faultier


Mein letzter Erfahrungsbericht endete mit dem Bericht über den Ausflug mit CAS zum Vulkan Arenal. Seitdem sind jetzt schon ungefähr drei Monate vergangen.


Nach dem Ausflug ist zunächst nicht viel Außergewöhnliches passiert. Ich habe weiterhin die Schule besucht und habe mich mit meiner costaricanischen Freundin verabredet. Gemeinsam sind wir ins Kino gegangen oder haben uns in der Mall getroffen. So richtig lustig war es, als ich bei ihr übernachtet habe. Wir haben viel Spaß gehabt.


Die Zeit verging ziemlich schnell und schon stand der nächste Ausflug mit CAS bevor: Es ging diesmal nach Panama, Bocas del Toro!! Diese Insel ist ein Paradies. Das Wasser war türkis, der Strand weiß und das Wetter wunderschön, obwohl wir auch zweimal Regen hatten. Wir waren in einem Korallenriff schnorcheln und haben Delfine beobachtet.


Am 26.10. war der Geburtstag von meinem Gastbruder Mauricio. Nachmittags sind wir alle zusammen in die Mall gefahren um was zu Essen und einen Kinofilm anzuschauen.

 

Costa Rica Schüleraustausch


Mittlerweile habe ich auch einen Lehrer für meinen Gitarrenunterricht gefunden. Ein Junge aus meiner Klasse will mir das jetzt beibringen. In meiner Schule läuft alles gut und die Lehrer sind sehr nett und hilfsbereit. Die Schule hier ist nicht genauso wie in meiner Schule in Deutschland. Natürlich wird hier genauso gelernt und Hausaufgaben aufgegeben - und meistens auch gemacht ;) - aber das Verhältnis zu den Lehrern ist hier viel lockerer. Und wir dürfen bei manchen Aufgaben mit den Handys im Internet die Informationen suchen. Manchmal müssen wir auch eine ganze Power Point Präsentation abschreiben, was dann nicht so viel Spaß macht. Aber bei solchen Aufgaben darf man zum Glück immer Musik hören.

 

Mit meiner Klasse, hier Stufe genannt, habe ich einmal einen Ausflug in einen Vergnügungspark gemacht. Wir sollten einen Vortrag über die Geschichte von Costa Rica gehalten bekommen. Das war ziemlich lustig, denn der Vortrag wurde vorgespielt wie in einem Theater; allerdings draußen auf einem riesigen Gelände. Die restliche Zeit waren wir alle Achterbahnfahren.

 

Ein besonderes Erlebnis war die 15. Geburtstagsfeier meiner Freundin. Und ich muss sagen: Das war wirklich total riesig und lustig und die beste Feier, die ich je erlebt habe. Hier in Costa Rica ist der 15. Geburtstag etwas ganz Besonderes und wird richtig groß gefeiert. Da gehört es selbstverständlich dazu, dass man dazu in Kleid und Anzug zu erscheinen hat.

 

Costa Rica Geburtstag


Zu Beginn haben sich alle Gäste aus meiner Schule erst einmal am Nachmittag getroffen und sind dann gemeinsam mit einem bestellten Reisebus zu einem Restaurant in Cartago gefahren. Das Restaurant war richtig schön und man hatte einen tollen Blick auf einen großen See direkt unter dem Restaurant. Alle Tische und Stühle waren mit weißen Tischdecken und Tüchern verziert und über jedem Tisch hing eine Art Blumentopf mit rosa Blumen an einer fast unsichtbaren Schnur. Es gab einen DJ, einen Kameramann und einen Fotografen. Natürlich auch eine Tanzfläche. Und dort wo die Tische standen war es nur überdacht, so dass man das Gefühl hatte drinnen als auch draußen zu sein.


Als sich alle gesetzt hatten, kam Angelika mit ihren Eltern und Ihrem Bruder auf die Tanzfläche geschritten. Ihre Eltern haben beide eine kurze Rede gehalten und dann hat der DJ ein ruhiges Lied gespielt und Angelika hat mit ihrem Vater den traditionellen Vater-Tochter Tanz gemacht. Als sie fertig waren und sich gesetzt hatten wurde die Musik voll aufgedreht und richtig Stimmung gemacht.


Alle haben getanzt, bis es Essen gab. Doch nach dem Essen haben die meisten weiter gemacht. Und wir wurden gruppenweise zum Fotograf geführt und haben ein Foto-Shooting mit Masken und Perücken gemacht. Plötzlich hat der DJ gesagt, dass unter den Tischen für alle Mädchen Masken und Ketten und für die Jungen Hüte sind. Die haben wir alle sofort angezogen. Wir wollten gerade alle weiter tanzen, als plötzlich drei schwarze Gestalten mit umgeschnallten Neonlichtern mitgetanzt haben. Am Rand der Tanzfläche standen die ganze Zeit drei Tonnen, mit jeweils einer Trommel innen drin und mit Wasser gefüllt. Die haben dann ebenfalls geleuchtet und die drei Gestalten haben schließlich auf den Trommeln gespielt, so dass das ganze Wasser überall hingespritzt ist.

 

Als das vorbei war, sind wir alle zum Kuchenanschneiden gegangen. Alles wurde ganz feierlich mit Musik und allem drum und dran zelebriert. Ich wollte gerade mein Stück Kuchen essen, da wurde ich auch schon mit dreizehn anderen Mädels von Angelika zur Wiese geschleppt. Dort gab es dann die nächste Überraschung. Und zwar haben wir Lichter steigen lassen. Die funktionieren mit heißer Luft, ebenso wie ein weißer Heißluftballon in klein. Leider hat es angefangen zu regnen, so dass das Papier zu schwer wurde und über die Hälfte der Papierlichter Feuer gefangen hatte. Meines ist aber zum Glück weiter geflogen, da ich einer der Ersten war, die es angezündet hatte. Wir wollten schon wegen dem Regen wieder hineingehen, als dann ein Feuerwerk entzündet wurde. Das war so was von schön. Wir standen alle im Regen und wurden total nass. Und dann war die Feier auch schon zu Ende.


Im November war ich mit meiner Gastmutter auf einem Cheerleader Wettkampf, wo meine Gastschwester ebenfalls mit einer Gruppe aus meiner Schule Saint Clare teilgenommen hatte. Hier ist Cheerleading ein Sport für sich. (Das heißt, hier sind Fußball und Cheerleader getrennte Sportarten. Und Fußball ist genauso beliebt wie in Deutschland. Wenn nicht sogar noch mehr.) Es fand in einer kleinen Arena statt. Die Arena war voll bis oben hin und es war laut, sehr laut. Am Anfang lief zunächst keine Musik, dafür haben sich aber die Fans heiser geschrien. Jede Schule hatte ihren eigenen Bereich innerhalb der Tribünen mit Sitzplätzen. Den Anfang machten die jüngsten Teilnehmer, kleinen Kinder, und später die Älteren. Und es waren richtig viele Gruppen! Bei der Preisverleihung waren alle ganz gespannt auf das Ergebnis: Innerhalb ihrer Altersgruppe hat meine Gastschwester mit ihrer Gruppe gewonnen!!!


Und schon war der Dezember da. Am ersten Advent habe ich meine Familie und mein zu Hause in Deutschland schon ziemlich vermisst. Aber spätestens als wir Plätzchen und Cupcakes gebacken haben, war das vorbei. Ich hatte diese Cupcakes vorher noch nie gemacht und meine Gastschwester hat sich voll auf mich verlassen, aber es ist alles gut gegangen. Die Cupcakes waren wirklich sehr lecker und die Vanillekipferl sind auch richtig gut bei allen angekommen!!


Unser Backen schien sodann zum Anlass genommen, das Haus zu schmücken. Denn als wir abends um sechs fertig waren, wurde ein Baum rein getragen und alles Mögliche Weihnachtliche im Wohnzimmer vorsorglich verteilt, um am Tag darauf Tag das komplette Haus zu schmücken.


Während mein Gastvater am nächsten Tag eine riesige Krippe unter der Treppe aufgestellt hat, haben wir, also die Frauen, Tamales zubereitet. Das ist ein typisches costaricanisches Weihnachtsgericht. Im Haus von meiner Gastoma haben wir in die Küche hierfür einen zusätzlichen Tisch gestellt. Ich habe mit meiner Gastschwester die Bananenstauden-Blätter zurechtgeschnitten und die anderen haben die Tamales gefüllt. Die fertigen Wickel wurden anschließend über dem Feuer gekocht.

 

Costa Rica Tamales

 

Am 21.12.sind meine Gastfamilie und ich zusammen in den Urlaub nach Puntarenas, im Zentralpazifik in das Hotel Double Tree gefahren!!! Das war eindeutig das schönste Hotel, das ich je gesehen habe!! Es liegt direkt am Meer, hat mehrere Pools und zwei Restaurants, wo die Mahlzeiten bereits im Preis für die Unterkuft enthalten sind. Es gibt eine riesige Auswahl an leckerem Essen. Jeden Abend gab es eine Show im Theater, und die war wirklich sehenswert!!! Die Tänzer sind richtig gut und in jeder Show ist mindestens ein lustiger Teil eingebaut.


Wir haben bis zum 28.12. dort unseren Urlaub verbracht und ich war jeden Tag die ganze Zeit über im Wasser, denn es war richtig heiß!! Dabei habe ich festgestellt, dass meine Gastfamilie größtenteils wohl wasserscheu ist! Meine Gastmutter zwar ist öfters mal schwimmen gewesen, mein Gastbruder meistens erst nachmittags oder abends, meine Gastschwester, an so glaube ich drei Tagen einmal abends und mein Gastvater nur ein einziges Mal und das auch nur, weil der Pfarrer unserer Kirche und Freund meiner Familie schwimmen waren. Meine Gastmutter hat daraufhin meiner Gastschwester gesagt, dass sie schnell ein Foto machen soll, da Guido im Wasser ist. Ansonsten saßen alle nur im Schatten und haben sich unterhalten, vor allem mit Freunden, die ebenfalls dort ihren Urlaub verbrachten. Wenn ich nicht Schwimmen war, habe ich mit den Freunden der Familie Spiele gespielt. Kurz gesagt, ich hatte dort richtig viel Spaß.

 

Costa Rica Sonnenuntergang


An Heiligabend sind wir dann in diesem feineren Restaurant zum Essen gewesen, haben aber sonst nichts weiter Besonderes gemacht. Kaum zu Hause angekommen, stand schon Silvester an!! Nachmittags, so etwa um Fünf, habe ich mit meiner Familie geskypt und ihnen beim Raketen anzünden und Feiern zugesehen. Dann kamen der Bruder meiner Gastmutter mit seiner Frau und beiden Söhnen zu uns zu Besuch. Wir haben den Abend zusammen gesessen und geredet und dann gegen elf Uhr nachts erst gegessen. Um zwölf Uhr haben wir uns alle ein feliz año gewünscht und jeder hat ein Becher mit Trauben bekommen. Die sollen Glück bringen wegen der Kerne. Glück hat uns das allerdings nicht wirklich gebracht. Denn drei der Raketen sind leider nicht in die Luft geflogen sondern unten am Boden explodiert!!! Ich sag Euch, nächstes Jahr nehme ich noch mehr Abstand zu diesen Dingern!!! Bei den letzten beiden Raketen bin ich ins Haus geflüchtet und es hörte sich so an, als sei das ganze Haus in die Luft geflogen!!! Ist es aber zum Glück nicht. Während dessen habe ich mit meiner Mutter in Deutschland geskypt, so dass sie auch unser Feuerwerk sehen konnte. Allerdings war es da in Deutschland sieben Uhr morgens, deshalb haben wir nur ganz kurz geredet.

 

Am 2. Januar bin ich dann mit meinen beiden Freundinnen ins Kino gegangen. Ich hatte mich sehr sehr gefreut, die Beiden wiederzusehen. Knapp zwei Monate Schulferien können verdammt lang sein.

 

Schüleraustausch Costa Rica

 

An einem Freitag bin ich mit meinen Gastgeschwistern, deren Cousins und meiner Gastmutter zu einem Fußballspiel gegangen. Dort haben wir zuerst ein Spiel von den Frauen angesehen und anschließend von den Junioren aller Mannschaften Costa Ricas. Dafür wurde das große Feld in vier kleinere geteilt, so dass acht Mannschaften gespielt haben. Die vier berühmtesten Mannschaften in Costa Rica sind Saprissa (die Lieblingsmannschaft meiner Gastfamilie), La Liga (hat die meisten Fans, warum auch immer), Cartago und Heredia. Zum Schluß haben die Profis gespielt. Saprissa hatte leider zunächst gegen Cartago verloren, aber anschließend das Spiel gegen La Liga gewonnen. Das war der absolute Höhepunkt des Abends für alle Saprissa-Fans.


Vom 5. bis zum 31. Januar war ich mit drei anderen Schülerinnen von CAS bei einem Schildkrötenprojekt in Montezuma. Es war traumhaft. Am Anfang dachte ich zunächst, dass wir dort viel arbeiten müssen. Aber wir hatten eigentlich nur Tages- und Nachtschichten. Wir mussten allerdings jeden Nachmittag jede Menge Sand schleppen. Denn für die neue Saison musste der Sand ausgetauscht werden, da in ihm noch die Bakterien und Krankheiten der bereits geschlüpften Schildkröten sind. Das war zwar anstrengend, aber es hat Spaß gemacht. Ich habe so viele nette neue Leute kennengelernt aus Frankreich, USA, Dänemark, Finnland, Island und der Schweiz. Ich kann jedem, der nach Costa Rica zu einem Schüleraustausch kommt nur raten, die Beziehungen zu pflegen und offen zu neuen Bekanntschaften gegenüber zu sein. Vor allem wenn man auch so ein Freiwilligen-Projekt machen möchte.


Wir hatten auch ziemlich viel Glück. Denn wir waren in der Nebensaison da und haben trotzdem 2 Nester mit Schildkröten schlüpfen gesehen. In unserer letzten Nachtschicht in Montezuma haben wir sogar Besuch von zwei ausgewachsenen Schildkröten bekommen. Montezuma hat wunderschöne Strände und die Arbeit mit den anderen Freiwilligen hat richtig Spaß gemacht.

 

Costa Rica Schildkröten


Wir vier Mädels, die von CAS aus bei dem Projekt dabei waren, haben eines Tages einen kleine Wanderung zu den Wasserfällen, die ganz in der Nähe von dem Dorf sind, gemacht. Eigentlich braucht man für die Strecke nur eine halbe Stunde zu Fuß, doch wir haben zunächst den Weg nicht gefunden und das war eine richtige Kletter- und Rutschaktion.


Der Freiwilligendienst war insgesamt eine richtig schöne Erfahrung. Man trifft viele Menschen aus anderen Ländern und lernt diese besser kennen, wenn man mit ihnen zusammen für einen guten Zweck arbeitet. Ich kann jedem anderen dieses Projekt nur empfehlen. Man macht so viele neue Erfahrungen und neue Bekanntschaften.

 

Zwei Tage nach dem Projekt bin ich am Nachmittag mit meiner Gasttante und Gastonkel zu einer Art Farm gefahren. Auf der Farm wohnen Freunde von meiner Gastfamilie. Die besitzen 24 Straßenhunde! Und auch ein paar Pferde. Ich war so glücklich, endlich wieder Pferde aus der Nähe sehen zu können und zu streicheln! Mein Gastvater hat mir versprochen, dass wir irgendwann mal mit denen Reiten gehen werden. Darauf freue ich mich schon sehr.

 

High School Costa Rica


In den Ferien ist außer dem Projekt und dem Familienurlaub nicht viel passiert, deshalb freue ich mich jetzt schon, meine Freundinnen in der Schule wiederzusehen. Die Ticos beschäftigen sich leider ziemlich viel mit ihren Smartphones oder dem Fernseher. Deshalb würde ich jedem der nach Costa Rica kommt raten, in den langen Ferien irgendeinen Sport oder einen anderen Zeitvertreib zu machen, da mal schnell Langweile aufkommen kann. Ich hatte deshalb auch in der zweiten Hälfte der Ferien ein Tief und saß nur zu Hause und habe gemalt und Musik gehört. Das war vermutlich auch der Grund, warum ich kurz vor dem Projekt in Montezuma Heimweh hatte. Aber letztlich ist die gesamte Zeit des Austausches doch schon richtig schnell vergangen. Und ich bin schon richtig gespannt auf den kommenden Ausflug mit CAS. Es geht zum Vulkan Rincón de la Vieja.

 

Das nächste Mal wenn ich wieder schreibe, werde ich schon wieder zurück in Deutschland sein. Natürlich freue ich mich auf meine Freunde und meine Familie dort, aber im Moment werde ich hier jeden Tag genießen.


Bis bald Ronja