Mittwoch, 26. September 2018
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10 Staaten in 3 Monaten
Meine erste Zeit in den USA

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiat
Felix N.
Stipendium gestiftet durch:
Carl Duisberg Centren



 

Stipendiat Schueleraustausch USA

Bis ungefähr zwei Tage vor meiner Abreise hatte ich immer noch nicht realisiert, dass ich für ganze zehn Monate in den USA auf eine High-School gehen würde und dass ich in einer komplett fremden Gastfamilie leben würde. Doch ich war bereit für ein Abenteuer, das mein Leben prägen würde.

 

Das Abenteuer begann am Flughafen Düsseldorf, mit einem 2 Stunden verspäteten Flug. Da ich verspätet war, verpasste ich meinen Anschlussflug und musste eine neue Route nehmen, aber ich war gut betreut und somit noch am selben Tag bei meiner Gastfamilie. Doch leider hatte mein Gepäck andere Pläne und kam erst ein paar Tage später an.

 

Meine Gastfamilie besteht aus meinem Gastvater Michael, meiner Gastmutter Emily und meinem Gastbruder Chris. Chris ist 15 und wird demnächst 16. Es ist eine super nette Familie, die genauso aufgeregt war wie ich. Meine Gastfamilie ist eine Militärfamilie, in meinem Fall heißt das, dass mein Gastvater ein Veteran der US Airforce und der Army ist. Er ist ein verwundeter Soldat aus dem Irak, der wegen den Folgen seiner Verwundung nicht mehr zurück in den Dienst kann. Meine Gastmutter ist ein Girls scout. Ich lebe nun in einem Vorort von Cincinnati in einer super netten und ziemlich jungen Nachbarschaft. Von hier brauchen wir 10 min zur Schule und 20 min nach Downtown Cincinnati.

 

In der ersten Woche haben wir erst mal Cincinnati erkundet und ich lernte viele neue Leute kennen, die alle immer sehr nett und hilfsbereit waren und natürlich auch immer noch sind. Eines der interessantesten Dinge war das Erkunden der neuen Schule, die komplett neu gebaut wurde und nun einem Campus einer Universität gleicht. Somit war ich nicht der Einzige, der die Schule erst kennenlernen musste. Die Schule ist ziemlich riesig mit 2500 Schülern und ist komplett auf dem neuesten Stand, mit Laptops in jedem Raum, Smartboards und natürlich Wlan. Nachdem wir meinen Stundenplan zusammengestellt haben, konnte es auch schon losgehen.

 

          Mein Stundenplan:
                     French II, American History, Physical Science, Algebra II(Mathe),
                     Studyhall (Zeit in der man Hausaufgaben und andere Arbeiten machen
                     kann), English II, Sports of America

 

Die Schule ist generell ziemlich einfach, insbesondere weil wir hier in Klassen wie Science, Algebra also Mathe oder French II Themen behandeln, die wir schon in Deutschland behandelt haben. Aber Lehrer bleiben relativ lange bei denselben Themen, damit jeder es versteht.
Die Schule geht von 8 Uhr bis 15 Uhr und man hat jeden Tag denselben Ablauf, was zu Anfang ein bisschen verwirrend war. Lehrer und Schüler sind hier mehr Freunde als einfach nur Lehrer. Interessant zu sehen war die große Auswahl an Schulfächern, von denen ich nie zuvor gehört habe. Ein Beispiel ist “Sports of America”, ein Fach, das ich gewählt habe, in dem wir über Sportarten wie Football, Basketball oder Baseball reden.

 

Das erste große Ereignis war die Homecoming Spirit Woche, die mit einem überragenden Football Spiel endete, 37:07 gewonnen. Das Highlight der Homecoming Woche ist der Homecoming Dance. Ein Schulball, zu dem sich alle ganz fein anziehen und tanzen. Viele Schüler machen ein Drama daraus ein Date für den Tanz zu finden, aber das ist wirklich nicht nötig und außerdem ziemlich schwierig, wenn man gerade mal für ein paar Wochen zur Schule geht. Ich bin einfach mit ein paar Freunden gegangen und hatte sogar zwei Tanzpartnerinnen, also man sollte sich wirklich nicht zu viele Gedanken darübermachen.

 

Das Land ist im Vergleich zu Deutschland ein ziemlich junges Land und so auch die Kultur. Im Grunde ist die amerikanische Kultur ein Mix aus fast allen Kulturen der Welt. In meiner Umgebung gibt es viele Familien deren Herkunft Deutschland oder Irland ist. Die Herkunft macht sich bemerkbar, wir hatten zum Beispiel ein kleines Oktoberfest.

 

Schüleraustausch USA Gastfamilie

 

In meinen ersten drei Monaten war ich nun schon in 10 Staaten: Ohio, Kentucky, Tennessee, Georgia, Michigan, West Virginia, Virginia, Pennsylvania, Maryland und Washington DC. Für meine erste kleine Reise mit meiner Gastfamilie ging es mit dem Wohnwagen nach Washington DC, wo wir auf einem Campingplatz in einer Militärstadt geschlafen haben. Der eigentliche Grund für unsere Reise war, dass mein Gastvater ein Buch mit Freunden aus der Army geschrieben hat und das nun im Pentagon vorstellt. Deshalb hatten wir die einmalige Chance, in das Pentagon zu gehen. Man kann dort normalerweise nicht rein, da dort die Chefs des Militärs arbeiten. Für uns hieß das, dass wir immer einen Soldat hatten, der uns eskortiert und aufgepasst hat, dass wir keine Fotos machen oder in irgendwelchen Akten herumschnüffeln.

 

Schüleraustausch Ausflug Washington

 

Nach unserem Besuch im Pentagon haben wir über mehrere Tage Washington DC erkundet. Zum Einen sind wir durch die Tunnel gegangen, die für Senatoren und Congress Men's gebaut wurden und die verschiedenen Gebäude verbinden. Wir hatten eine Tour durchs Capitol und haben eine Senatorin getroffen die mit meiner Gastmutter zusammenarbeitet. Aus ihrem Büro konnten wir die Präsidentenhubschrauber auf Augenhöhe vorbeifliegen sehen.

 

Senatorin uSA Schüleraustausch

 

Eine weitere interessante Erfahrung war, den Militärfriedhof “Arlington” zu sehen. Dort werden alle gefallenen Soldaten begraben, außer die Familie entscheidet, ihn an einem anderen Ort zu begraben. Neben den unzähligen Gedenksteinen, die alle in genau gemessenen Abständen stehen, gibt es auch das Grab der “Unknow Soldiers”. Wie der Name sagt sind dort Soldaten begraben, die nicht identifiziert werden konnten. Diese Grabstätte wird formal von einem Soldaten bewacht. Dieser Soldat marschiert für eine Stunde auf und ab. Zu jeder vollen Stunde wird der Guard des “Unknown Soldiers” in einer sehr formalen Zeremonie ausgetauscht, welche ein großes Event für viele Besucher ist. Eine Guard erhält sehr viel Ansehen und einen hoher Rang.

 

Veteranen Gastfamilie USA

 

Unsere Fahrt nach Hause war ziemlich lang mit geplanten 11 Stunden, die sich dann auf 15 Stunden verlängert hat, da uns ein Reifen am Wohnwagen geplatzt ist. Nachdem wir zu Walmart gefahren sind um ein neuen Reifen zu kaufen, konnten wir uns langsam wieder auf den Weg machen. Den Wohnwagen haben wir einfach am Rand vom Highway stehen gelassen.  

 

Mein Tagesablauf sah bis jetzt unter der Woche immer relativ gleich aus.

 

6:00 aufstehen
7:45 Schule beginnt
15:00 Schule endet

 

Nach der Schule habe ich jeden Tag bis auf Donnerstag Rudertraining. Da der Fluss, auf dem wir trainieren (Ohio River), nicht direkt bei der Schule liegt, geht es nach der Schule direkt mit dem Auto 15 Min. zum Training. Nach dem Training ist normalerweise nicht mehr viel los. Manchmal sind wir mit der Familie Essen gegangen oder noch kurz Einkaufen.

 

Austauschschüler USA Ruderverein

 

Der Ruderverein, für den ich rudere, gehört nicht zur Schule, weshalb ich viele Freunde kennengelernt habe, die über die Stadt verstreut wohnen. Mit dem Ruderverein bin ich inzwischen zu zwei Regatten und einem Rennen gegen einen anderen Verein angetreten. An jeder dieser Regatten haben um die 9000 Ruderer und 1200 Boote teilgenommen. Mit dem Ruderverein war ich nun schon in Columbus (Hauptstadt von Ohio), Kentucky und Tennessee und habe an der größten Regatta des Landes teilgenommen. Nun sind mein Partner und ich im Zweier auf Platz 60 der High-School Jugend in den USA.

 

Da die Stadt Cincinnati zu den größten Städten in Ohio gehört, hat sie mehrere Sport Teams, die in großen Ligen spielen. Das wahrscheinlich bekannteste Team sind die Cincinnati Bengals, ein Football Team, das in der NFL (National Football League) spielt. Ein weiteres Sport Team, das in obersten Liga des Sportes spielt, sind die Cincinnati Reds, ein Baseball Team, das in der Major League Baseball spielt. Dazu hat Cincinnati den FC Cincinnati, ein ziemlich neuer Fußballverein, der auf einem guten Weg ist. Inzwischen war ich schon bei einem Bengals Spiel gegen die Houston Texans, bei dem es ziemlich heiß herging. Und in der Thanksgiving Woche wird noch ein Bengals Spiel dazu kommen.

 

USA Schüleraustausch Bengals

 

Freunde zu finden ist wirklich nicht schwierig, auch wenn das oft etwas ist, über das man viel nachdenkt. Natürlich muss man einmal anfangen, und das ist oft eine Überwindung. Amerikaner sind sehr nett und aufgeschlossen. Wenn die mitbekommen, dass man ein Austauschschüler ist, will gleich jeder deine Geschichte hören. Mein Tipp ist, zu versuchen möglichst viele Leute kennen zu lernen und möglicherweise auch was unternehmen. Danach wirst du schon wissen, mit wem du mehr unternehmen willst und mit wem nicht. Ein anderer guter Weg Freunde zu finden, ist nach der Schule bei einer Aktivität wie zum Beispiel Basketball, Football oder vielleicht Band oder andere Clubs teilzunehmen. Dort trifft man oft Schüler mit selben Interessen. Wie ich schon erzählt habe, bin ich in den Ruderverein gegangen. Da ich zuhause auch gerudert bin und dort viele Freunde kennengelernt habe, war das für mich ein sehr guter Weg, Schüler mit denselben Interessen kennenzulernen. Hinzu kam, dass ich es durch meine vorherige Rudererfahrung ziemlich schnell in ein gutes Boot geschafft habe.

 

Natürlich sollte man sich die Frage stellen ob man etwas Neues ausprobieren möchte oder lieber etwas macht, was man bereits kennt. Aber ich empfehle jedem der vor hat ins Ausland zu gehen, irgendeiner Aktivität nach zu gehen und nicht nur auf dem Sofa zu sitzen und nichts tun.

 

Inzwischen macht sich die englische Sprache schon deutlich bemerkbar. Wenn ich mit Freunden oder meiner Familie auf Deutsch reden, muss ich richtig aufpassen, dass ich keine englischen Wörter in meine Sätze einbaue. Nach ca. 2 Monaten begann es, dass ich auf Englisch denke und träume. In der Schule verstehe ich so gut wie alles, manchmal kommen Wörter auf, die ich mir aus dem Zusammenhang erschließen muss, aber ich habe keine Probleme im Unterricht mitzukommen.

 

Die Zeit hier vergeht wie im Flug und ich bin sehr glücklich, dass ich mich entschieden habe hier so lange wie möglich zu bleiben. Ich hoffe, dieser Bericht konnte einen kleinen Einblick, geben wie es ist ein Austauschschüler zu sein, aber ich kann jedem empfehlen diese Erfahrungen selber zu machen und sich auf so ein Abenteuer einzulassen.