Freitag, 30. September 2016
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Die ersten drei Monate Frankreich

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Antonia D. - Frankreich

Stipendium gestiftet durch:

weltweiser

Schüleraustausch Frankreich

Die ersten drei Monate Frankreich:

Zuersteinmal moechte ich mich vorstellen. Mein Name ist Antonia Dieme, ich bin 16 Jahre alt und komme aus Osnabrueck. Ich lebe gerade fuer fuenf Monate in einer Gastfamilie im schoenen Frankreich. Die ersten drei Monate sind leider schon vorbei, aber es warten ja noch zwei Tolle auf mich.


Meine Gruende fuer einen Auslandsaufenthalt waren, mein Franzoesisch zu verbessern, in einer Gastfamilie und einem anderen Land zu leben. Ich habe mir in meinen Gedanken ausgemalt, wie es wohl sein wird, dort zu sein, aber so richtig funktionierte das nicht. Es blieb ein grosses Unbekanntes, welches unbedingt erkundigt werden wollte.


Der Termin meines Abfluges rueckte also immer naeher, die ganzen Abschiede von Familie und Freunden waren sehr schwer, aber da war auch so ein anderes Gefuehl. Eine riesengrosse Freude und Aufgeregtheit. Ich konnte es nicht erwarten, endlich los zufahren und mein Abenteuer zu starten. Ich glaube, jeder der eine solche Reise antritt, kennt dieses Gefuehl, nicht wirklich realisieren zu koennen, was da eigentlich gerade passiert. Aber gerade dieser Zustand ist so wunderbar.

 

Am 6. September ging es endlich los...
Mein Flug ging von Muenster, mit einem Zwischenstop in Frankfurt, nach Paris.  

 

SChüleraustausch Frankreich

Paris, Je t’aime ! (Paris, ich liebe dich !)


In Paris bekamen wir  letzte Tipps von den Betreuern meiner Organisation (AFS interkulturelle Begegnungen e.V. )  , mit wem wir bei Problemen sprechen koennen oder wie wir uns in bestimmten Situationen verhalten sollen. Und dann ging es endlich los zu unseren Gastfamilien.


Mit dem Zug fuhren wir nach Brive la Gaillarde. Wir sind eine Oesterreicherin, eine Chinesin, eine Thailaenderin, eine Slovakin, eine Amerikanerin – San Francisco, eine Italienerin, ein Junge der auf den Färöer-Inseln wohnt und ich - die Deutsche. Unsere Gastfamilien wohnen im Departement Corrèze, also ist das Komitee AFS von Corrèze fuer uns zustaendig und wir fuhren gemeinsam in unsere neue Heimat.
Nach ca. 5 Stunden Fahrt  warteten bereits unsere Gastfamilien am Bahnhof von Brive auf uns.


Wir stiegen aus dem Zug, vollgepackt mit dem Gepaeck fuer ein neues Leben in Frankreich. Ploetzlich wimmelte es ueberall von aufgeregten Franzosen. Diese begruessten  uns herzlich mit den Bises (Bisous- deutsch Kuss), der eigentlich nur eine Beruehrung der Wangen und ein Schmatzkussgeraeusch in die Luft ist. Er wird immer ausgetauscht, wenn man sich trifft. Einer links, einer rechts. Es ist uberall anders, mal erst links und mal zuerst rechts.

 

Ich habe einen Gastvater ; Christophe,  eine Gastmutter ; Nadine und zwei Schwestern ;Jessica und Jennifer. Jennifer wohnt in Toulouse, deshalb sehe ich sie nur selten. Sofort habe ich mich super mit meiner Familie verstanden, obwohl ich kein einziges franzoesisches Wort verstand. Ja, meine Fanzoesischkentnisse aus der Schule haben mir in diesem Moment nicht viel geholfen und meine Gastfamilie spricht kein Deutsch.

 

Gastfamilie Frankreich

Meine Gastfamilie, Jessica, Nadine, ich und Christophe. (von links nach rechts)

 

Es ging alles ganz schnell. Das Gepaeck wurde in die Autos gepackt, und es ging los zu unseren neuen Familien. Mit dem Auto fuhren wir einmal komplett durch die Stadt. Brive ist eine kleine Stadt mit 50.000 Einwohnern. Ich schaute aus dem Auto und war einfach nur beeindruckt: eine wunderschoene Stadt und fuer die naechsten fuenf Monate mein Zuhause. Pures Glueck!

 

Bibliothek Frankreich Paris

Die grosse Bibliothek von Brive la Gaillarde

 

Am Haus angekommen, wurde dieses praesentiert. Danach bereitete meine Gastmutter ein super leckeres Essen. Der Tag ging schnell vorbei und ich war muede von der langen Reise und den vielen neuen Eindruecken. Das Gepaeck habe ich erst am zweiten Tag ausgeraeumt.

 

Die Schule beginnt...
Die ersten Tage konnte ich noch zuhause bleiben, aber dann hiess es auch fuer mich , ab in die Schule. Kurz zur Erklaerung:  ich besuche ein franzoesisches Lycée, welches dem deutschen Gymnasium entspricht. Ich war so aufgeregt, wie werden meine neuen Mitschueler sein und vor allem wie klappt es mit der Verstaendigung? Alles Fragen,  die sich bald darauf beantwortet haben. Am Morgen des ersten Schultages trafen sich alle Austauschschueler vor der Schule. Danach  wählten wir zusammen mit dem Direktor der Schule unsere Klassen aus.


Meine Klasse besteht aus 35 Schuelern, was fuer mich, die 25 Schueler gewoehnt ist,  dann doch ein Unterschied ist. Ich wurde sehr freundlich in der Klasse aufgenommen, obwohl ich nur ein paar Brocken Franzoesisch konnte und so ziemlich nichts verstand.

 

Klassenraum Frankreich

Mein Klassenraum.


Die Franzosen sind im ein sehr freundliches und offnenes Volk und es fanden sich bald die ersten Freunde. Der Schultag hier ist sehr lang.  Er beginnt am laengsten Tag um 08.00 Uhr und endet am Abend um 18.00uhr.  Dazwischen gibt es natuerlich laengere Pausen, aber ich verbringe so den ganzen Tag in der Schule und habe nach der Schule kaum noch Zeit etwas zu machen. Die Schueler in Frankreich sind natuerlich auch nicht gluecklich, aber ein unterrichtsfreier Nachmittag macht es ein wenig besser.

 

Freunde Frankreich

Zusammen mit meiner Freundin aus Brasilien in Brive la Gaillarde.


In den ersten Wochen im Unterricht versuchte ich einfach nur  nicht einzuschlafen, da ich leider ueberhaupt kein Wort verstand und immer sehr muede war. Das war auch eines der Dinge,  die ich nicht erwartet haette, am Anfang war ich wirklich oft einfach  nur muede. Was aber normal ist, da man sich an den neuen Rythmus und den neuen Alltag gewoehnen muss. Wenn es zu einer der grossen Pause klingelt stuermen alle Schueler auf die Kantine zu. Dort entsteht ein riesen Haufen aus plappernden, lachenenden Franzosen die alle auf den Eingang zudraengen. Ich bezahle mein Essen hier nicht wie in Deutschland mit einer Karte, sondern mit meiner Hand. Zuerst wird ein Code eingegeben und dann legt man seine Hand auf eine Platte, dort wird sie gescannt und man kann passieren.

 

Das franzoesische Essen...
Wenn ich Schule habe, esse ich zum Fruehstueck (Petit Déjeuner-kleines Fruehstueck) einfach Muesli. Mein Mittagessen (Déjeuner) esse ich in der Schule. Es gibt eine grosse Auswahl an Salat, Joghurt, Kaese, einem Hauptgericht und natuerlich dem Baguette. Das mag jetzt alles ganz toll klingen, ist es aber nicht. Es ist Schulessen und man merkt,  dass fuer sehr viele Personen gekocht wird. Dafuer ist das Essen zuhause um so besser ! Zum Abend wird gross gegessen, es gibt immer eine leckere Suppe mit Baguette als ersten ‘Gang’ (Entrée) und danach wird alles durcheinander gegessen.

 

Schüleraustausch Frankreich

Der Entrée in Form eines Salates.

 

Salat, Nudeln, Fleisch, Baguette…und manchmal macht meine Gastmutter ihre Quiche und die ist wirklich weltklasse. Zum Nachtisch gibt es dann noch einen kleinen Joghurt. Und falls ihr euch jetzt fragt, ob ich zugenommen habe, ja habe ich. Wie viel bleibt mein Geheimniss ;)

 

Und nun zum Appéritif, der aus Knabberzeug (Chips etc.), fuer die Erwachsenen alkoholische Getraenke und fuer die Jugendlichen Cola, Saft oder Wasser besteht. Er wird serviert,  wenn jemand zu Besuch kommt oder einfach nur kurz “Salut” (deutsch-Hallo) sagt. Dabei wird wie wild diskutiert und gelacht. Die Franzosen haben die Gabe alle auf einmal zu reden und sich trotzdem noch gegenseitig zu verstehen. Er wird ueberings fast immer im Stehen eingenommen.

 

High SChool Frankreich

Bildunterschrift: Ein Tisch vollgestellt mit dem Appéritif. 


Am Wochenende, wenn Freunde zu Besuch sind, dauert das Essen schon mal mehrere Stunden. Es beginnt mit dem Appéritif. Darauf folgt eine Pause,  in der natuerlich viel gesprochen wird. Nach ca. einer Stunde wird der Salat oder eine Platte mit Meeresfruechten als Vorspeise (Entrée) serviert. Danach wieder eine Pause und dann kommt das Hauptgericht, welches immer wechselt, mal Reis mit Fleisch und ein anderes mal Kartoffeln und Fleisch.

 

Essen Frankreich

Der Hauptgang, Fleisch mit Kartoffelbrei und Auberginen. 

 

Ist dieses beendet, kommt wieder eine Pause. Und dann endlich der Kaese, den ich persoenlich am besten finde. J Dort werden auf einer Platte verschiedene Arten von Kaesesorten serviert, die zusammen mit Brot oder Baguette gegessen werden. Bis es dann zum Desert, einem Kuchen oder eine andere Leckerei kommt,  ist schon laengst nach 24.00uhr.  

 

Käse Frankreich Nachtisch Frankreich

Der beruehmte franzoesische Kaese. / Das Desert, eine Vanillekugel mit Schokolade und Sahne.


Wie man sich jetzt vielleicht denken kann,  ist in Frankreich das Essen ein wichtiger Prozess. Die franzoesische Kueche ist sehr bruehmt und lecker!

 

Der Rugby...
Ein weiteres grosses Thema in meiner Gastfamilie und meiner Stadt (Brive la Gaillarde) ist der Rugby. Ich kannte diesen Sport vorher nur vom hoeren und ich muss sagen,  er hat mich ueberrascht. Ich habe dieses Spiel immer noch nicht ganz verstanden, aber es fasziniert mich unheimlich. Die ganzen Regeln zu erklaeren wuerde jetzt zu lange dauern, aber ich moechte einen kleinen Einblick geben. Rugby ist ein sehr fairer Sport und nicht so gefaehrlich, wie man denkt. Es gibt zwei Teams, jeweils 15 Spieler, die gegeneinander Spielen. Ziel ist es,  den eierfoermigen Ball hinter die Linie des Gegnerteams zubringen, dabei rennen die Sportler mit voller Wucht aufeinander zu. Das Gegnerteam versucht das andere Team aufzuhalten und schmeisst sich gegen den Spieler, um diesen zu stoppen und den Ball zu bekommen. Die Linien befinden sich natuerlich auf entgegengesetzten Seiten des Spielfeldes.  

 

 

Rugby Frankreich

 

Rugby!


Ich hatte das Glueck ein Spiel zu besuchen und dabei das Team von Brive zu sehen, welches zu den besten Frankreichs gehoert. Wir, mein Gastvater, meine Gastschwester und ich standen direkt am Spielfeldrand. Ein  Rugbyspieler macht schon Eindruck, da diese einen ziemlich maechtigen Koerper haben. Es war unglaublich, dass kann ich euch sagen.

 

Zwei Tage Toulouse.
Heute ist Montag und ein wunderbares Wochenende liegt hinter mir, ich habe zusammen mit meiner Gastfamilie Toulouse besucht. Diese Stadt ist magisch. Am Samstag Mittag sind wir hier in Brive aufgebrochen, so dass wir am Nachmittag dort ankamen. Es hat uns aber nicht nur , um die Stadt zu besichtigen,  nach Toulouse gezogen, sondern eine gute Freundin der Familie hatte Geburtstag. Den haben wir allle gemeinsam mit einem, wie sollte es auch anders sein, Essen gefeiert. Es wurde bis tief in die Nacht geredet und gelacht.


Am naechsten Morgen war es dann soweit, wir sind los gegangen,  um die Stadt anzuschauen. Ich konnte am Tag zuvor ja schon ein bisschen sehen, aber da es dunkel war , wirkte alles natuerlich ganz anders. Ich bin gemeinsam mit meinen Gasteltern durch die Stadt gezogen und obwohl ein kalter Wind wehte , waren recht viele Menschen auf den Strassen unterwegs. Es wurde sogar Musik gespielt, an der einen Ecke stand ein Mann und machte  mit einem geigenartigen Instrument Musik,  an einer anderen eine Frau,  die sang.


Die Stadt hat so wunderschoene Gebaeude. Alles in Beigebraun und Rottoenen, mit vielen wunderschoenen Pflanzen. An manchen Stellen ist es schon ein wenig weihnachtlich geschmueckt und die Leute begannen langsam den Weihnachtsmarkt aufzubauen. Die Garonne, ein grosser Fluss, schlaengelt sich durch die Stadt und viele junge Menschen sind unterwegs.  

 

Ausflug Frankreich

Ich in Toulouse. La plus belle ville du monde! ( Die schoenste Stadt der Welt !)

 

Die Stadt lebt, selbst an einem Sonntagmorgen mit kalten Wind. Da ich am naechsten Tag Schule hatte, mussten wir leider schon am Nachmittag nach Hause aufbrechen. Ich konnte aber nocheinmal einen wunderbaren Blick auf die Stadt erhaschen. Toulouse liegt in einer Kuhle, deshalb kann man von weitem auf ein Meer von Lichtern schauen die sich unglaublich weit ziehen. Es ist bezaubernd.

 

Damit moechte ich meinen Bericht abschliessen und hoffe das ihr vielleicht auch ein bisschen Lust bekommen habt ins Ausland zu gehen. Ich kann euch sagen, es lohnt sich!
Und ich moechte mich bei allen Leuten bedanken, die dieses Abenteuer moeglich machen. DANKE!

 

Falls ihr noch Fragen habt,  meldet euch gern bei mir.
E-mail: antoniadieme@web.de oder auf Facebook: Antonia Elsa.

Meine Organisation: http://www.afs.de/

 

(Alle Erfahrungen, die ich geschildert habe, habe ich gemacht und sind meine Meinung. In einem anderen Teil Frankreichs kann es ganz anders sein!!)