Montag, 5. Dezember 2016
Herzlich Willkommen bei Weltbürger-Stipendien!

Du befindest dich hier: weltbuerger-stipendien.de » WELTBÜRGER-Stipendiaten » Luca-Zoé R. (Brasilien)

Geburtstag, Rio und Copacabana -
mein Schuljahr in Brasilien

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Luca-Zoé R. - Brasilien

Stipendium gestiftet durch:

YFU


Schule Brasilien

 

In den letzten drei Monaten habe ich einiges erlebt. Ich fange ganz am "Anfang" mitte November an, mit meinem Geburtstag. Der war nicht wirklich spektakulaer aber letztendlich schoen. Ich hatte keine Freunde eingeladen weil es mir zu der Zeit nicht soo toll ging und Vorfreude war nicht viel vorhanden, und ich wollte an diesem Tag nicht laecheln muessen wenn mir absolut nicht danach war. Also feierte ich nur mit meiner "Familie". Es gab von mir gewuenschtes Essen, Kuchen und unerwartet viele Geschenke, darunter ein weisses Kleid, das ich fuer Silvester "aufzuheben" beschloss. Am Vormittag ging ich mit einer der Maids die (schon ewig -ca. 13 Jahre) fuer meine Gastma arbeiten, in den Park. An meinem 16. Geburtstag, Mitte November, pflueckte ich zum ersten mal selbst eine Mango! Ich legte sie spaeter zu meinen anderen Geschenken. Und es war mein erster Geburtstag, an dem ich in Shorts und Top drausßn in der Sonne herumlaufen und ein bisschen braun werden konnte. Also letztendlich war es doch ein schoener Tag, auch wenn ich nicht damit gerechnet hatte. Dann ging es ganz normal weiter mit Schule, die hier uebrigens schon um 7:20 Uhr anfaengt, weshalb ich hier leider auch nicht laenger schlafen kann als in Deutschland obwohl ich nur ein paar Minuten zu Fuß laufe.

 

In den letzten Wochen wurde ich krank, weshalb ich leider den letzten Schultag verpasste, bevor die fast zwei Monate langen Sommerferien anfingen. Ich wurde wieder gesund und ein paar Tage spaeter flogen wir nach Rio. Meine "Familie" hat dort eine Wohung genau zwischen Ipanema und Copacabana. Ich war schon am ersten Abend begeistert von der lebendigen Stimmung auf der Straße und einfach allem was ich sah. Am naechsten Tag besuchten wir einen Markt, auf dem Schmuck, Kleidung, Gefaesse, kurz alles Moegliche angeboten wurde. Einige Wochen spaeter kaufte ich dort auch ein paar schoene Sachen fuer Familie und Freunde, Zuhause und mich ,fuer einen ueberraschend guten Preis' ,obwohl sich dort auch einige Touristen tummelten, und ich werde auch immer als Nicht-Brasilianerin erkannt - seufz. 

 

Rio de Janeiro Brasilien

 

Zwei Tage spaeter waren wir auf einem Markt, auf dem Fruechte und andere Lebensmittel verkauft werden. Aber vor allem Fruechte; ich probierte mich ueber den ganzen Platz, wobei das tollste die Fruechte waren, von denen ich gar nicht wusste, das sie exsistieren. Zwei, drei gab es davon (Auslandsaufenthalt ist so schoen!!). Natuerlich waren wir auch am Strand und ich musste noch Weihnachtsgeschenke kaufen und Açai probieren, was ganz gut schmeckt, aber ich ziehe die eiskalten frischen Fruchtsaefte vor.

 

Copacabana Rio de Janeiro

 

Weihnachten ging ebenfalls eher unspektakulaer vorbei, und zum Glueck blieb auch das gefuerchtete Weihnachtszeitheimweh groesstenteils aus. Ich vermisste ueber den ganzen Dezember nur ein bisschen das ganze Weihnachts- und Adventslala, es gibt hier kein Nikolaus (vielleicht ist meine Gastschwester auch ein bisschen zu alt dafuer, aber es kannte auch niemand aus seiner Kindheit), keinen Adventskalender, keinen Adventskranz, keine Lebkuchen (dafuer Orangen das ganze Jahr) und bekanntlich auch keinen Schnee oder sonst etwas in Richtung Kaelte, weshalb auch heiße Getraenke aller Art etwas an Wert verlieren. Aber wir hatten einen schoenen Tannenbaum, vor allem in Brasilia, auch wenn wir ihn ein bisschen anders als ich es kenne zusammengefaltet in einem Pappkarton nach ausgewaehltem Modell kauften. Und dieses Jahr gab es auch einen Adventskranz. Die anderen Sachen wie Backen, Nikolaus und Kalender basteln klappten aus verschiedenen Gruenden nicht, aber vielleicht schicke ich naechtes Jahr Lebkuchen.

 

Und dann kam endlich Silvester, worauf ich mich schon gefreut habe seit ich hier bin. Mein weißes Kleid hatte ich ja schon, aber ich ging noch extra Unterwaesche kaufen. Die Farbe der Unterwaesch, die man an Silvester traegt, wird naemlich nach den Wuenschen fuers neue Jahr gewaehlt. Moechte man auf jeden Fall Liebe, traegt man Rosa. Die anderen anscheinend meist gekauften Farben sind Gelb fuer Geld, Weiss fuer Frieden, und ich glaube etwas weniger Rot fuer Leidenschaft. Spaeter spuelte ich mich mit Wasser ab, in dem meine Gastma ein spezielles Salz geloest hatte, das alle schlechten Energien des letzten Jahres weg waschen soll.

 

Silvester in Rio de Janeiro Brasilien - Rio

 

Um kurz vor zwoelf machten wir uns schliesslich auf den Weg zum Strand, von dem man vor lauter Leuten gar nicht wirklich etwas sah, aber wir schafften es trotzdem irgendwie bis in die Mitte (zwischen Strasse und Meer). Und da fing ich dann das neue Jahr an, zwischen Avenida Atlantica und Atlantischem Ozean, eingezwängt zwischen lauter anderen feiernden meist in weiss gekleideten Menschen, die Fuesse im Sand und ein 16 minuetiges Feuerwerk am Himmel. Nachdem das Feuerwerk beended war, war das erste das ich 2014 machte, mir einen Weg zum Meer zu bahnen, ueber sieben Wellen springen, danach ins Wasser laufen, meine Blume werfen und dann untertauchen. Es ist vielleicht nicht jedermans Sache, frisch im neuen Jahr, in einem weissen Kleid, zwischen Blumen und ein paar anderen Leuten ein bisschen im Atlantik herum zu planschen, aber ich war so gluecklich in diesem Moment.

                                                                                                                   

Als ich wieder an Land war, liefen wir noch einige Zeit herum, bis wir uns dann auf den Rueckweg machten. Die letzte Woche in Rio verbrachte ich dann hauptsaechlich mit am Strand liegen, mich im Meer abkuehlen, Herumschlendern und Saefte aus mir unbekannten Fruechten trinken. Am neunten Januar flog ich mit meiner Gastschwester nach Curitiba (eine Stadt im Sueden) um dort Zeit mit ihrer Familie vaeterlicherseits zu verbringen. Gleich zwei Tage spaeter fuhren wir nach Santa Catarina, einen Bundesstaat weiter suedlich, ans Meer fuer zwei Tage. Zurueck in Curitiba verbrachte ich die meiste Zeit mit den Grosseltern in deren Haus, weshalb ich nicht wirklich etwas ueber die Stadt erzaehlen kann. Am letzten Tag vor dem Rueckflug nach Brasilia, hatte ich aber noch mein erstes Churrasco und probierte Chimarrão (Bild).

 

Chimarrao Brasilien

 

Jetzt bin ich zurueck in Brasilia und die Ferien sind seit ein paar Wochen wieder zu Ende, Schule ist besser jetzt, ich habe meine feste Clique und im Unterricht lerne ich zwar immer noch nicht direkt etwas, aber ich verstehe auch immerhin nicht mehr nichts. Das alles hilft enorm gegen Langeweile, jetzt muss ich nur noch besser Portugiesisch lernen, ich bin in den letzten Monaten schon ganz klar besser geworden (ein kleiner ploetzlicher Sprung), glaube aber trotzdem, dass niemand diese Sprache langsamer lernt als ich. Egal - ich sehe zur Zeit alles positiv und freue mich auf meine restlichen vier Monate (leider wurde der Rueckflug wegen der WM hier etwas vorgezogen) .          


Bis dann - wenn ich wieder Zuhause bin, was ich mir gar nicht vorstellen kann.