Freitag, 29. Juli 2016
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Weihnachten und Silvester in Frankreich

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Antonia D. - Frankreich

Stipendium gestiftet durch:

weltweiser

Schüleraustausch Frankreich



Es ist Anfang März und mein Auslandsaufenthalt ist seit mehr als einem Monat offiziell vorbei. In meinem Kopf und meinen Gefühlen sieht das natürlich anders aus. Aber erstmal zu den letzten beiden Monaten in Frankreich.


Der Anfang vom Dezember verlief ohne spannende Vorfälle, ich ging zur Schule und traf mich mit Freunden. Dezember, also  bald war Weihnachten und,ich machte mir Gedanken über Weihnachtsgeschenke. Diese Aufgabe stellte mich vor eine große Herausforderung. Doch ich wurde fündig. Meine Gastschwestern bekamen eine CD ihrer Lieblingsband für die jüngere und für die ältere einen Lippenstift, den sie sich schon länger gewünscht hatte. Mein Gastvater durfte sich über eine große Schachtel Pralinen freuen und meine Gastmutter über einen Nagellack von Dior. So konnte ich mit einem zufriedenen Gefühl Weihnachten entgegenblicken. Die Wochen vergingen wie im Fluge und bald war es soweit. Wir machten uns auf den Weg in die Bretagne, um dort Weihnachten mit der Familie zu verbringen.


Mit dem Auto bezwangen wir den langen Weg nach Rennes. Dort angekommen, fiel mir sofort die Ähnlichkeit zu Deutschland auf. Die Landschaft war grüner, weniger südlich. Auch diese Familie empfing mich unglaublich herzlich, ich konnte mich auf eine tolle Zeit freuen. Weihnachten in Frankreich war sehr verschieden. Es ging gleich mittags mit dem Aperitif los, wie gewohnt. Für diesen wurde eine Menge von wunderbaren Kleinigkeiten vorbereitet. Dabei die Foie Gras, eine Spezalität meiner Region (Limousin). Das ist eine Pastete aus Entenleber. Klingt jetzt nicht so lecker, hat auch einen recht speziellen Geschmack, ist aber dennoch sehr gut.


Es wurde ein großer Schinken angeschnitten, was aber wohl eher zur persönlichen Tradition meiner Familie gehört. Nach dem Aperitif hatten wir alle die Zeit, uns in Schale zu werfen. Weihnachten wurde in schicker Garderobe gefeiert. Gegen Abend begann das Essen. Es wurde alles selber zubereitet und schien mir unendlich. Doch es war  auch unglaublich gut. Ich hatte mich an diesem Abend definitiv überfressen!


Kurz vor Mitternacht  mussten wir Kinder uns dann nach oben in die Zimmer verziehen, damit der Weihnachtsmann unten die Geschenke bereit legen konnte. Als uns durch ein lautes „le pere noel est passé!“ (der Weihnachtsmann war da!) Bescheid gegeben wurde, stürmten alle sofort los und stürzten sich auf die Geschenke, die zahlreich unter dem Weihnachtsbaum lagen. Es war das reinste Chaos aus lauten „oh, c'est trop beau!“, „merci beaucoup!“ (oh, dass ist so schön! und Vielen Dank!)  und zerfetztem Geschenkpapier. Ich durfte mich auch über ein paar Geschenke freuen, sowohl von meiner deutschen als auch von meiner französischen Familie. 


Nach ungefähr einer halben Stunde war alles vorbei. Ein ungewohnt schnelles Weihnachten, aber trotzdem wunderschön. Alle haben sich über ihre Weihnachtsgeschenke gefreut und waren glücklich.
So verging auch Weihnachten sehr schnell. Das Heimweh suchte mich ein wenig heim, dennoch nicht so stark,  wie ich es erwartet hatte. Durch eine Verabredung über Skype mit meiner Familie verflog dieses auch bald.

 

Und auch dieses Mal hatte ich das Glück, einige schöne Orte der Bretagne besuchen zu dürfen. Natürlich haben wir uns Rennes angeschaut. Wir sind dort auf einen Jahrmarkt gegangen und haben uns vor der Oper ein atemberaubendes Lichtspektakel angeschaut. Jedes Jahr wird von Studenten eine Geschichte mit Licht auf ein Gebäude gestrahlt und erzählt. Dazu wird Musik gespielt. Es kommen immer unglaublich viele Menschen aus den Ecken von Rennes, um sich das Schauspiel an zuschauen.

 

Schüleraustausch Frankreich

Die Oper von Rennes

 

Der Weihnachtsmarkt war leider zu, aber so schlenderten wir einfach noch ein wenig durch die Stadt. Die Bretagne hat aber noch Vieles mehr zu bieten. Wir besuchten Saint Malo und den Mont Saint Michel. St. Malo ist eine wunderschöne Stadt am Atlantik. Sie hat eine große Stadtmauer, auf der man wunderbar spazieren gehen kann. Dabei schaut man auf das Meer und die Stadt. Außerdem besuchten wir einen Weihnachtsmarkt. Er war klein, aber fein. Viele Buden, in denen man schöne Sachen finden konnte, waren aufgebaut und die Leute schlenderten gemütlich über die Wege. Zwischen den kleinen Buden wuchsen Palmen, was merkwürdig wirkte. Weihnachtsmusik kam aus Boxen und die Palmen waren mit Lichterketten geschmückt.  

 

St. Malo Frankreich Auslandsjahr Frankreich
St. Malo. Der Weihnachtsmarkt und das Meer.

 

Wir schauten uns noch ein wenig die Stadt an und fuhren dann wieder nach Hause. Das war St. Malo. Am nächsten Tag besuchten wir den Mont St. Michel. Der Mont Saint Michel ist unglaublich schön. Eine kleine Stadt, die auf engstem Raum auf einem kleinen Hügel im Meer gebaut wurde. Es tummeln sich Touristen von allen Kontinenten der Welt in den kleinen Straßen. In der Mitte befindet sich ein riesiges Kloster. Und die Aussicht ist wunderbar. Es gibt viele kleine Strassen und Ecken zu entdecken.

 

Mont Saint Michel

 

Kloster Mont Saint Michel
Der Mont Saint Michel

 

Die Zeit verging schnell und zack war es auch schon Silvester. Silvester. Ja, wie feiert man in Frankreich eigentlich Silvester? Es wird sich wieder chick gemacht und ein vielfältiges Essen zubereitet. Dieses Mal gibt es Meeresfrüchte. Ein riesengroßer Tisch, voll mit jeglichen Sorten an Meeresgetier. Mir selber schmeckt das nicht so gut. Dennoch habe ich mir so einige Kleinigkeiten heraussuchen können, die mir gefielen.


Silvester Frankreich

 

Silvestermenu Frankreich

Das Silvesteressen

 

Um Mitternacht wurde mit Sekt angestoßen und alle wünschten sich ein frohes neues Jahr, Gesundheit und Glück. Silvester wird in Frankreich auch eher mit den Freunden gefeiert. Nach Silvester hieß es dann die letzten Tage in der Bretagne genießen, bevor es wieder nach Brive ging. Ich mag es nicht, mich zu verabschieden. Doch auch hier musste ich es machen.

 

Als wir aus der Bretagne zurückkamen, war es bereits Januar und ich wusste, bald würde meine Zeit in Frankreich zu Ende gehen. Ich wurde sehr traurig, ich bemerkte wie schnell die Zeit verging, und das ich bald dieses wunderbare Land und meine französische Familie und Freunde wieder verlassen musste. Dennoch war ich auch irgendwie glücklich und freute mich auf Zuhause, auf meine deutsche Familie und meine Freunde.

 

Was tut man also in den letzten Tagen? So viel wie möglich. Ich habe mir gesagt, du musst jeden Tag genießen und nutzen bis ins Minimum. Ich ging mit meinen Freunden aus und verbrachte Zeit mit meiner Familie. Auch hieß es bald die Koffer packen und kleine Mitbringsel kaufen, was ich aber immer vor mir her schob. Diese letzten Wochen gingen so verdammt schnell um. Am Anfang waren es noch 3 Wochen, dann nur noch 2 und zack - die letzte Woche brach an.


Mein letztes Wochenende verbrachte ich zusammen mit allen Austauschschülern, Gastfamilien und Leuten von AFS. Wir fuhren ins Zentralmassiv, um Spaß mit dem Schnee zu haben. Am ersten Tag gingen wir spazieren und bauten dabei Schneemänner und machten Schneeballschlachten. Wir hatten einfach noch mal unglaublich viel Spaß zusammen. Am Abend legte in unserem Hotel ein richtig schlechter DJ auf, aber das war uns egal. Wir hatten trotzdem Spaß und lachten und tanzten. Am nächsten Tag liehen wir uns Schlitten aus. Wir haben uns weggeschmissen vor lachen, als wir in einer riesigen Schlange den Berg hinunter sausten.

 

Das Schneewochenende im Massif Central. Zusammen mit meiner brasilianischen Freundin Maria
und den Anderen von AFS

Freundinnen Schüleraustausch Frankreich Winter in Frankreich

 

Ausflug Schüleraustausch Frankreich Meine Gastschwester und ich im Schnee

 

Aber auch dieses Wochenende verflog unglaublich schnell und mein letzter Montag kam, dann der letzte Dienstag und der letzte Mittwoch. Ich fing an,  mich von einigen meiner Lehrer zu verabschieden. Diese verabschiedeten mich so unglaublich herzlich, was mich sehr beeindruckte, da ich nur mit Wenigen regelmäßig geredet hatte.


Ich verbrachte noch ein paar Nachmittage zusammen mit meinen Freunden in der Stadt. ich wollte die Stadt aufsaugen und alles in Form von Fotos oder Gedanken festhalten, vielleicht auch zum letzten Mal anschauen. Es war genauso wie am Anfang, als ich in Deutschland nach Frankreich aufgebrochen bin. Ich konnte es nicht realisieren. In Deutschland erlebte ich diese Aufregung vor der Abreise ins Unbekannte, verabschiedete mich von meinen Freunden für fünf Monte und genau da ist der Unterschied. In Deutschland wusste ich, dass ich meine Freunde und Familie nach fünf Monaten wieder sehen kann. Aber wie wird es in Frankreich sein? Wann kann ich zurück? Kann ich den Kontakt halten? Diese Fragen stelle ich mir immer noch und weiß keine Antwort.

 

Die letzten Tage in Frankreich - die Sachen waren bald gepackt und ich ging los zu meinem letzten Schultag. Dieser Tag war einer der Schwersten meines Lebens. Ich wollte nicht, dass er kommt und ich wollte mich nicht verabschieden müssen. An diesem Tag habe ich viel geweint. Doch ist es nicht irgendwie ein gutes Zeichen? Ich merkte so, wie wichtig mir diese Menschen geworden waren. Meine Klasse hatte ein gemeinsames Frühstück organisiert und mir ein Erinnerungsgeschenk überreicht. Viele hatten mir kleine Abschiedsbriefe geschrieben und auch ich übergab kleine Erinnerungen an mich. Den Abend verbrachte ich zusammen mit meiner Gastfamilie. Ich wollte keine Minute vergeuden, sondern jeden Moment mit ihnen genießen.


Am nächsten Morgen ging es früh mit meinem Gepäck, meiner Familie und einiger meiner Freunde zum Bahnhof. Es war soweit, heute sollte ich mit dem Zug nach Paris und von da aus nach Hause nach Deutschland fahren. Es tat unheimlich weh,  meiner Familie und meinen Freunden Tschüss zu sagen. Der Moment, als ich im Zug stand und all meine Lieben weinen sah, war sehr schmerzhaft. Ich merkte, wie gern ich sie habe und wie sehr sie mir fehlen werden. Es fühlte sich an, als würde ein Stück meines Herzens in Brive zurückbleiben.

 

Abschied SChüleraustausch Frankreich

Ich verabschiede mich von meiner Gastschwester!

 

Der Zug bedeutete für mich aber auch, meine deutsche Familie und Freunde bald wieder zu sehen,  und so war ich sehr traurig aber auch glücklich. In Paris trafen wir viele andere Austauschschüler wieder. Mir kam die Zeit unendlich vor, und ich wollte einfach nur noch nach Hause nach Deutschland und nach Frankreich. Wir redeten über unsere Erfahrungen und hatten noch einmal sehr viel Spaß zusammen.


Dann ging es mit dem Flugzeug nach Deutschland zurück. Ich wäre fast geplatzt vor Vorfreude und Aufregung, endlich meine Lieben aus Deutschland wieder zu sehen. Als das Flugzeug landete, sind wir, zwei deutsche Mädchen, nach fünf Monaten Frankreich wieder auf deutschem Boden angekommen. Wir haben uns an den Händen genommen und sind dann gemeinsam die letzte Stufe vom Flugzeug hinunter gesprungen. Der Frankreichaufenthalt schien so für uns wirklich beendet. Es war vorbei. Es blieben noch so viele tolle Erinnerungen und die Sprache in unseren Köpfen.


Es kam mir vor wie eine Ewigkeit bis endlich das ganze Gepäck ankam. Dann war es endlich soweit, und ich konnte meine ganze Familie in die Arme schließen. Ich bin durch die letzte Absperrung gerannt, habe alles von mir geschmissen und mich in die Arme meiner Familie geworfen. Es war ein so unglaubliches Gefühl,  alle nach fünf Monaten wieder zu sehen.

 

Rückkehr SChüleraustausch Frankreich

Meine Familie am Flughafen

 

Endlich zuhause. Es war so wunderbar alles, was ich so lange nicht sah, wieder zu haben. So verging dieser Tag sehr schnell und ich war wieder zuhause. Jetzt hieß es, deutsch reden,  und mich in mein deutsches Leben einzugewöhnen. Eine Aufgabe, die nicht so einfach gewesen ist. In der Küche musste ich die Tassen suchen und erstmal fragen, wann noch mal mein Bus für die Schule fährt. Den Stundenplan hatte ich komplett vergessen. Ich sehnte mich so sehr danach, französisch zu reden.

 

Etwas wunderbares passierte jedoch. Nach fünf Monaten, in denen ich so viel erlebt und kennen gelernt habe, ist eines gleich geblieben;  meine Freunde und Familie. Ich fühlte mich in der Schule so wohl wie immer. Ich habe alles so unglaublich vermisst, dass wurde mir erst jetzt richtig klar. Die erste Zeit in der Schule war sehr anstrengend. Ich musste mich in alles eingewöhnen und mich wieder in den Unterricht einfinden. Aber auch das klappe gut.


Jetzt halte ich den Kontakt zu meiner Familie und meinen Freunden in Frankreich über Facebook oder Skype. Sie fehlen mir sehr! So schwer der Abschied in Frankreich auch war, ich hatte eine wunderbare Zeit und habe so viel erlebt und gelernt. Ich spreche fließend Französisch, denke sogar noch manchmal auf Französisch. In der ganzen Zeit habe ich mich kennen gelernt, ich weiß jetzt was ich möchte, und mir ist klar geworden, wie wichtig Vertrauen in sich selber und in andere Menschen ist. Ich habe wirklich verstanden, wie wichtig es ist, Familie und Freunde haben und bin unendlich dankbar für deren Unterstützung.


Das war mein letzter Bericht von fünf Monaten Frankreich. Ich kann euch einfach nur empfehlen,  so etwas auch zu machen. Geht in die Welt und lernt neue Leute, Kulturen und euch selber kennen!
Ich danke allen, die mich so unglaublich unterstützt haben. Vor allem meiner Familie und Freunden und AFS, ohne die es nicht möglich gewesen wäre. DANKE!