Mittwoch, 31. August 2016
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Mein Abenteuer Neuseeland -
zweiter Erfahrungsbericht

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Janine de L. - Neuseeland

Stipendium gestiftet durch:
Study Nelson

Schüleraustausch Study Nelson

Golden Bay
Vor ein paar Wochen war ich mit meiner Gastfamilie und der Tante und ihrer Familie in Golden Bay. Wir haben ein Ferienhaus am Meer für das Wochenende gemietet. Am ersten Tag haben wir die Gegend angeschaut und haben abends Lagerfeuer am Strand gemacht.


Neuseeland Schüleraustausch


Der Sternenhimmel war awesome! Beim Marshmallow-Grillen hat der Onkel angefangen Gitarre zu spielen - es war das, was man sich von einem perfekten Lagerfeuer vorstellt! Da ist mir klargeworden, wie schön es in Neuseeland ist - wir mussten eineinhalb Stunden fahren und schon ist man an einem der schönsten Strände der Welt :) Die Gegend heißt nicht ohne Grund Golden Bay!


Neuseeland Strand


Am nächsten Tag sind wir früh morgens erst mal raus zum Angeln gegangen. Wir haben 12 Fische gefangen (fragt mich nicht welche, weil ich mich bei sowas gar nicht auskenne, aber sie waren essbar, soviel kann ich schon mal sagen). Mittags hatten wir richtig Glück mit dem Wetter, da es sonnig und nicht zu windig war. Darum konnten wir endlich mal Biscuiting ausprobieren! Wir haben einen "Gummireif" hinten an das Boot mit einem Seil befestigt und haben dann Vollgas gegeben! Es war ein wirklich merkwürdiges Gefühl, aber es hat Spaß gemacht - bis ich dann über eine Boje gefahren bin und fast runtergefallen wäre :) Das Seil ist bei dem Gastschüler der anderen Familie gerissen und er ist im hohen Bogen runtergefallen. Es ist zum Glück nichts passiert und wir haben einfach weitergemacht.


Meine Gastschwester hat Wasserskifahren versucht, aber nach unzähligen Versuchen hat sie dann aufgegeben. In Filmen sieht das immer so einfach aus, aber es ist richtig schwer das Gleichgewicht zu halten und erst mal starten zu können :)


Bootsfahrt Neuseeland


Leider haben wir dann am letzten Tag nicht mehr so viel Glück mit dem Wetter gehabt und deswegen sind wir dann alle im Haus zusammen gesessen und haben Kartenspiele gespielt.
Nach diesen drei Tagen habe ich das Gefühl, endlich richtig zu der Familie zu gehören und fühle mich deswegen ziemlich wohl hier! Ich bin auch wirklich froh, dass ich mich jetzt so gut mit meinen Gastschwestern verstehe, weil es am Anfang einfach so war, dass wir nicht wussten, wie wir miteinander umgehen sollten und was wir miteinander reden könnten. Das hat sich durch die drei Tage richtig gut verbessert und jetzt ist die 10 Jährige auch gar nicht mehr schüchtern.

 

Der 2. Term - Jetzt schon Halbzeit!
Inzwischen bin ich schon mitten im 2. Term und deshalb hat sich auch ein bisschen was verändert.  Nicht nur die Tatsache, dass ziemlich viele Freunde von mir wieder nach Hause gegangen sind oder dass ich nun ein paar Fächer neu gewählt habe, sondern auch das Gefühl, sich richtig in der Schule wohl zu fühlen und zu wissen, zu welcher Clique man gehört, ist jetzt im Gegensatz zum Anfang des 1. Terms neu.


Freunde Neuseeland


Leider hat sich in diesem Term auch das Wetter verändert. Weil die Jahreszeiten zwischen Deutschland und Neuseeland vertauscht sind, kommt hier jetzt leider der Herbst, d.h. ziemlich viel Regen und auch etwas Kälte. Es passiert manchmal, dass Häuser oder Shoppingcentre überschwemmt werden, aber ich habe Glück, weil ich ein bisschen auf dem Berg wohne :) Das Problem ist, dass man bei so einem Wetter nicht so viel draußen machen kann. Deswegen haben meine Freundinnen und ich jetzt eine Mitgliedschaft für das Fitnesscentre hier in Stoke beantragt. Wir gehen inzwischen 3-4 Mal in der Woche und haben richtig Spaß. Es werden oft Kurse wie zum Beispiel Zumba angeboten und dann trifft man auch immer ein paar Leute aus der Schule.


Außerdem hat sich mit diesem Term auch mein soziales Projekt geändert. Weil es sehr viele Freiwillige für die Hausaufgabenhilfe gibt, helfe ich nun bei den etwas kleineren Kindern mit. Diese Nachmittagskinderbetreuung findet aber auch in der Victory Primary School statt. Die meisten Kinder hier sind 6-10 Jahre alt und kommen aus Indien, Burma und Bhutan. Ich helfe den Kindern beim Lernen von Buchstaben und beim Lesen. Dieses Projekt gefällt mir richtig gut, da ich gern was mit kleinen Kindern mache.


Schule Neuseeland


Demnächst gehe ich mit meiner Outdoor-Education-Gruppe in das 2. Camp. Das so genannte "Winter-Camp". Darauf freue ich mich schon richtig! Wenn wir Glück haben, wird es sogar schneien, was in den Städten wie in Nelson nicht üblich ist. Außerdem ist in ein paar Wochen der berühmte Abschluss-Ball! Die Schüler, die in Year 12 oder 13 sind, dürfen dorthin gehen. Ich musste recht viel dafür zahlen, aber alle Neuseeländer sagen, das Geld sei es wert und außerdem haben wir so etwas nicht in Deutschland. Die Schule wird den Ball richtig groß machen, also auch mit rotem Teppich und manchmal holen die Jungs ihre Dates auch mit Limousinen ab, habe ich gehört :) Jedenfalls freue ich mich richtig darauf und ich werde euch auf jeden Fall berichten, wie er war.

 

Wintercamp, Schulball und Bowling
Heute habe ich wieder ein bisschen was zu erzählen :) Die letzten Tage waren schön, aber auch ziemlich anstrengend, weil ich von Mittwoch bis Freitag auf dem Wintercamp mit meiner Outdoor-Education-Gruppe war, am Samstag war dann der Nayland Abschlussball und am Sonntag haben wir uns alle bei dem Farewell von Study Nelson getroffen.

Also fang ich mal von vorne an: Letzten Mittwoch sind wir zu dem Kahurangi National Park gefahren, um dort auf dem Mount Arthur zu wandern. Nach 3 Stunden, in denen wir wirklich an unsere Grenze gekommen sind, sind wir endlich an unserer "hut" angekommen. Wir mussten unsere Klamotten und unser Essen für die nächsten Tage selber in großen Rucksäcken tragen, was den Weg hinauf nicht gerade erleichtert hat! Als wir dann abends angekommen sind, haben wir alle unsere kleinen Kocher ausgepackt und uns selber Abendessen gemacht. In unserer Hütte hatten wir keine Elektrizität oder warmes Wasser, aber es hat trotzdem richtig Spaß gemacht, weil wir dann zusammen gesessen sind und uns noch besser kennengelernt haben. Nachts haben wir dann noch einen Nachtspaziergang zu einem kleinen See gemacht und konnten den Sternenhimmel bewundern. Ich hab noch nie so einen schönen Nachthimmel gesehen - jede Minute gab es Sternschnuppen! Wir haben dann draußen in unseren Schlafsäcken übernachtet. Von der eisigen Kälte und dem gänsehautkriegenden Schnarchen meiner Freundin mal abgesehen, hat es echt Spaß gemacht und ich habe sogar ein paar Stunden Schlaf abbekommen.


Outdoor Education


Am nächsten Tag sind wir dann hochmotiviert in den Morgen gewandert. Die Landschaft war himmlisch, dort irgendwo in der Nähe hat man sogar "Der Herr der Ringe" gedreht. Ich bin froh, dass wir Karte und Kompass dabei hatten, sonst hätten wir den Weg durch Büsche und Sträucher nicht gefunden. Manche von uns haben sogar zum ersten Mal Schnee gesehen! Nach einer halben Ewigkeit sind wir endlich an unserem Ziel angekommen, aber die Aussicht war die Anstrengung allemal wert :) Nachdem wir ungefähr eine Stunde Pause gemacht haben, machten wir uns dann wieder auf den Heimweg; und weil wir alle keine Lust mehr auf Wandern hatten, sind wir einfach den meisten Weg auf dem Schnee und den ganzen Sträuchern hinuntergerutscht. Wenn man Pech hatte, ist man in Bächen oder Pfützen gelandet, was aber eigentlich durch die Outdoor-Kleidung ziemlich schnell wieder getrocknet ist.


An diesem Abend haben sich alle (bis auf ein paar wenige) in die „hut“ vedrückt zum Schlafen, weil wir wahrscheinlich doch nicht so Naturtypen sind, wie wir vielleicht aussehen. Insgesamt hat es richtig Spaß gemacht, auch wenn ich auf Wandern normalerweise echt nicht stehe. Wir hatten auf jeden Fall unglaublich viel Glück mit dem Wetter, was man zu den anderen Camps der letzten Jahre leider nicht behaupten konnte!


Abschlussball Neuseeland

 

Nachdem ich dann wieder richtig sauber und ausgeschlafen war, mussten wir uns schon für den Nayland Ball fertig machen. Die Gastmutter meiner Freundin ist gelernte Stylistin und hat sich um unsere Haare und um unser Make-up gekümmert. Insgesamt haben wir, glaube ich, 4 Stunden gebraucht. Wir wurden dann erst mal mit rotem Teppich und allem begrüßt und ich war von Anfang an richtig begeistert von dem Ball. Es gab eine Band, einen Fotoautomat (das war so einer, der normalerweise auch in Bahnhöfen rumsteht), und die Dekoration war super!


An diesem Abend bin ich ungefähr um halb drei Uhr ins Bett gegangen und wir mussten am nächsten Tag für den Farewell von Study Nelson wieder fit sein. Fast alle Study Nelson-Schüler aus Nelson, Blenheim und Golden Bay sind gekommen und haben teilweise auch ihre Gastfamilien mitgebracht.


Bowling Neuseeland


Zuerst haben wir alle zusammen gegeneinander gebowlt und danach gab es eine kleine Abschiedsfeier, weil ziemlich viele nach diesem Term gehen, einschließlich mir :( Es war ziemlich traurig, weil ich wahrscheinlich die Hälfte davon nicht so schnell wieder sehen werde. Ich habe mich jetzt hier schon so eingelebt, am liebsten würde ich noch gar nicht nach Deutschland zurück gehen. Aber ich habe ja zum Glück noch eineinhalb Monate übrig!

 

Goodbye, New Zealand!
Die letzten Monate und Wochen sind wie im Flug vergangen. Ich habe jetzt nur noch wenige Tage bis es "Goodbye, New Zealand! " heißt und ich mit dem Flieger auf dem schnellsten Weg zurück nach Deutschland gehe. Zurück in mein kleines Dorf, in meine Schule, zu meinen Freunden, zurück in mein altes Leben. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie unglaublich schwer das ist! Ich meine, natürlich freue ich mich auf meine Familie und meine Freunde, aber die Tatsache, alles, was man sich in einem halben Jahr aufgebaut hat, zurückzulassen, ist unvorstellbar!


Rückflug Neuseeland


Als ich am Anfang alle Blogbeiträge auf dieser Seite gelesen habe, und jeder geschrieben hat, dass es so toll in Neuseeland ist und dass das die beste Entscheidung gewesen wäre hierher zu kommen, usw. da habe ich das nicht wirklich glauben können und manchmal hatte ich so Angst davor, einfach alle in Deutschland zurückzulassen und ganz allein ans andere Ende der Welt zu gehen. Ja, es gab sogar einen Punkt, da habe ich fast bereut mich hier angemeldet zu haben, das war der Tag, an dem ich gegangen bin. Aber jetzt bin ich so unglaublich froh, dass ich mich getraut habe, denn sonst hätte ich niemals so unbeschreibliche Erfahrungen gemacht, so viele wundervolle Freunde getroffen und mich so stark verändert! Ich würde diese Entscheidung jetzt jeden Tag wieder treffen und wenn ich die Chance habe, nochmal ins Ausland zu gehen, dann denke ich gar nicht darüber nach und mache es einfach, denn die Entscheidung nach Neuseeland zu gehen, war tatsächlich das Beste, was ich machen konnte! Und darum möchte ich meinen Schwestern, meinen Freunden und vor allem meinen Eltern danken, dass sie mich in dieser Entscheidung unterstützt haben und in diesen 6 Monaten immer für mich da gewesen sind!


Außerdem danke ich Study Nelson und der Kultur- und Sozialstiftung Annerose und Otmar M. Weigele für das Stipendium, das mir ermöglicht hat 2 Terms in Neuseeland zu bleiben.
Also, I would like to give a big THANK YOU to Mr. Millar, because he was always there for us and listened to our (sometimes weird) problems. Without you our time here wouldn't have been half that good!
Ich hoffe, dass diejenigen von euch, die sich ebenfalls überlegen nach Neuseeland zu kommen, die gleiche Entscheidung treffen und euch auf ein kleines "Abenteuer" 18384.67km weit weg von Zuhause einlassen! In diesen sechs Monaten habe ich keine Sekunde bereut, hierhergekommen zu sein und ich hatte auch nie Heimweh, weil ich einfach keine Zeit dazu hatte! Ich habe von Anfang an Freunde gefunden, denen es genauso ging wie mir und wir konnten unsere Erfahrungen zusammen machen.


internationals New Zealand


Wir hatten auch schon das Abschieds-Farewell mit der Schule, da hat jeder International etwas vorführen müssen; wir haben zum Beispiel einen Haka gesehen! Die Stimmung dort war nicht wie erwartet emotional oder bedrückend, nein, es war ein total schöner Abend, weil wir einfach alle für diese paar Stunden vergessen haben, dass wir uns schon so bald nicht mehr wieder sehen werden. Den letzten Schultag werde ich auch nie vergessen. Es war richtig schön zusehen, dass man so viele Neuseeländer kennen gelernt hat und dass sie wirklich traurig sind, dass man gegangen ist! Ich werde die Lehrer dort auch unglaublich vermissen :D In der letzten Schulstunde ist der Unterricht dann ausgefallen, weil die Schule verschiedene Aktivitäten angeboten hat. Das Lustigste war der "mud-run", da sind sämtliche Schüler mit kurzen Hosen (im Winter!) durch den Matsch gerannt um Punkte für ihre Häuser zu sammeln.


In den nächsten paar Tagen verlassen viele von meinen Freunden Neuseeland und darum ist das jetzt gerade die traurigste Zeit von meinem Aufenthalt. Trotzdem versuchen wir das Beste aus jedem Tag zu machen und genießen einfach noch die Tage, die uns bleiben...


Schüleraustausch Neuseeland

 

Wieder zurück in Deutschland
Mittlerweile bin ich schon wieder einige Wochen daheim bei meiner Familie. Der Rückflug verlief diesmal ohne Probleme. Meine Freundinnen haben bei mir zuhause mit einer Überraschung auf mich gewartet und es war total schön sie alle wiederzusehen.

Es ist erstaunlich, wie wenig sich in dem halben Jahr in unserem Dorf verändert hat. Einerseits kommt es mir so vor, als ob ich gar nicht weggewesen wäre, andererseits habe ich das Gefühl, dass ich ewig weg war. Ich glaube, mit dieser Verwirrung hat jeder, der längere Zeit im Ausland war, zu kämpfen.

Ich bin total froh, dass ich noch einige Wochen Sommerferien hatte, so dass ich den verpassten Mathestoff nachholen konnte (wir haben in Neuseeland ganz andere Themen behandelt) und ich nicht unvorbereitet zurück in die deutsche Schule muss. Immerhin beginnt jetzt für mich die Jahrgangsstufe. Das Gute ist, dass ich mich in Englisch jetzt total sicher fühle. Schon nach kurzer Zeit habe ich mich wieder super eingelebt und ich bin richtig froh wieder hier zu sein, obwohl ich Neuseeland und meine Freunde dort ziemlich vermisse.

Insgesamt war meine Zeit in Neuseeland wunderschön und ich hoffe, dass ich nach meinem Abitur wieder dorthin zurückkommen kann.

Ich wünsche allen, die im Moment in Neuseeland sind oder bald dorthin gehen werden, ganz viel Spaß und nutzt jede Chance, die Zeit dort zur schönsten eures bisherigen Lebens zu machen!

Cya Janine