Dienstag, 24. Mai 2016
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Das Abenteuer England geht weiter

 

Zweiter Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Christine U.
Stipendium gestiftet durch:
GLS



Schüleraustausch England



So, inzwischen bin ich schon über drei Monate hier in England und ich muss sagen, es gefällt mir immer noch.


Jeden Tag gibt es viel zu tun und die Lehrer geben auch viele Hausaufgaben auf, weil die Schulen hier sehr unter Druck gesetzt werden, dass die Schüler gute Noten schreiben und darum müssen wir das im Unterricht gelernte jedes Mal in den Hausaufgaben umsetzen.

 

In Business Studies zum Beispiel üben wir ganz oft alte Klausuren im Unterricht und bekommen die auch als Hausaufgabe auf. In England gibt es nicht das gleiche System mit Klassenarbeit beziehungsweise Klausuren über längere Zeiträume vor den Herbstferien bzw. vor den Weihnachtsferien wie in Deutschland. Hier werden nur selten „Tests“ geschrieben, die auf die „Probeklausuren“ im Januar vorbereiten sollen und die einzigen richtigen „Klausuren“ werden am Ende des Schuljahres von Mai bis Juni geschrieben, so ähnlich wie das Abitur in Deutschland.

 

Meine Mitschüler tun mir in Französisch immer leid, weil sie erst dieses Jahr angefangen haben, richtig die Grammatikstrukturen zu lernen. Das englische Bildungssystem sollte den Sprachenunterricht lieber anpassen. Man kann doch nicht innerhalb eines Jahres die gesamte Grammatik lernen! Was haben die denn vorher gemacht?

 

Jetzt zur Weihnachtszeit hat die Sixth Form (die Oberstufe) eine „Panto“ Aufführung gemacht. „Panto“ steht für „Pantomime“, aber es ist eigentlich eine ganz normale Schultheater Aufführung. Jedes Jahr wird sich ein traditionelles Märchen herausgesucht und darum wird dann eine neue Geschichte aufgebaut mit vielen lustigen Tanzeinlagen und vielen Charakteren aus anderen Geschichten und Filmen. Dieses Jahr wurde Aladdin abgeändert und „A-ladd-in-a-lamp“ aufgeführt. Aladdin und Jasmine waren auf der Suche nach dem Genie, der ihnen noch einen Wunsch schuldete und auf ihrem Weg haben sie unter anderem Willy Wonka und den verrückten Hutmacher getroffen. Dumbledor und James Bond wurden von den Lehrern gespielt.

 

Einen Tag später war das Weihnachtskonzert, bei dem wir mit unserer Young Enterprise AG auch einen Verkaufsstand für Weihnachtsdekoration hatten. Die Schule ist inzwischen so schön geschmückt mit Lichterketten und (unechten) Weihnachtsbäumen. In England werden generell seltener echte Weihnachtsbäume gekauft, weil die hier entweder super teuer sind (ja, noch teurer als in Deutschland) oder sofort alle Nadeln verlieren. Außerdem wird hier wie in Amerika Weihnachten erst richtig am Morgen des 25. Dezembers gefeiert und am 25.12 (Christmas Day) wird auch der traditionelle Truthahn gegessen. Wer Mr Bean kennt, wird wissen, wovon ich rede.

 

Christmas DAy

 

Da hier der Nikolaustag generell nicht gefeiert wird, habe ich für meine Gastfamilie und für meine Freunde selbst Stutenkerle gebacken. Leider gibt es hier in der Regel keinen Quark zu kaufen, weshalb ich französischen Frischkäse genommen habe. Sie sind sehr gut geworden und die Enkel meiner Gasteltern haben sich auch sehr über die Leckerei gefreut.

 

Wenn man in die Innenstädte geht, sind die Straßen wirklich schön geschmückt, aber einen schönen Weihnachtsmarkt sucht man vergeblich. In London gibt es zwar das sogenannte „Winter Wonderland“ und dort gibt es auch Bratwurst und Lebkuchenherzen zu kaufen, aber zu enormen Preisen! Da warte ich lieber, bis ich kurz vor Weihnachten für die Ferien wieder zu Hause in Deutschland bin und esse dort erst Mal einen Bratapfel und trinke Kinderpunsch.


Dafür, dass es keine Weihnachtsmärkte gibt, wird in jeder Stadt das erstmalige Anschalten der Weihnachtsbeleuchtung groß gefeiert und die ganze Stadt versammelt sich zum Feuerwerk in der Innenstadt. Meine Freunde hatten mir nicht gesagt, dass es ein Feuerwerk geben würde und darum war ich richtig überrascht, als plötzlich der Himmel in allen erdenklichen Farben erstrahlte! Ich habe selten so ein schönes Feuerwerk gesehen!

 

Feuerwerk

 

Da ich so nah an Oxford wohne, habe ich mal ein bisschen über die verschiedenen Clubs recherchiert, weil an meiner Schule alle AGs, an denen ich teilnehmen möchte zur selben Zeit stattfinden und ich mich somit auf die Schülerfirma beschränken musste.


Es gibt die Oxford University Japan Society, die jede Woche Sprachunterricht anbietet und es ist wirklich eine gute Erfahrung für mich dort hin zu gehen, weil ich viele Leute aus verschiedenen Ländern kennenlernen kann und am Wochenende auch häufig Ausflüge organisiert werden. So gehen wir zum Beispiel häufig gemeinsam japanisch Essen oder gehen auf Veranstaltungen innerhalb und außerhalb Oxfords und ich habe viele neue Freunde gefunden.


Leider hat die Uni viel länger Weihnachtsferien als wir und darum hatten wir schon am 6.12. unsere letzte Unterrichtsstunde für dieses Jahr. Es muss so angenehm sein, zur Uni zu gehen. Wir Schüler müssen währenddessen für die Mock Exams (Probeklausuren) direkt nach den Weihnachtsferien büffeln.

 

Bevor die Ferien jedoch anfingen, habe ich mit der Oxford University Japan Society und den Mitgliedern, sowie japanischen Austauschschülern noch vieles unternehmen können. So waren wir auf der „Hyper Japan“ Messe in London und haben dort viele japanische Spezialitäten probiert.


Außerdem konnten wir uns an Kalligraphie, also der Schönschrift der japanischen Schriftzeichen in einem Kurs versuchen und sind mehrmals in einem authentischen japanischen Restaurant in Oxford essen gewesen.

 

Weil ich mich sehr gut mit den japanischen Austauschschülern verstehe, habe ich mich auch am Wochenende oft mit ihnen getroffen und ich konnte auch mal die „touristische Seite“ von Oxford sehen.


Wir sind zusammen den traditionellen englischen „Afternoon Tea“ in Englands ältestem Kaffeehaus trinken gegangen. Naja, man müsste eigentlich eher „essen“ sagen, da jeder vier Sandwiches, zwei Scones und dann noch Pralinen aufgetischt bekommt.


Scones sind in England das traditionelle Gebäck zum Tee und werden zusammen mit Clotted Cream und Marmelade gegessen. Ich kann es jedem nur empfehlen, die mal zu probieren! Leider gibt es aber keine Clotted Cream in Deutschland zu kaufen, was aber nur noch ein Grund mehr ist, gleich persönlich nach England zu kommen und die Atmosphäre in einem britischen Café selbst zu erleben, oder nicht? :)

 

Außerdem hatte ich die Möglichkeit, an zwei der traditionellen formellen Dinner der Universität von Oxford teilzunehmen, weil mich einige meiner Freunde zu ihrem Abschied dort hin eingeladen haben. Die Studenten selbst müssen dort ihre Immatrikulationsroben tragen und auch die Gäste sind formell angezogen. In den alten Gemäuern der Universität hat das schon etwas Besonderes, wenn nicht Magisches!


Das Essen auf der Speisekarte war wie erwartet sehr „posh“, es sah also sehr extravagant aus, weil französische Begriffe benutzt wurden und es war auch wirklich lecker, aber ich denke, dass das wichtigste für mich nicht das Essen selbst war, sondern die Erfahrung, an dieser Tradition teilzunehmen.


Wenn man abends also Leute in Oxford in Roben und Abendkleidern sieht, dann kann man schlussfolgern, dass an dem Tag wohl ein formelles Dinner stattgefunden hat. Ich finde es jetzt immer wieder lustig, diese Leute zu sehen, wenn ich durch Oxford gehe, weil ich selbst jetzt weiß, dass die Studenten selbst auch nur normale Menschen sind, aber die Uni trotzdem sehr „posh“ ist.

 

Dinner

 

Natürlich musste ich in der Weihnachtszeit auch nach London fahren, um ein paar Geschenke für meine Familie und Freunde zu besorgen. Ich weiß nicht, ob das wirklich so eine gute Idee war! Die Stadt war voll mit Leuten und meine Freundin und ich sind den ganzen Tag viel durch die Gegend gerannt, sind Treppen runter zur Tube Station und wieder hoch gelaufen, nur um am Abend herauszufinden, dass wir uns so ziemlich immer nur in einer Gegend aufgehalten haben und wir vieles auch einfach zu Fuß hätten erreichen können, anstatt uns in die überfüllten Bahnen zu quetschen (bzw. fast von den Türen zerquetscht zu werden). Daher kann ich allen Leuten, die in der Weihnachtszeit London besuchen wollen, vorher nicht nur einen genauen Plan zu machen, was man machen will und wohin man will (Museumsbesuch und Einkaufen sind definitiv zu viel für einen Tag in der Weihnachtszeit!), sondern auch, wo sich die Geschäfte genau befinden und das auf einer Karte zu markieren, damit man sich unnötige Umwege, die Google einem vorschlägt, sparen kann.


Trotzdem muss ich wirklich ein Lob an Londons Museen aussprechen. Alle sind kostenlos bis auf spezielle Ausstellungen und sie sind so schön! Besonders das National History Museum und die National Gallery! Dort kann man dann auch schöne Souvenirs und Weihnachtskarten für die Familie zu Hause kaufen.

 

Weihnachtskarten sind hier in England extrem wichtig. Meine Gastmutter hat mir erzählt, dass sie früher 80 bis 90 Karten jedes Jahr verschickt hat! Jetzt sind es „nur“ noch um die 30 bis 40 Stück.

 

Lange ist es jetzt nicht mehr hin, bis ich über Weihnachten nach Hause fahre. Meine Freunde aus der Schule verbringen Weihnachten natürlich mit ihren Familien und freuen sich besonders auf den „Boxing Day“, an dem sie sich dann ihrer Geschenke erfreuen können. Währenddessen besuchen meine Freunde aus der Uni auch ihre Familien und die Austauschstudenten bereisen Europa.


Wenn ich nach Weihnachten im neuen Jahr wieder komme, bin ich mir sicher, dass viele neue tolle Erfahrungen auf mich warten und ich freue mich schon darauf, dass es dann auch irgendwann Frühling wird und nicht mehr so kalt ist.


Vorher darf ich mich aber noch an den „Mocks“, also den Vorabi Klausuren erfreuen, das wird ein Spaß! Aber so schwer ist die Schule hier ja zum Glück nicht, also denke ich mal, dass ich das schon hinkriegen werde. Auch als deutsche Austauschschülerin ist es ziemlich einfach, dem Unterricht zu folgen.

 

Ich wünsche allen eine frohe Weihnachtszeit! Bis zum nächsten Jahr!