Montag, 5. Dezember 2016
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Schüleraustausch Costa Rica -
Schildkrötenprojekt, Naturparks, Weihnachten

 

Zweiter Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Lydia S.
Stipendium gestiftet durch:
CAS

 

Schüleraustausch Costa Rica

 

"Für eine Zeit allein ins Ausland zu gehen, ist wie ein Sprung, ohne genau zu wissen wo man landet. Und genau das ist das Abenteuer, die unschätzbare Erfahrung." (Autor:unbekannt) Seit meinem letzten Erfahrungsbericht ist viel Zeit vergangen und ich habe viel erlebt und neues entdeckt! Nun ist schon die Hälfte meines Austauschjahres um, und ich kann mit Stolz sagen, dass ich es geschafft habe, mir am anderen Ende der Welt eine neue, zweite Heimat zu schaffen. Für dieses Jahr habe ich den Schnee gegen Sonne eingetauscht. Meine großen Sommerferien haben für mich bereits Ende November begonnen und werden erst im Februar enden.

 

Sonnenuntergang Costa Rica

 

Die ersten beiden Wochen meiner Ferien habe ich Freiwilligenarbeit in einem Schildkrötenprojekt geleistet. Unsere Anreise, wofür wir um 3 Uhr morgens aufgestanden sind, gestaltete sich schon ziemlich abenteuerlich. Nach insgesamt über 5 Stunden Busreise und einer kurzen Taxifahrt standen wir mit unserem ganzen Gepäck an einem einsamen Fluss, welcher nach wenigen Metern ins Meer mündete. Einer unser zukünftigen Staffs setzte uns nach und nach einzeln mit einem Kanu über. In dem Camp leben meistens nur 10 - 20 Leute, bestehend aus Freiwilligen und Staffs. Als wir nun endlich verschwitzt und geschafft vom zeitigen Aufstehen ankamen, waren wir erst einmal von der Abgeschiedenheit des Camps von der Zivilisation überrascht. Es gab keinen Strom. Der größte Luxus, den wir im Camp hatten, war fließendes Trinkwasser, welches mühsam dorthin gepumpt wurde. Es war aber eine kleine Solarfläche vorhanden, welche uns etwas Strom bei starker Sonneneinstrahlung gab. So konnten 13 Personen mit einer Steckdose Fotoapparate, Taschenlampen für die Nacht und Handys aufladen.

 

Freiwilligenprojekt Costa Rica

 

Als wir ankamen, wurden uns zunächst die Regeln, die Arbeitsweisen und der Tagesablauf erklärt. Aufgestanden wurde immer um 5:30 Uhr. Nach einem kurzen Kaffee waren wir immer von 6 Uhr bis 8 Uhr arbeiten. Entweder säuberten und erweiterten wir den Pfad, schleppten Sandsäcke, um die Schildkrötennester bakterienfrei zu erweitern oder gruben die alten Schildkröteneier aus. Anschließend gab es Frühstück, meistens Gallo Pinto. Anschließend hatten wir eine Hatchery - Schicht, welche meistens 2 Stunden dauerte. Die Hatchery ist ein kleines umzäuntes Areal, welches schachbrettartige Sandfelder beinhaltet. In jedem Feld sind Schildkröteneier, die von den Mitarbeitern und Freiwilligen des Camps vergraben wurden. In der Nacht laufen meistens 2 oder 3 Personen zu unterschiedlichen Zeiten den Strand ab und halten nach "frischen" Schildkrötennestern oder eierablegenden Schildkröten Ausschau. Die Schildkröten werden dann markiert und die Eier den Nestern am Strand entnommen. Dann werden sie in der Hatchery eingegraben und ein Cage wird drüber gesetzt. Nach etwa 50 Tagen schlüpfen dann die Schildkröten. Ein Schildkröten Nest beinhaltet meistens 80 - 105 Eier. Während der Hatchery-Schicht ist es unsere Aufgabe, alle 15 Minuten in die Hatchery zu laufen und zu kontrollieren, ob einige Schildkröten geschlüpft sind. Meistens schlüpften die Schildkröten, wie es natürlicherweise normal ist, in der Nacht. Waren die Schildkröten geschlüpft, entnahmen wir diese und setzten sie in größere Behälter und vermaßen und wogen die ersten 10 Schildkröten eines geschlüpften Nestes.

 

Landschaft Costa Rica

 

Nach dem wir alles sorgfältig dokumentiert hatten, entließen wir die frisch geschlüpften Schildkröten in das Meer. Diese bahnten sich ihren Weg in ihre Freiheit. Die erste Woche arbeiten wir noch jeweils eine Stunde schaufelten gemeinsam einen riesigen Sandhaufen weg, um die Hatchery zu erweitern. Abendessen gab es jeweils um 17:00 Uhr. Anschließend machten wir uns auch schon bettfertig, da für uns täglich auch eine Nachtschicht von 2 - 3 Stunden anstand. An Tafeln im Camp wurden täglich von den Staffs neu die Schichtzeiten angeschrieben. In der Nacht weckten wir jeweils unsere Schichtnächsten, damit nicht alle durch einen Wecker wach werden. In der Nachtschicht saßen wir dann mit einer uns lichtspendenden Kerze am Tisch und überwachten die Hatchery. Die Nachtschichten waren mit am aufregendsten, da viele Schildkröten schlüpften, aber auch am kräftezehrendsten. Denn durch die Nachtschichten konnten wir in den zwei Wochen nicht einmal durchschlafen. In den letzten Tagen wurden wir noch mit einem Highlight belohnt. Während einer Nachtpatrouille fand einer unserer Staffs eine Leatherbag turtle (Lederschildkröte). Die Leatherbag turtle ist die größte lebende Schildkröte. Sie kann eine Panzerlänge von über 1,50 Metern erreichen und hat ein Gewicht von bis zu 800 kg. Insgesamt hat die Freiwilligenarbeit sehr viel Spaß gemacht und war sehr aufschlussreich!

 

Nach dem Schildkrötenprojekt stand dann auch schon mein Geburtstag an. Die Nacht zuvor hatte ich bei einer meiner besten Freundinnen, einer anderen Austauschschülerin, übernachtet. Am Morgen meines Geburtstages überraschte mich ihre Gastfamilie mit einer großen Sahnetorte. Für Costa Rica traditionell wurde ich mit dem Gesicht in die Torte getaucht. Mittag bin ich dann zu meiner Familie gefahren. Meine Schwester hat mich vom Bus mit vielen Luftballons abgeholt. Zuhause angekommen, wurde ich von einem riesigen Fest in unserem Garten überrascht. Der ganze Garten war mit Luftschlangen und Luftballons ausgeschmückt sowie einer Musikanlage ausgestattet. Nach einem Mittag, mit typischen Gerichten aus Costa Rica, mit meinen Tanten, Onkels, Cousinen und Cousins, Großeltern, meinen besten Freunden… gab es nachtmittags eine riesige Torte mit einem kleinen Feuerwerk. Von meiner besten Freundin wurde ich auch ebenfalls in diese Torte eingetaucht. Nach einem schönen Nachmittag war ich abends mit meiner Schwester und meiner Tante sowie meinem Onkel noch sehr schön essen. Es war ein sehr schöner Geburtstag und anders als sonst, da ich dieses Mal meinen Geburtstag draußen mit angenehmen sommerlichen Temperaturen feiern konnte.

 

Geburtstag Costa Rica

 

Eine Woche später war dann auch schon das Weihnachtsfest. Mit meinen Geschwistern und Eltern fuhren wir früh an den Strand mit einem Zwischenstopp an einem kleinen botanischen Garten, wo wir uns ein sehr leckeres Mittagessen schmecken ließen. Anschließend verbrachten wir einige Stunden am Strand, genossen den Sonnenuntergang … Abends waren wir noch für 2 Stunden in der Kirche. Es wurde gesungen, gebetet und ein Krippenspiel aufgeführt. Aber, wenn ich ehrlich bin, kam bei mir nicht so richtige Weihnachtsstimmung auf, da ich den halben Dezember bei 28 Grad am Strand verbracht hatte. Auch fehlte mir die typisch deutsche Weihnachtsgans und die eisigen Temperaturen. Etwas heimatliches Gefühl erzeugte der Christstollen, der uns von unserer Organisation CAS bei der gemeinsamen Weihnachtsfeier mit allen Austauschschülern, geschenkt wurde. Des Weiteren hatte ich auch viel Spaß beim Plätzchen backen mit meinen Geschwistern.

 

Ausflug Costa Rica

 

Am ersten Weihnachtsfeiertag trafen wir uns alle im Haus meiner Tante und bereiteten ein großes Geburtstagsfest für meinen Großvater vor. In den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester probierte ich einen Tag auch das Kaffee pflücken auf einer der Kaffeeplantagen meiner Großeltern aus. Für mich war es eine sehr interessante, aber auch anstrengende Erfahrung. Ich konnte sehr viel über die Kaffeepflanze sowie die Ernte und die spätere Verarbeitung des Kaffees erfahren.

 

Ochsenkarren Costa Rica

 

Des Weiteren lernte ich auch besser meine Umgebung kennen und besuchte mit meiner Tante eine traditionelle Fabrik, in welcher die typisch, von Hand buntbemalten Ochsenkarren hergestellt werden. Diese stellen heute ein typisches Symbol für Costa Rica dar. Früher dienten diese ausschließlich zum Transsport der Kaffeebohnen. Zur Blütezeit des früheren Kaffeehandels waren damals bis zu 10000 dieser Karren unterwegs.

 

Kaffee Costa Rica Kaffebohnen Anbau

 

Silvester machten wir im Rahmen der Familie ein großes Barbecue. Frühs bereiteten wir alle zusammen das Buffet und die Musikanlage vor, sodass es eine wunderschöne große Feier im Rahmen der Familie wurde. Um Mitternacht gingen wir zu einem großen zentralen Platz, wo alle Bewohner ein großes professionelles Feuerwerk erwartete. Anschließend spielte eine Live-Band und alle auf dem Platz ließen sich von der Musik mitreißen und fingen an zu tanzen. Es war eine sehr schöne Neujahrsnacht. Gleich im neuen Jahr machten wir einen Familienausflug nach Uvita, einem kleinen Dorf mit einem etwa 3 Kilometer langen, wunderschönen, weißen Sandstrand. Der Strand weist bei Ebbe die Form einer Walflosse auf. Dieser gehört zum Marino Ballena Nationalpark, welcher nach den Buckelwalen benannt wurde, welche sich im Winter und Frühjahr dort zum paaren einfinden.

 

Krokodile Costa Rica Blumen Costa Rica

 

Am ersten Tag unseres Ausfluges waren wir schnorcheln und machten eine sehr interessante Delphintour. Den nächsten Tag nutzen wir nochmals zum ausführlichen Schnorcheln. Auch mit unserer Organisation CAS machten alle Austauschschüler alle gemeinsam schon einmal einen Ausflug nach Uvita im November. Auf der Fahrt kamen wir an einem Fluss vorbei, in welchem Krokodile lebten. Wir wohnten in dem gemütlichen Tucanhotel und entspannten uns an wunderschönen Stränden oder machten kleine Ausflüge zu den sich in der Nähe befindenden Wasserfall. Dort badeten wir in dem erfrischend kühlen Wasser, welches zur Abwechslung mal Süßwasser war und schauten den Ticos zu wie sie den Wasserfall runterrutschten und runtersprangen. Des Weiteren machten wir auch einen Familienausflug zum Vulkan Poas. Wir endeckten gemeinsam den Nationalpark sowie die wunderschöne blaue Lagune und den Krater des Vulkans. Der Vulkan ist etwa 2708 Meter hoch. An diesem Tag hatten wir sehr viel Glück, denn wir hatten freie Sicht auf die blaue Lagune sowie den Vulkankrater, welcher sonst häufig unter Wolken liegt.

 

Wasserfall Costa Rica Vulkan Costa Rica

 

"Die wirkliche Konsistenz von gelebtem Leben kann kein Schriftsteller wiedergeben." (E. L. Doctorow). Dennoch hoffe ich, dass ich euch durch meinen Bericht meine Erlebnisse etwas näher bringen konnte. Ende Juni geht es für mich nach Deutschland zurück. Bis dahin freue ich mich auf eine wunderschöne weitere Zeit in Costa Rica, in dem Land in dem ich mich von der Fröhlichkeit und dem Lachen der Menschen sehr gern anstecken lasse!

 

Eichhörnchen Costa Rica Vulkankrater Costa Rica