Donnerstag, 28. Juli 2016
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5 Monate Schüleraustausch Brasilien

Zweiter Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Paula R. - Brasilien

Stipendium gestiftet durch:
GLS

 

Schüleraustausch Costa Rica

 

In meinem zweiten Bericht über Brasilien, möchte ich euch etwas über das erzählen, was mir hier mit am besten gefällt. Ich habe mich damit eine Weile auseinander gesetzt und ich finde, dass es einen Unterschied zu meinem Heimatland gibt. Es ist eine Sache aus dem Alltag, ein Benehmen, eine Eigenschaft der Menschen hier, in Brasilien. Es ist ein Bericht über eine Erfahrung, die ich frei wählen konnte und mich berührt diese Eigenschaft der Menschen hier einfach sehr: „Die Freundlichkeit, die Offenheit, das Interesse und die kulturelle Begrüßung hier in Brasilien“

 

Egal ob Familie, Freunde, Eltern der Freunde oder Fremde, man begrüßt sich immer mit einem oder zwei Küsschen auf die rechte Wange oder mit einer herzlichen Umarmung. Das ist so warm, freundlich und man fühlt sich immer sofort aufgenommen und zuhause.


Doch ich muss sagen, dass es am Anfang schon sehr schwierig war, die Cousins in meinen Alter und generell Jungs in meinem Alter ein Küsschen auf die Wange zu geben. Normalerweise bin ich kein Mensch von Schüchternheit, doch das war eine der Hürden hier zu Anfang. Denn ich war das nicht gewohnt und generell ist man am Anfang, wenn man in dem Gastland ankommt, nicht genauso wie normal, weil man Angst hat etwas falsch zu machen und weil man alleine und total fremd ist. In Deutschland begrüße ich zwar meine Freundinnen und meine Familie auch mit einer Umarmung, doch die Eltern meiner Freunde oder sogar Fremde, die werden mit einem Handgruß oder nur einem freundlichen „Hallo“ wahrgenommen.


Aber jetzt geht es ja bald schon wieder nach Hause und ich weiß, dass ich diese Art der Begrüßung auf jeden Fall in Deutschland vermissen werde. Genauso wie ich jeden Menschen , denn ich kennen gelernt habe, vermissen werde. Es ist erstaunlich zu sehen, wie sich das bei mir verändert hat. Denn jetzt bin ich die Person, die offen und sofort auf die Leute zu geht um sie zu umarmen. Natürlich wusste ich, dass Brasilien mich verändern wird, aber ich hätte nicht gedacht, dass das so schnell und stark passiert.


Manchmal ist es nur ein wenig schwierig einzuschätzen, wie man begrüßen soll, da man in jedem Staat anders „küsst“. Mal ist es ein Küsschen, mal zwei und ganz selten auch mal drei. Manche umarmen nur, und bei formalen Treffen gibt es sogar den Handschlag, der aber eher selten vorkommt. Sogar ich und meine Schuldirektorin umarmen uns mit Küsschen und generell ist unter den Lehrern und Schülern ein viel engeres Verhältnis. Das wird mir sehr fehlen. In meiner deutschen Schule, würde ich nie auf die Idee kommen, meine Schulleitung mit einer Umarmung zu begrüßen, da die Beziehung dort viel distanzierter ist. Auch ist hier das „duzen“ der normale Gebrauch mit dem Verwenden der Vornamen und nicht das Frau Lehrerin oder Frau Direktorin. Die Brasilianer sind sehr informelle Menschen, die offen auf jeden zu gehen. Um ehrlich zu sein, hatte ich ein wenig Bedenken, bevor ich hier ankam, was die brasilianischen Einwohner über Deutschland und Hitler denken. Ich wurde auch oft auf die deutsche Geschichte angesprochen, aber nur weil die Leute hier interessiert daran sind. Ich rate auch allen weiteren Austauschschülerin keine Angst vor dieser Konfrontation zu haben, denn die Leute hier verurteilen dich nicht. Sie wissen natürlich, dass die deutsche Geschichte nicht besonders schön war, aber trotzdem ist jeder hier herzlich willkommen. 


Meiner Meinung nach sind die Brasilianer sehr gastfreundliche Menschen, die sich über jeden freuen und die gerne Ausländer hier haben. Ich finde, dass die hier fast aufgefressen werden vor Neugierde der Brasilianer. Man sollte als Austauschschüler hier, damit klar kommen immer der Mittelpunkt zu sein und man sollte einfach und gut auf Leute zu gehen können.


Generell sind die Brasilianer sehr an Ausländern von der ganzen Welt interessiert. Ich wurde in meinen ersten Schulwochen, jeden Tag von mindestens dreißig Schülern umkreist und wirklich jeder kennt mich dort. Das ist ein tolles Gefühl! Alle sind an dir interessiert, wollen alles wissen und ich habe sehr viele echt gute Freunde hier gefunden. Ein wenig komisch, war das alle meine Haare berühren wollten und mir wirklich jeden Tag gesagt wird, wie toll meine blauen Augen sind. Aber um ehrlich zu sein, das tut so gut!


Das ich wahre Freunde gefunden habe, merke ich jetzt wenn es um das Verabschieden geht. Es fließen viele Tränen, es werden Adressen, Namen, Facebook ausgetauscht und trotzdem bleibt die Angst, dass man sich vielleicht  nicht wieder sieht, da die Entfernung groß ist und die Ferien anders und der Flug teuer. Aber ich will auf jeden Fall nochmal wieder kommen, da ich alle wieder sehen will, ich es liebe Portugiesisch zu sprechen, und weil es einfach wie vorher eingeschätzt von mir, ein sehr großer Unterschied zu Deutschland ist.


Am Anfang war das Portugiesisch lernen natürlich sehr schwierig aber es freut sich einfach jeder Brasilianer, wenn Austauschschüler versuchen Portugiesisch zu lernen und zu sprechen. Egal wie viele Fehler man macht, die Leute stehen dir mit einem breiten Grinsen gegenüber und sind stolz darauf, dass du versucht einen Teil der Kultur zu lernen.


Egal, was du von der Kultur lernst, die Brasilianer sind stolz und glücklich. Ich habe Kochen hier gelernt, und jeder wollte mir etwas zeigen und erklären, ich habe auch tausend Rezepte zum Mitnehmen, ich habe manche Sportarten neu gesehen und ausprobiert und ich habe alles versucht zu verstehen und zu sehen, was Leute mir gezeigt haben. Es ist sehr wichtig ein offener Mensch zu sein, wenn du einen Austausch in Brasilien machen willst, da die Leute wirklich alles zeigen wollen und du darfst auch nicht zu schüchtern sein, denn sonst passt in dieses Land nicht rein.


Für mich war er wirklich eine tolle Erfahrung, dass ich in Brasilien, besonders Belo Horizonte ein Tourist, oder eher gesagt ein Austauschschüler war. Ich glaube, dass ich die deutsche Kultur auch ein wenig nach Brasilien bringen konnte, da die Leute hier so manche ziemlich unglaubwürdige Dinge von Europa gedacht haben und auch von uns erwarten haben. Zum Beispiel dachten meine Freunde, dass wir Europäer denken, dass es hier kein Internet gibt und dass alle in Baumhäusern mit Affen wohnen und dass die Menschen alle Indianer sind so wie in manchen Stämmen im Amazonas. Das hat mich ziemlich schockiert, da ich nie auf die Idee gekommen wäre, so was zu glauben und ich dachte, dass obwohl wir auf zwei verschiedenen Kontinenten wohnen, dass man ein Basiswissen der anderen Länder hat.


Aber wirklich, die Brasilianer wollten alles über Deutschland wissen, über unser Schulsystem, meine Stadt, meine Familie, Gewohnheiten, Partys, Essen, Bier und Fußball. Alle haben immer gespannt zugehört, was ich erzählt habe und einige haben sogar ein paar Wörter Deutsch gelernt. Dazu muss man sagen, dass Deutsch glaube ich noch schwerer als Portugiesisch ist.


Ich werde, die ganzen Leute so sehr vermissen und zur Zeit geht es mir nicht so gut. Die ganze Zeit hatte ich ein wenig Heimweh, natürlich, das ist normal. Aber jetzt? Jetzt würde ich am liebsten noch eine ganze Weile bleiben. Es fließen so viele Tränen und ich kriege persönliche Geschenke und am Samstag ist meine „Formatura.“ Auch die ist sehr besonders für mich. Wir tragen spezielle Kleidung wie in den amerikanischen Filmen  mit einem Hut und einem langen schwarzen Mantel und es ist sozusagen der Abschied von der Schule, da ich bald fahre und viele auch für die High School die Schule wechseln. Ich habe eine kleine Rede vorbereitet und weiß jetzt schon, dass ich sterben werde, weil ich die Leute so sehr vermissen werde. Es wird ein wundervoller Tag und ein bedeutendes letztes Wochenende. Wir kriegen alle Diplome und ich bin sehr froh, ein Teil davon zu sein zu können. Ich bin froh, dass ich eine Schülerin auf dem Coleguium Ouro Preto war und ich hoffe, dass mich die Leute gut in Erinnerung behalten. Ich werde es auf jeden Fall.


Generell muss ich nochmal nach Brasilien fliegen um den Rest dieses Landes zu sehen. Denn Brasilien ist in jedem noch so kleinen Teil verschieden. Ich war in Rio, Ouro Preto und in anderen kleineren Städten und Bezirken und alles ist so nah und doch unterschiedlich. Außerdem ist Brasilien riesig und ich will alles sehen und erkunden. Diese Unterschiede zu spüren und von dem totalen Kontrast zwischen Amazonas und den Stränden berichten zu können. Das ist mein Traum für die Zukunft! Es ist alles anders hier, außer das Interesse der Leute, das ist überall gleich und das ist das was mich hier immer wieder hinziehen würde. Brasilien ist meine zweite Heimat und ich bin froh, so viele Freunde als meine neue Großfamilie bezeichnen zu können. Ich bin richtig  dankbar, dass meine Eltern, die Organisation und viele andere Mitglieder, diesen Austausch möglich gemacht haben. Es war eine Erfahrung wie eine Achterbahn, immer Rauf und Runter, traurig und glücklich aber ich würde es immer wieder tun und kann es nur jedem empfehlen, der etwas erleben will. Meine Zeit ist um und ich wünsche allen zukünftigen Austauschschülern eine wundervolle Erfahrung, so wie meine und einen tollen Austausch in den Ländern ihrer Wahl.