Mittwoch, 27. Juli 2016
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5 Monate Schüleraustausch Brasilien

Erster Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Paula R. - Brasilien

Stipendium gestiftet durch:
GLS

 

Schüleraustausch Costa Rica

 

Mein Name ist Paula Reichelt, ich bin 15 Jahre alt und für ungefähr 5 Monate in Brasilien, Belo Horizonte.
Als erstes die Frage, „Wieso Brasilien?“ Denn Brasilien ist als Auslandsaufenthaltsland noch nicht so sehr bekannt, denn die meisten entscheiden sich für die USA, Kanada, England.. etc.
Aber wenn ihr etwas total anderes erleben möchtet und euch so etwas außergewöhnliches zutraut. Einen richtigen Kulturschock mit allen Sinnen erleben wollt, dann kann ich euch Brasilien nur empfehlen! Weitere genauere Antworten erfahrt ihr hier in meinem Bericht.

 

Die erste Sache, die total wichtig ist. Glaubt mir ein Austausch beginnt nicht erst bei der Ankunft in eurem Austauschland sondern schon bei den Vorbereitungen. Das heißt ihr werdet Phasen der Aufregung, Phasen der Angst, wiederum Phasen des Abschiednehmens und Phasen der totalen Freude haben. Es ist wirklich eine Achterbahnfahrt der Gefühle und in manchen Momenten nicht einfach. In den letzten Tagen, bevor ihr fahrt, denkt ihr, dass es ein Fehler war diesen Schritt zu gehen aber sobald ihr ankommt, merkt mir wie wundervoll diese Erfahrung wird!

 

Richtig los ging es für mich am 25.07.2013 in Frankfurt am Flughafen. Meine Eltern und ich haben uns den Flughafen angeschaut und es wurde mir alles genau erklärt, da es mein allererster Flug war und ich musste alleine fliegen. Es hat insgesamt alles gut auf den Flügen geklappt, obwohl ich ein paar Verständigungsschwierigkeiten in Rio de Janeiro hatte, da dort nicht viele Leute Englisch sprechen können. Ich hatte sogar einen Fensterplatz. Es war schade, dass ich alleine fliegen musste, da ich keinen zum unterhalten hatte und es lange Wartezeiten auf den Flughäfen gab. Hier in Belo Horizonte angekommen, war der erste Eindruck sofort schön. Es ist ein ganz anderes Klima hier und als ich aus dem Flughafen Gebäude raus ging und die ersten Palmen sah, realisierte ich, dass ich in meinem neuen „Zuhause auf Zeit“ angekommen war. Ich war am Anfang ein bisschen schüchtern, was ich normalerweise nicht bin, aber die Aufregung und die Angst sind einfach so stark, dass ich im ersten Moment nicht ich selbst sein konnte. Ich wurde lieb von meiner Gastfamilie abgeholt und dann sind wir in mein neues Zuhause für fünf Monate gefahren.


Auf der Fahrt habe ich viel aus dem Fenster geschaut, es sieht hier alles so anders aus. Es ist so viel los, so viele Häuser, so viele Menschen, so viele Autos, Palmen und Tiere, einfach anders!
Da meine Gastmutter Englischlehrerin ist, war die Verständigung kein Problem. Auch die Kinder sprechen Englisch und mein Gastvater versucht es. Ich wollte aber viel lieber mehr portugiesisch mit den Leuten hier sprechen, doch leider dauerte das ziemlich lange bis der Kurs hier anfing. Hier in Brasilien ist alles etwas entspannter und man lässt sich Zeit. Im ersten Monat habe ich also gar nicht portugiesisch gesprochen, aber nachdem ich meinen Kurs angefangen habe, habe ich so schnell gelernt und ich kann jetzt schon sehr viel sagen. Träumen tue ich total durcheinander. Denn für mich heißt es: „Du kannst erst wirklich eine Sprache, wenn du auch in dieser träumst.“ Also ich träume in Englisch mit zwischendurch eingeworfenen Deutsch und Portugiesisch Vokabeln, aber ich schätze am Ende wird das noch anders sein.


Ich hatte am Anfang das tollste Erlebnis überhaupt, ich habe viel unternommen und viel Spaß auf verschiedenen Partys gehabt  und war an tollen Orten und habe viele Tagesausflüge gemacht.
Ich war an verschiedenen besonderen Plätzen wie „Praca da Liberdade“ „Praca de Papa“ und in vielen Museen und Theatern um die Kultur kennen zu lernen. Ich mag Brasilien und es ist sehr lustig, die ganzen Unterschiede heraus zu finden. Ich habe hier mein Hobby Volleyball weiter geführt und somit noch mehr Freundinnen gefunden. Außerdem war ich mit meiner Familie in Sportclubs zum Schwimmen oder im Shoppingcenter zum einkaufen, für das Kino oder einfach um den Tag zu verbringen. Man muss seinen Alltag hier erst finden und das ist gar nicht so leicht, weil vieles hier anders ist und nicht wie in eurem normalen Zuhause.


Des Weiteren waren wir auf vielen verschiedenen 15 Jahre alt Partys von Freundinnen und Cousinen, denn der 15. Geburtstag ist wie der „Sweet 16“ in den USA. Es waren tolle Feste mit viel brasilianischer Musik und dem traditionellen Essen hier.


Ich mag gerne die brasilianische Kultur mit der Musik, dem Essen, den Feiertagen,und den ganz anderen Gewohnheiten. Zu viel will ich aber noch nicht erzählen, weil es viel schöner ist, alles selber kennen zu lernen.
Ich wohne ja in Belo Horizonte und hier ist das Essen total anders, als in den anderen Staaten. Es gibt eigentlich immer Reis mit Bohnen und dazu verschiedenes Fleisch. Das Essen schmeckt mir sehr gut. Vor allem Acai, Pacoca, Cochinha, Pao de Queijo und vieles mehr. Man muss aber echt aufpassen, dass man hier nicht zu viel zunimmt, da vieles von dem Essen sehr günstig und richtig lecker ist.
Es hört sich bis jetzt ja alles perfekt an.


Aber dann fing die schwierige Phase an, in der ich ein paar kleine Probleme mit meiner Gastfamilie hatte. Das ist aber normal, da es immer diese Kurve gibt, von denen auf jeder Infoveranstaltung geredet wird. Ich konnte mir echt nicht vorstellen, dass ich das so dolle haben werde, aber es ist schon krass. In solchen Moment, kann ich allen nur raten so ruhig wie möglich zu bleiben und nachdenken, was man für kleine Fehler gemacht haben kann, dass ein Problem entstanden ist. Natürlich ist das sehr sehr schwer und natürlich vermisst man dann die Familie und die Freunde noch mehr, aber glaubt mir ihr müsst stark bleiben, denn ein Austausch ist die Zeit eures Lebens. Es ist klar, dass ihr diese Phase habt, da ihr in diesen Momenten, von dem Alltag eingeholt werdet und ihr alle Seiten von den Menschen kennenlernt. In einem Austausch ist es nicht so, wie zuhause. Ihr müsst Probleme immer selber lösen, immer freundlich zu der Gastfamilie sein und um einiges ordentlicher als normal sein.


Aber glaubt mir, es ist es wert! Und es ist normal den Alltag hier zu erleben, denn ein Austausch ist nicht nur Urlaub, sondern eine Erfahrung für immer! Dann nach dieser harten Zeit geht alles wieder bergauf und am Ende wollt ihr gar nicht mehr nach Hause. Ich bin jetzt die Hälfte meiner Zeit hier und fange jetzt die zweite Kurve nach oben an.


Bei mir in der Schule läuft alles gut, denn ich habe total viele echte Freunde hier gefunden, die immer an meiner Seite sind und hinter mir stehen. Es gibt in der Schule auch viele Unterschiede zu meinem Heimatland Deutschland. Die Schule hier ist nicht so streng und von dem Inhalt meistens nicht so weit. In meiner Schule in Deutschland sind Sprachen richtig wichtig und hier nicht. Außerdem ist hier jeder herzlich zu jedem und umarmt und küsst jeden auf die Wange. Auch unter Lehrer, Direktor und Schüler. Des Weiteren sind die Klassen viel größer und mündlicher Unterricht ist hier nicht ganz so wichtig wie die Tests.


Schule beginnt hier schon um 07:20. Warum? Das weiß ich auch nicht aber ich schätze wegen dem Wetter, denn es ist jetzt Frühling hier und wir haben um die 30 °C. Ganz manchmal regnet es dann auch und dann hat man das Gefühl, das die Welt hier untergeht aber es tut richtig gut durch den warmen Regen zu laufen. Innerhalb von wenigen Sekunden wechselt es von Hitze und Sonnenschein zu Donner und Dauerregen.


Ich freue mich schon total auf den Sommer um braun zu werden, da ich dann auch mit meiner Familien nach Rio de Janeiro und Sao Paolo fahre. Hier in meiner Familie habe ich drei Geschwister und in Deutschland bin ich Einzelkind. Manchmal ist das nicht einfach, aber ich liebe es mit Leuten um mich zu sein und ich wollte schon immer Geschwister haben. Aber das Schwere ist, manchmal den ersten Schritt zu machen, wenn man zum Beispiel noch nie einen Bruder hatte.


Doch ich bin mit meiner Gastfamilie eigentlich ziemlich zufrieden und glücklich. Ich werde noch richtig viele Sachen hier erleben und ich hoffe, dass ich und meine Gastfamilie, meine Freunde und alle Leute, die ich hier lieb in mein Herz gewonnen habe, für immer in Kontakt bleiben und eine internationale Freundschaft führen.


Ich habe insgesamt ein gutes Verhältnis zu meiner Gastfamilie, obwohl es manchmal ein paar Schwierigkeiten gibt. Doch ich kann euch sagen, auch wenn ihr das Gefühlt habt, dass eure Gastfamilie nicht perfekt zu euch passt, dann seht  nicht alles negativ. Versucht immer positiv zu denken und die Zeit zu genießen, denn ihr werdet sehen, dass es andere Leute hier gibt, zu denen ihr gehen könnt und die immer für euch da sind. Auch wenn ihr Heimweh habt, was ganz normal ist, denn auch ich und ich glaube JEDER vermisst seine Eltern, Freunde und alle wichtigen Leute aus dem Heimatland. Doch ihr müsst versuchen, Abstand zu nehmen nur für diese Zeit, denn dann lernt ihr die Sprache besser und ihr könnt euch schneller und besser einleben. Es ist hart aber es lohnt sich!

 

Ihr seht ich habe viele Gründe, wieso mich ein Brasilienaufenthalt so gereizt hat. Vor allem die Sprache, der riesige Unterschied zu meinem Heimatland und die Offenheit der Menschen hat mich so sehr interessiert, dass ich mich auf die lange Reise nach Südamerika gemacht habe. Ich werde jetzt noch zwei ein halb Monate hier sein und ich werde die letzte Zeit noch sehr genießen. So etwas ist nämlich eine einmalige Zeit und ein Rat an euch: Macht euch vorher nicht zu viele Vorstellungen, wie es sein wird, denn es wird sowieso alles anders sein und vielleicht auch in manchen Sachen nicht so wie erwünscht. Ein Austausch ist keine Reise, wie in den Ferien, oder ein Wellnessurlaub. Ein Austausch ist harte Arbeit und am Ende könnt ihr umso stolzer auf euch sein, so etwas gemacht zu haben.

 

Ich hoffe, dass ich euch mit diesem Erfahrungsbericht etwas weiter helfen konnte und vielleicht entscheidet ihr euch ja jetzt auch für Brasilien, denn glaubt mir es ist einfach eine atemberaubende Erfahrung. Es ist total anders hier, mit so viel einfachen und schwierigen Unterschieden, mit lieben Menschen, mit viel Sonne, mit viel Spaß, mit einer neuen Sprache, mit einem anderen System und einer anderen Ordnung und vielleicht demnächst mit euch.

 

Viele liebe sonnige Grüße aus Belo Horizonte, PAULA